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Volume VII. Armen- und Waisenpflege

Full text: Verwaltungsbericht der Gemeinde Berlin-Friedenau (Public Domain) Issue 1913 (Public Domain)

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Als Anstalten kamen in Frage: 
1. die Lungenheilstätte Belzig, 
2. .. Sternberg, 
3. „ „ Burg Dabei b. Wittstock, 
4. die Kinderheilstätte Boldixum, 
5. „ „ Louisenheim, 
6. .. ., Hohenlychen, 
7. die Trinkerheilstätte Waldfrieden bei Fürstenwalde a. Spree, 
8. die Walderholungsstätte Eichkamp. 
Die Verpflegungskosten in den vorstehend unter 1 — 7 genannten Anstalten schwanken zwischen 
2,50 M. und 4 M. pro Tag und sind mit denjenigen zu 8. welche täglich 0,60 M. bis 0,80 M. betragen, 
in den Gesamtkosten für Kcankenhausunterbringung mit aufgeführt. 
In die Ferienkolonie, und zwar in das Ferienheim Zinnowitz des Friedenauer Vereins für 
Ferienkolonien wurden von der Armenverwaltung insgesamt 48 Kinder entsandt. Die hierdurch entstandenen 
Kosten betrugen für 21 Kinder 1260 M. Für die übrigen 27 Kinder leistete die Gemeinde dem Verein 
für Ferienkolonien eine Beihilfe von 3000 M. 
Insgesamt wurde in 932 Fällen die öffentliche Armenpflege mit einem Gesamtkostenaufwande von 
94 489 M. in Anspruch genommen. 
c) Verschiedenes. 
Wegen Nichterfüllung der Unterhaltungspflicht der Familie gegenüber wurde in 2 Fällen 
Strafantrag auf Grund des § 361, 10 des Reichs-Strafgesetzbuches gestellt. Während ein Strafantrag 
zurückgezogen wurde, schwebt in dem anderen Falle das gerichtliche Verfahren noch. Ferner wurden durch 
Vermittelung fremder Armenoerbände 4 Strafanttäge durchgeführt. 
In 2 Fällen wurden auf Grund des Arbeitsscheuengesetzes Strafanträge gestellt. Während in dem 
einen Falle von der Durchführung des Verfahrens abgesehen wurde, weil der Nährpflichtige sich bereit er 
klärte, Unterhaltungsbeiträge zu leisten, mußte in dem anderen Falle das Verfahren wegen Krankheit des 
Säumigen bis auf weiteres eingestellt werden. 
Von tz 65 des Ausführungsgesetzes zum Reichsgesetz über den Unterstützungswohnsitz (laufende 
Beiträge zum Unterhalt) ist in einem Falle Gebrauch gemacht und die von der unehelichen Mutter zu 
leistende Beihilfe auf das für ihr Kind aus öffentlicken Mitteln gezahlte Pflegegeld von der Beschlußbehörde 
auf 21 M. monatlich festgesetzt worden. 
Anträge auf Erteilung von Armuts- und Bedürftigkeitszeugnissen wurden in 726 Fällen 
gestellt, von denen 4 abgelehnt und 3 zurückgezogen wurden. 
Für auswärtige Behörden wurden 723 Einziehungsersuchen erledigt. 
ß. Ausübung üer lüalsenpflegc. 
1. Durch die Armenverwaltung. 
Die Waisenpflege wird durch die Organe der Armenpflege unter Mitwirkung der Gemeindeschwester 
und der Gemeindewaisenpflegerin ausgeübt. 
An monatlichen Pflegegeldern werden gezahlt für Kinder im Alter bis zum vollendeten ersten 
Lebensjahre — 21 M., für Kinder bis zum vollendeten zweiten Lebensjahre -- 18 M. und für Kinder 
nach vollendetem zweiten Lebensjahre -- 15 M. Daneben wird auf Antrag die erforderliche Kleidung, 
armenärztliche Behandlung und Arznei gewährt. 
2. Durch den Gemeindewaisenrat. 
Der Gemeindewaisenrat besteht aus: 
1. dem vom Gemeindevorsteher zur ständigen Vertretung bestimmten Schöffen, 
2. 20 Bezirkswaisenräten (darunter 2 Damen), 
2a) 2 unbesoldeten Waisenpflegerinnen, 
3. dem Generaloormund und 
4. der besoldeten Gemeindewaisenpflegerin. 
Der Gemeindewaisenrat hat im Jahre 1913 mehrere Sitzungen abgehalten, zu denen jedesmal 
der Vormundschaftsrichter eingeladen worden ist. 
Der Generalvormund erhält eine jährliche Entschädigung von 1200 M. und die besoldete Gemeinde 
waisenpflegerin eine solche von 1500 M. 
3. Die Tätigkeit des Generalvormundes über die Jahre 1907—1913. 
Die im Jahre 1907 für die Gemeinde Berlin-Friedenau eingeführte Generalvormundschast, die 
ursprünglich als Armenoormundschaft gedacht war, sich aber aus der Praxis heraus zu einer Sammel- 
vormundschaft für uneheliche Kinder herausgebildet hat, hat sich stetig entwickelt und nimmt von Jahr zu 
Jahr an Umfang zu. 
Bis zum 31. Dezember 1913 kamen unter Generalvormundschaft 321 uneheliche Kinder, davon 
sind 180 Knaben und 141 Mädchen. 
Die Vormundschaft erlosch 
durch den Tod der Mündel in 36 Fällen, 
„ Legitimation in 57 Fällen, 
„ Adoption in 3 Fällen, 
Verzug nach der Provinz und 
„ Bestallung anderer Vormünder in 51 Fällen.
	        
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