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Der Kampf um das Heer in den ersten Tagen der Novemberrevolution

Full text: Die Volksmarinedivision / Wrobel, Kurt (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

I* 
Kameraden! Proletarier in Feldgrau! 
Der große Schlag ist Euch gelungen. Die Monarchie, die 
Euch vier Jahre lang Euer Blut vergießen ließ, die Millionen Eurer 
Brüder zu Krüppeln machte und in die Massengräber legte, ist ge 
stürzt. Mit ihr fiel jene eiserne Fessel, die Euch jahrelang ge 
bunden hielt: der Kadavergehorsam, die Gamaschendisziplin, die 
furchtbare Barbarei der Feld- und Kriegsgerichte habt Ihr zerbrochen. 
Ihr habt dem Kapitalismus, der in Euch das gefügige Werkzeug 
fand, gezeigt, daß Ihr nicht mehr gewillt seid, noch fernerhin um 
seiner Profite willen zu bluten. Ihr habt ihm gezeigt, daß die Armee, 
die bisher die sicherste Garde war der großen Kassenschränke, 
der großen Banken, der Kohlen- und Eisenbarone, sich nicht will 
weiter mißbrauchen lassen und Ihr habt damit den Weg geöffnet, 
den das Proletariat gehen muß, um befreit zu werden: nicht nur 
von der Geißel des Krieges sondern von den Banden kapitalistischer 
Ausbeutung überhaupt. 
Denn, Kameraden, nur der Weg ist bis jetzt geöffnet, nicht 
die Befreiung des Proletariats selbst ist erfolgt. Denn sie alle, die 
zu Hause sich die Taschen füllten, während Ihr in den Schützen 
gräben läget, die Euren Frauen und Kindern das Brot verteuerten, 
während sie Euch hießen „Frau und Kinder zu verteidigen'*, die 
ganze gewaltige Kapitalisten- und Oroßgrundbesitzerklasse sitzt 
weiter unbehelligt zu Hause und hat ihre furchtbare wirtschaftliche 
Macht in Händen wie je zuvor und bedroht Euch mit Ausbeutung 
und Unterdrückung mehr als zuvor. Denn ihr hat die Revolution 
bisher nicht wehe getan. Wilhelm von Hohenzollern haben sie 
gern geopfert, weil sie glaubten, dann in den Friedensverhandlungen 
für den deutschen Kapitalismus noch etwas retten zu können. Von 
ihrer eigenen Macht haben sie nichts preisgegeben und sie sind 
auch nicht bereit es zu tun. Im Gegenteil! Sie beginnen ihre 
Kräfte wieder zusammen zu nehmen, sie versucht, den Soldaten 
ihr revolutionäres Werk zu entwinden. 
Die Gegenrevolution ist auf dem Olarsche! 
Aus ihren Höhlen, in die sie sich während der Slurmtage 
verkrochen hatten, kommen wieder ihre Agenten Es kommen die 
Offiziere und reden mit den Soldaten Sie reden jetzt nicht mehr 
„preussisch“, sie reden jetzt als „Kameraden" 
Soldaten! misstrauet diesen „Kameraden“. 
Warum sind sie nicht Kameraden geworden als Ihr in Dreck 
und Feuer läget, warum waren sie nicht Kameraden als Ihr die 
schmierige Kost der Feldküche und jene die Braten der Offiziers- 
küche aßet, warum waren sie nicht Kameraden als Ihr eine Löh 
nung von ein paar Pfennigen und jene die Hundertmarkscheine 
bekamen ?
	        
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