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Volume XVI. Kriegsfürsorge

Full text: Verwaltungsbericht der Gemeinde Berlin-Friedenau (Public Domain) Issue 1914/1916 (Public Domain)

liegt den Kreisvevbänden ob. Die aufgewendeten Mittel erstattet zum größere» Teile das Reich. Das 
Gesetz bestimmt nur die bca Unterstützten zu gewährenden Mindestleistungen. Diese betrugen bei Kriegs 
ausbruch 12 Mk. für die Wintermonatc und 9 Mk. für die Sommermonate; sie wurden durch die oben 
genannte Verordnung des Bundesrats auf 15 Mk. für die Ehefrau und 7.50 Mk. für jede andere unter 
stützungsberechtigte Person festgesetzt und für die Zeit vom 1. November 1916 bis zum 30. April 1917 aus 
20 Mk. für die Ehefrau und 10 Mk. für jede andere untcrstützungsbcrechtigte Person crhöhl. Ueber die 
gesetzlichen Mindestsätze hinaus gewähren die Kreise da, wo. das Bedürfnis es erforderte, den Unterstützten 
Zusatzunterstützungen. Im Kreise Teltow betrugen die Zuschüsse je nach dem Grade der Bedürftigkeit bis 
zu 100 Proz. 
Ueber die Unterstützungsanträge entscheidet.in Friedenau die vom Kreise Teltow eingesetzte „Fa 
ul llien-Unter st UtzungSkom Mission für den Bezirk 2 des Kreises Tclto w". Ihr 
gehörten unter dem Vorsitze des Bürgermeisters W a I g c r an: die Schöffen Bache und S a d 6 c, Lyceal- 
Direktor Hanne mann und Pfarrer Görnandt. Später wurden noch Schöffe W o s s i d l o , Geheimer 
Baurat Schlemm, Gemeindeverordneter M a t t h i e s und Kominissionsrat H u s s c l d Mitglieder der 
Kommission. 
Es wurden an Unterstützungen gezahlt: 
Zahl der 
Unler- 
GesamlbeNag 
stLtzungen 
Mk. 
August 1914 bis März 
1915 . . 
1823 . 
326 796.57 
April 1915 „ 
1916 . . 
3164 
l 213 622.17 
.. 1916 ,. 
1917 . . 
3512 
1611 555.1 1 
8499 I 
3 151 973,86 
Die Zahluirgen der Kriegsunterstützungcn durch die Gemcindekasse erfolgten halbmonatlich. Schon 
ini ersten Kriegsjahrc reichte der Kasscnraum für die Abfertigung der Empfänger nicht aus. Die Turn 
halle des Gymnasiums mußte aushilfsweise dazu benutzt werden. Inzwischen ist der Betrieb noch um- 
fangreicher geworden.. Jetzt sind an den Hauptzahltagen 3 Zahlstellen und 8 Beamte in Tätigkeit. Es 
werden durchschnittlich 2600 bis 2800 Zahlungen an einen: Zahltage geleistet. Die als Kriegsuntee 
stützung gezahlten Beträge werden vom Liefcrungsverband (Kreis Teltow) erstattet. 
2. G e m e i n d e z it s a tz - U n t c r fr ü tz u n g. 
Die Armcnverwaltung war seit Beginn des Krieges in zahlrcicheir Fällen genötigt, Angehörigen 
von Kriegsteilnehmern Unterstützung zu gewähren, weil sich diese trotz der ihnen zustehenden KriogSuwter- 
stützung und der von der Gemeinde gewährten Mietsbeihilfc ir Not befanden. Nach der Entscheidung des 
Bundesamtes für das Hcimatwesen vom 27. März 1915 und auf Grund verschiedener Erlasse des Ministers des 
Innern soll die den Fainilien der Kriegsteilnehmer im Falle der Unterstützungsbcdürftigkeit zu gewäh 
rende Hilfe niemals als Armenuntersüitzung verabfolgt werden, sondern stets als Kriegsfürforge gelten. 
Im Eiirverständnis mit der Gemeindevertretung wurde diese Art von Unterstlltzungssällcn der Kricgsunter- 
stützungskommission überwiesen. Die bis dahin im Armenbureau bearbeiteten Fälle wurden vom Februar 
1916 ab dem Kriegsuntcrstützungsbureau zugeteilt. Die Bettäge wurden dem Kriegshilfsfonds ctttnomni«i. 
Die Barunterstützungen trug die Gemeinde, während die Kosten für ärztliche Behandlung, Krankenhaus 
und Anftaltspflcge voni Kreis getragen wurden. 
Es wurden durch die Gemeindekassc gezahlt vom 
Februar 1916 bis Mürz 1916 in 195 Fällen . 1797,80 Mk. 
April 1916 bis März 1917 in 536 Fällen . 62 498,28 „ 
zusammen 64 296,08 Mk. 
3. K r i e g s w o ch e n h i l f e. 
Die durch die beiden Bundcsratsvcrordnungen vom 3. Dezember 1914 und 28. Januar 1915 
eingeführte Wochcnhilfe wurde durch die Bundcsratsvcrordnung vom 23. April 1915 (Neichsgesetzblatt 
Seite 257) bedeutend erweitert. Die Wochenhilfe steht grundsätzlich nur minderbemittelten Wöchnerinnen zu. 
Die Anträge auf Gewährung von Wochenhilfe wurden bei der Krankenkasse gestellt, der die Wöch 
nerin oder ihr Ehemann angehörten. Wenn keine Krankenkasse in Betracht kam, so trat die Familien- 
Untersrlltzungs-Kommission ein. Die Gemcindekasse zahlte an Wochenhilfen: 
von Juni 1915 bis März 1916 in 67 Fällen . 5738 Mk. 
von April 1916 bis März 1917 in 49 Fällen . 4705 „ 
zusammen 10443 Mk. 
Die Beträge werden vierteljährlich vom Reiche zurückerstattet. 
4. Urlauberzuschutz. 
Die Gemeindevertretung bewilligte am 18. November 1915 den unterstlltzungsbcrcck)1igten Fanrilien 
eine Zulage von 1 Mk. für jeden Tag, welchen der am Feldzug« teilnehmend« Ernährer als Urlauber 
in Friedenau verweilte. Der Zuschuß fiel fort, wenn der Urlauber von der Heeresverwaltung Verpfle- 
gungsgeld in mindestens gleicher Höhe bezog. Der Urlauberzuschuß wurde auf einmal für die ganze 
Dauer des Urlaubs gezahlt. Bei Beurlaubungen bis aus weiteres erfolgte die Zahlung nachträglich.
	        
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