betrachten darf; aber jedenfalls trägt die sonst nicht verwendbare
Summe zur Erleichterung des Ankaufs und zur Verwirklichung des
Projekts bei.
Der finanzielle Effekt wird dann folgender sein: 140000 JC
kostet die Baustelle, 132 000 JC erhalten wir aus dem vorbezcichneten
Fonds, es bleiben somit zu decken noch 8 000 JC für die Baustelle,
ferner 22000 JC für die Ablösung des Küstergcbändes und
ca. 15000 JC Baukosten für die Turnhalle, das sind in Summa
ca. 50 000 JC, die zum Bau der Turnhalle zu bewilligen sind. Nun,
ich meine, wenn wir eine Turnhalle in unmittelbarer Nähe der Anstalt
für diesen Preis erlangen können, daß es nicht empfehlenswert!) wäre,
die Vorlage abzulehnen. Es wird sich die Gelegenheit nicht leicht
wieder bieten; und wenn Sie daraus rechnen, daß der Mann uns
kommen muß, so kann sehr leicht der Fall eintreten, daß Sie die
Baustelle überhaupt nicht bekommen.
Ich bitte Sie dringend, die Magistratsvorlage anzunehmen.
Stadtschulrath Fürstenau: Meine Herren, zunächst möchte
ich ein paar Worte sagen über die Nothwendigkeit, daß das Gymna
sium zum Grauen Kloster eine Turnhalle bekommt. Es ist unter
unseren höheren Lehranstalten die einzige, die keine Turnhalle, sei es
selbst, sei es in nächster Nähe, hat. Die Anstalt ist daraus angewiesen,
ihre Schüler zum Theil in das Köllnische Gymnasium, zum Theil in
die Gemcindeschule hinter der Garnisonkirche gehen zu lassen. Sie
können sich denken, daß die Schüler nicht gleich mit dem Glocken
schlage dastehen, um wegzugehen, sondern daß eine gewisse Zeit ver
geht, ehe sie sich gesammelt haben, um den Weg nach der einen oder
andern Richtung anzutreten. Es vergehen dabei einige Minuten. Der
Weg wird dann gemacht. Sie kommen dort an, und da vergeht
wieder einige Zeit, bis sie sich für das Turnen zurecht gemacht haben.
Denken Sie an das schlechte Wetter, an den Umtausch des Schuhwerks,
und Sie können sich leicht eine Rechnung machen, was da noch für
die Turnstunde übrig bleibt. Ein ordentlicher Unterricht ist in der
Weise nicht zu geben. Das wiederholt sich für jede Klasse 3 Mal
die Woche, und die Noth ist in der That groß. Dazu kommt, daß
die Leiter der Lehranstalten, deren Halle benutzt wird, der Direktor
des Köllnischen Gymnasiums und der Rektor der Gemeindeschule hinter
der Garnisonkirche zunächst die Stunden, die ihnen bequem sind, mit
ihrem Turnunterricht besetzen, und daß das Gymnasium zum Grauen
Kloster genöthig ist, zu nehmen, was ihm übrig bleibt, wodurch
wiederum eine große Unbequemlichkeit für den Unterricht entsteht. Das
ist kein Zweifel, die Benutzung einer Turnhalle ist im höchsten Grade
erschwert und bringt keinen fruchtbaren Unterricht.
Es ist gesagt, die Schüler vom Grauen Kloster könnten im Freien
turnen. Im Grauen Kloster sind 2 Höfe, ein vorderer und ein hinterer;
beide sind klein und sind zum Theil noch nicht so groß wie z. B. der
eine Hof, der zum Königstädtischeu Gymnasium in der Elisabethstraße
gehört, und der ist auch ein kleiner Hof. Diese beiden Höfe müssen
nothwendig reservirt bleiben für die freie Bewegung der Schüler in
den Pausen; sie dürfen nicht durch Turngeräthe u. s. w. verstellt
werden. Der Raum hinter dem Gebäude ist schmal und besteht mehr
aus Wegen als aus eigentlichen Plätzen. Es ist nur ein einziger
Platz da, der mit 10 oder 12 wunderschönen, alten Bäumen besetzt
ist. Wollen Sie nun im Zentrum von Berlin diese wunderschön ge
wachsenen Bäume wegrasiren, um Turngeräthe aufzustellen? Ich
könnte es nicht übers Herz bringen, dafür zu sprechen; es würde
wirklich ein Verlust sein. Und was hätten wir damit erreicht? Man
hätte ein paar Barren, ein paar Recks, die man da aufstellen könnte.
