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Volume 76 ([571-584])

Full text: Drucksache (Public Domain) Issue 1946/1948, 51-100 (Public Domain)

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det. Darüber hinaus bestehen eine ganze Reihe von 
Arbeitsstätten, ln denen den Jugendlichen Gelegenheit 
gegeben wird, sich berufsfordernd zu betätigen, solange 
sie nicht ln der Lage sind, in einem echten Arbeitsverhält 
nis oder einer Lehrstelle unterzukommen. Es betrifft dies 
hauptsächlich Arbeitsstätten der Holz-, Metallbranche, 
Strickereien, Flick- und Nähstuben, Buchbindereien, 
Schneidereien, Brachlandaktion und einen Vorbereitungs 
kursus für sozialpflegerische Berufe, Durch diese Aktion 
sind 395 männliche und 767 weibliche Jugendliche erfaßt. 
Außerdem haben die Jugendämter in ihren Beschäf 
tigungsgruppen bei der Herrichtung von Spielplätzen 
z. Z, ca. 700 Jugendliche erfaßt. 
Der drückende Material- und Werkzeugmangel macht 
sich nach wie vor bemerkbar. Trotzdem werden die 
Bemühungen auf allen Gebieten fortgesetzt. 
Der Stadtverordnetenbeschluß vom 3. , 4. 1047 hat 
für die Stadtverordnetenversammlung damit seine Er 
ledigung gefunden. 
Berlin, den 29. November 1947 
Magistrat von Groß-Berlin 
L. Schroeder Maraun 
579. Beantwortung der Anfrage der Stadtver 
ordneten Litke, Maron und die übrigen Mit 
glieder der Fraktion der SED über Berliner 
Hochschulen (Vorlage Nr. 73/556) 
Der Magistrat von Groß-Berlin beantwortet die 
Dringlichkeitsanfrage über die Berliner Hochschulen 
wie folgt: 
„Die Grundlage für die politische Überprüfung der 
Studienbewerber an den Berliner Hochschulen bilden 
die Richtlinien vom 7. 2. 1946, welche in ihrem Ab 
schnitt II genaue Angaben zu diesem Punkt enthalten. 
Danach sind vom Studium ausgeschlossen: die Mit 
glieder dpr NSDAP, frühere Mitglieder der HJ und 
des BdM vom Stammführer bzw. Mädelringführerin 
aufwärts und solche, die in diesen Organisationen 
eine aktive Tätigkeit entfaltet haben, alle Mitglieder 
der SA und SS, alle aktiven Offiziere, alle ehe 
maligen Reserveoffiziere vom Oberleutnant an auf 
wärts, Kinder von Eltern, die angesehene und aktive 
Mitglieder der NSDAP und deren Gliederungen waren. 
Der deutsche und der englische Fragebogen, die 
die Studienbewerber um Zulassung zum Studium aus 
füllen müssen, enthalten genaue Fragen zu diesen 
Punkten. Die Angaben der Studienbewerber zu ihrer 
politischen und militaristischen Vergangenheit werden 
durch das Zulassungsbüro des Hochschulamtes syste 
matisch und genau uberprüft. Erforderliche Auskünfte 
w r erden in Berlin vom Polizeipräsidium, und hilfs 
weise von den zuständigen Bezirksämtern eingeholt, 
bei Studienbewerbern mit Heimat außerhalb Berlins 
von der zuständigen Gemeindeverwaltung als Orts 
polizeibehörde. Politische Parteien sollen nur dann 
uni Auskunft gebeten werde», wenn ein Studien 
bewerber ausdrücklich auf sie verweist 
Nach der Prüfung der Fragebogen durch das 
Zulassungsbüro werden die Fragebogen zu einer noch 
maligen Überprüfung der britischen Militärregierung 
eingereicht. 
Studienbewerber, welche bei fachlicher Eignung 
aus politischen Gründen abgewiesen werden müssen, 
haben die Möglichkeit, in zw r ei verschiedenen Be 
rufungsinstanzen ihre politische Eignung überprüfen 
zu lassen. Die erste Berufungskommission wird ge 
bildet von je einem Vertreter der vier Parteien 
und einem Beauftragten des FDGB. Der zweiten 
Berufungsinstanz gehören der britische Hochschul 
offizier, der Rektor der TU und ein Vertreter des 
Magistrats an. Gilt nach Beendigung des Verfahrens 
die politische bzw. militaristische Belastung als auf- 
ehoben, so wird der Bewerber nachträglich zum 
tudium zugelassen. 
