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Appendix Dokumente und Berichte

Full text: Die Volksmarinedivision / Wrobel, Kurt (Rights reserved - Rights managed by VG Wort (§ 51 VGG))

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geschwächten Gesundheit ohne weiteres bereit erklärte, zu 
kommen. Er beruhigte die den Stadtkommandanten Wels be 
wachenden Kameraden der Marine, und man fuhr dann noch 
mals um 5 Uhr nachts zur Regierung, fand aber dort kein Mit 
glied anwesend, stellte aber fest, daß trotz der gegebenen Zu 
sage Fronttruppen bereits im Reichskanzlerpalais unter Füh 
rung von Offizieren anwesend waren. 
Am Morgen des 24. Dezember erschien plötzlich vor dem 
Schloß ein achtzehn- bis zwanzigjähriger Leutnant und drei mit 
Handgranaten bewaffnete Soldaten und forderte kategorisch 
den Eintritt in das Schloß. Man gewährte ihm denselben und 
er legte einen Wisch Papier ohne Unterschrift vor, mit folgen 
dem Inhalt: Die Matrosen verlassen sofort das Schloß und den 
Marstall, legen ihre Waffen nieder und werden bewacht bis 
zum Abtransport in die Heimat. — Der Offizier erklärte, er 
komme im Aufträge der Regierung. Man erklärte dem Offizier, 
die Regierung könne das nicht befohlen haben, denn man habe 
das persönliche Wort des Volksbeauftragten Ebert, daß im 
Laufe des Tages weiterverhandelt werden würde. Kamerad 
Dorrenbach begab sich sofort zum Marstall, las das sogenannte 
Ultimatum vor, worauf man einstimmig beschloß, das Schloß 
und den Marstall bis auf den letzten Mann zu verteidigen. Die 
Schloßbesatzung bestand aus 28 Kameraden der Volksmarine 
division unter Führung des Kameraden Dorrenbach, die Mar- 
stallbesatzung aus etwa 70 bis 80 Köpfen, von denen ein Teil 
der Polizei truppe angehörte. Von der Beschießung durch Artil 
lerie war in dem Ultimatum nichts erwähnt, so daß die Volks 
marinedivision es nicht für nötig hielt, das Schloß und den 
Marstall von den Zivilisten räumen zu lassen, wozu ja auch 
keine Zeit mehr war. Man war allerdings sehr erstaunt, als 
kaum nach 8 Minuten der erste Artillerieschuß fiel. Die Er 
bitterung wuchs. Die Beschießung durch die Artillerie setzte 
sich fort, bis schließlich von seiten der Lequisschen Truppen 
der Sturm versucht wurde. Dieser Sturm wurde sowohl im 
Marstall als auch im Schloß abgeschlagen, nur im Schloß ge 
lang es den Angreifern, an das Tor, welches durch die Artillerie 
in brutaler Weise zusammengeschossen war, heranzukommen. 
Ein Leutnant erblickte dabei einen unbewaffneten Kameraden 
der Volksmarinedivision und erschoß ihn wie ein Stück Wild.
	        
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