Die könnte man benutzen bei gutem Wetter; aber im Winter und bei
Regenwctter, bei kaltem und windigem Wetter könnten sie auch nicht
benutzt werden.
Nun wird durch den Ankauf des Hauses noch ein Zweck erreicht,
von dem ich eigentlich nicht zu sprechen hätte; der, daß die unschöne
Gegend, die sich jetzt an den Chor der Klosterkirche anschließt, beseitigt
wird. Die Klosterkirche ist eigentlich die schönste alte Kirche in Berlin,
und cs wäre sehr werthvoll für die ganze Stadtgegend, wenn diese
unschönen Partien beseitigt werden könnten, und »venu dieser Chor
der Kirche freigelegt werden würde. Es würde das durch die vor
geschlagene Baufluchtlinie leicht erreicht werden.
Ich komme nun noch auf den Geldpunkt. Es ist von mir die
Summe, die uns zur Verfügung steht, auf 132 000 JC angegeben.
Das war die Summe, wie sie bestand im Herbste vorigen Jahres.
Die Summe trägt Zinsen und zwar 6 132,so JC jährlich. Die kommen
hinzu; und dadurch erhöht sich der ganze Betrag, der uns jetzt zur
Verfügung steht, nach der Feststellung der Hanptstiftungskasse vom
heutigen Tage auf 137 860 JC.
Nun wird vielleicht für Sie von Interesse sein, zu hören, woher
diese Summe stammt, um daraus den Schluß zu ziehen, daß wir
hier die richtige Anwendung für diese Summe gefunden haben.
Im Jahre 1831 schenkte der verstorbene König Friedrich Wil
helm III. dem Gymnasium zum Grauen Kloster einen Theil des
Lagerhauses. Das Lagerhaus war damals noch vermuthet, und es
wurde bei dieser Schenkung bestimmt, daß die Miether nicht gekündigt
werden sollten; es sollte also einstweilen noch weiter benutzt, der
Miethspreis aber dem Kloster zur Gründung dieses Fonds zugewiesen
werden. Aus den Miethen des Lagerhauses ist dieser Fonds ent
standen. Er ist zum Theil schon in den vierziger Jahren verbraucht
zu einem Bau, ist aber jetzt wieder zu der genannten Summe an
gewachsen. Er ist bestimmt zur Erweiterung der Gebäude des Grauen
Klosters und kann zu nichts anderem verwendet werden. Eine zweck
mäßigere Verwendung läßt sich nicht finden, uni) wenn er jetzt nicht
dazu verwandt wird, wer weiß, ob man ihn jemals zu einem solchen
Zwecke verwenden kann.
(Sehr richtig!)
Also bitte ich Sic dringend, die Magistratsvorlage, wie sie gestellt ist,,
anzunehmen.
Stadtverordneter Huyo Sachs (II): Meine Herren, nach
dem Herr Kollege Deter bereits mit der Ausführlichkeit, die ihn aus
zeichnet, alle Gründe für diese Vorlage vorgebracht hat, ist nur wenig
mehr anzuführen.
(Zuruf.)
— Gewiß ist es nothwendig, namentlich den Anhängern der Ablehnung
der Vorlage gegenüber nachzuweisen, daß der Beschluß des Ausschusses
ein fehlerhafter ist, dem wir nicht beitreten können.
Um es kiirz zu rekapituliern: wir erfüllen ein wirtschaftliches
Interesse durch Verbreiterung der Straße, wir erfüllen — wie der
Herr Stadtschulrath auseinandergesetzt hat — so zu sagen ein anti
quarisches Interesse; wir sind verpflichtet, dieses Interesse ebenfalls zu
erfüllen. Wir erfüllen ferner in hohem Maße ein pädagogisches
Interesse. Der Herr Stadtschulrath hat überzeugend ausgeführt, daß.
es pädagogisch nicht zu rechtfertigen ist, wie die Schüler des Gym
nasiums anderswo Unterkunft suchen für ihre Turnübungen. Das
Durchschlagende ist aber doch wohl dasjenige, was der Herr Stadt
schulrath angeführt hat bezüglich der Einstellung des Fonds, bezüglich
der Stiftungsurkunde.
