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Appendix Dokumente und Berichte

Full text: Die Volksmarinedivision / Wrobel, Kurt (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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Die Volksmarinedivision gegen den Stadtkommandanten 
Wir erhalten von einer Stelle, die volle Verantwortung für 
ihren Bericht übernimmt, die folgenden Mitteilungen: 
Gelegentlich der heute morgen im Ministersaal stattgefunde 
nen Sitzung wurden von den verschiedenen Vertretern der 
Soldatenräte der einzelnen Regimenter der Garde, der republi 
kanischen Soldatenwehr sowie der Volksmarinedivision un 
zweifelhaft die Schuld des Stadtkommandanten Wels an dem 
Blutbade vom 6. Dezember festgestellt. Alle an dem Putsch 
versuch dieses Tages Beteiligten (Graf Metternich, Hauptmann 
Lorenz, Hauptmann Coler, Freiherr von Stumm, Graf Meß 
berg, von Rheinbaben) waren mit den roten Ausweisen der 
Stadtkommandantur versehen. Die roten Ausweise trugen 
allerdings eine Faksimileunterschrift. Herr Wels hat dadurch, 
daß er um sich herum nicht gewählte, demnach nicht vom Ver 
trauen ihrer Kameraden getragene frühere Offiziere u.a. Major 
Main duldet, einem Intrigenspiel, welches vom Auswärtigen 
Amt ausging, Vorschub geleistet. Bezeichnend ist, daß Leut 
nant Fischer, der Adjutant des Herrn Wels, dem Führer der 
Volksmarinedivision gelegentlich einer Unterredung einen 
Köder auswarf, indem er ihm sagte: Ich brauche 500 zuver 
lässig sozialistisch geschulte Leute — nicht mit der Waffe in 
der Hand, sondern für eine andere Sache, zur Aufklärung der 
Regierung Ebert. Außerdem hat gerade Herr Wels andauernd 
den Versuch gemacht, die Volksmarinedivision aus Berlin zu 
entfernen, indem er mit verschiedenen Befehlen operierte. 
Einmal ein Befehl, der nicht unterzeichnet war, von einem 
gewissen Vollzugsratsmitglied Strobel, der selbst nicht weiß, 
welche Wähler ihm Vertrauen geschenkt haben, dann mit 
einem Befehl des Finanzministers, hernach mit einem Befehl 
der Regierung. Die Volksmarinedivision, die zu 90 Prozent aus 
in Berlin ansässigen verheirateten Kameraden besteht, alles 
politisch geschulte Männer, steht laut ihrem Beschluß der 
jetzigen Regierung zur Verfügung — also der Regierung, die 
auf ihr Programm als endgültiges Ziel die Schaffung einer 
sozialistischen Republik gesetzt hat —, hält es aber für ihre 
Pflicht, so lange zu bleiben, bis praktisch bewiesen ist, daß die 
Revolution nicht mehr von irgendeiner Seite bedroht wird.
	        
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