Meine Herren, wie kommt gerade dieses Institut, diese erste la
teinische Schule dazu, dasjenige Gebäude zu entbehren, welches andere
Gymnasien uud Schulen haben, um so mehr als ein Fonds gerade zu
diesem Zwecke bestimmt ist? Der Herr Stadtschulrath hat gesagt, daß
dieser Fond ausdrücklich zu dem Zwecke — nicht zur Renovation,
sondern zur Erweiterung des Grauen Klosters — seiner Zeit gestiftet
worden ist. Ob dieser Fond sich im Eigenthum des Grauen Klosters
befindet, oder der Stadtgemeinde, dürfte gleichgiltig sein; wesentlich
ist, daß er mit dieser Zweckbestimmung belastet ist, daß wir ihn zu
einem anderen Zwecke nicht verwenden können, so daß wir, wenn wir
eine so berechtigte Forderung durch die Aufwendung dieses Fonds
erfüllen können, nicht zurückschrecken sollten.
Meine Herren, ich hoffe, daß der Gang der Debatte Sie zu der
Ueberzeugung gebracht hat, daß die Gründe des Ausschusses nicht
haltbar sind, und ich bitte Sie, die Magistratsvorlage anzunehmen.
(Die Berathung wird geschlossen.)
Berichterstatter Stadtverordneter Bracke (Schlußwort):
Meine Herren, es ist in der Debatte nichts Neues vorgebracht, das
nicht schon im Ausschuß zur Erörterung gekommen wäre. Was eben
der Herr Kollege Deter angeführt hat, das Grundstück, welches in der
Nähe verkauft worden ist, ist für diesen Fall nicht maßgebend. Er
sagt zwar, es sei ein sehr tiefliegendes Grundstück mit Hinterland
aber er verschweigt dabei, daß das Grundstück in seiner ganzen Tiefe
an der zu verlängernden Grnnerstraße gelegen ist, und eine Straßen
front von ' mindestens 90 m erhält, und daß der Fiskus gezwungen
ist, dieses Grundstück anzukaufen, wenn er sein Gerichtsgebäude über
haupt an die Straße legen will.
Der Herr Stadtschulrath sagt, es sei unbedingt nothwendig, jetzt
die Turnhalle zu erbauen. Nun wundert es mich, daß man erst jetzt
bei diesem Schulinstitute, welches schon über 300 Jahre besteht, zu der
Erkenntniß gekommen ist, daß eine Turnhalle nothwendig ist, und daß
man nicht die Gelegenheit zum Ankaufe benutzt hat, als das Grund
stück zu sehr billigem Preise zu haben war, sondern erst die Zeit ab
gewartet worden ist, wo es mindestens 100 pCt. theurer bezahlt
werden muß.
Ich bitte Sie, den Antrag des Ausschusses annehmen zu wollen.
(Die Versammlung lehnt den Antrag des Ausschusses ab und
beschließt mit großer Mehrheit wie folgt:
Die Versammlung erklärt sich mit der Erwerbung des Grund
stücks Neue Friedrichstraße 86 für den Preis von 140 000 JC zum
Zwecke der Straßenvcrbreiterung und Freilegung des Kirchenchors
der Klosterkirche, sowie zur Erbauung einer Turnhalle unter
Vorbehalt der Genehmigung des Bauprojektes für dieselbe ein
verstanden.)
Neunter Gegenstand der Tagesordnung:
Berichterstattung über die Vorlage, betreffend den provi
sorischen Betrieb des Hafens am Urban. — Vorlagen 444, 540.
Berichterstatter Stadtverordneter Heitmann: Meine
Herren, der von Ihnen eingesetzte Ausschuß hat, bevor er in die Be
rathung trat, sich den Urbanhafen angesehen und gefunden, daß noch