Ergibt die Überprüfung der politischen und mili 
taristischen Angaben in dem Fragebogen belastendes 
Material, -so wird der Ausschluß des betreffenden 
Studierenden vom weiteren Studium veranlaßt. 
Bei der mündlichen Aufnahmeprüfung versucht 
der Prüfungsausschuß (bestehend aus einem Vertreter 
der Hochschule, einem Vertreter des Magistrats und 
einem Vertreter des FDGB) sich auch ein Bild über 
die allgemeine politische Haltung des Studienbewerbers 
zu machen. 
Die praktische Erfahrung hat ergeben, daß durch 
diese Maßnahmen eine Sicherung der Hochschulen 
vor dem Zustrom faschistischer und militaristischer 
Elemente erfolgreich möglich ist. 
Normalerweise ist Voraussetzung für die Zu 
lassung zum Studium die Reifeprüfung einer höheren 
Schule. Um Kindern, die nicht den abschließenden 
Besuch einer höheren Schule nachweisen können, den 
Zugang zur Hochschule zu ermöglichen, bestehen die 
Einrichtungen der Begabtenprüfung und des Ersatzes 
des Abituriums durch einen erfolgreichen Besuch 
einer Fachschule. 
Die Begabtenprüfung ward durch eine 
Kommission im Hauptschulamt abgenommen. Ihr 
erfolgreiches Bestehen ersetzt das Abiturium und 
öffnet den Prüflingen das volle Studium an den 
Hochschulen. 
Absolventen, die den vollen Studiengang einer 
anerkannten höheren Fachschule durchlaufen und die 
Abschlußprüfung an einer solchen mit der Note „Gut" 
abgelegt haben, werden ohne weiteres zur Bewerbung 
um die Zulassung zum Studium an der TU an 
genommen und den Abiturienten gleichgestellt. 
An der Pädagogischen Hochschule sind besondere 
Vorklassen eingerichtet, die den Besuchern die für 
das Hochschulstudium erforderlichen Voraussetzungen 
■ vermitteln. 
Bei der mündlichen Zulassungsprüfung, von deren 
erfolgreichem Bestehen die Aufnahme an einer Hoch 
schule abhängt, werden Arbeiter- und Bauernkinder 
gesondert bewertet, Stehen zwei Fälle mit gleicher 
Begabung zur Entscheidung, so w r ird der Bewerber 
aus einer sozial benachteiligten Schicht bevorzugt, 
und zwar ausgehend von dem Grundsatz, daß es 
für ihn unter ungünstigeren Bedingungen weitaus 
schwieriger w T ar, diese Leistungsstufe zu erreichen. 
Ebenso ist das als Externer abgelegte Abiturium mi,t 
der Note „genügend“ der Note „gut“ einer normalen 
Reifeprüfung gleichzusetzen, jedenfalls höher als diese 
zu bewerten. 
Die sozialen Maßnahmen zur Förderung des 
Studiums von Kindern der werktätigen Schichten sind 
gegeben durch die umfangreiche Gew’ährung von 
Stipendien und Gebührenerlaß aus den Mitteln der 
Stadt Berlin. Dafür w r aren im Etat 1946/47 für die 
dem Hochschulamt unterstellten Hochschulen 1 Million 
Reichsmark bereitgestellt. Der Haushalt des Etat 
jahres 1947/48 sieht für den gleichen Zweck einen 
Betrag von 2750000,— RM vor. Normalerweise ist 
mit jedem Stipendium der volle Erlaß der Studien 
gebühr verbunden. Nur in Ausnahmefällen ward 
allein ein Gebührenerlaß gewährt. Im Durchschnitt 
des Sommersemeslers 1947 erhielten z. B. an der TU 
400 Studierende ein Stipendium verbunden mit Ge 
bührenerlaß. An sie würde monatlich durchschnitt 
lich 36000,— RM gezahlt. Der Betrag des einzelnen 
Stipendiums schwankt je nach der Bedürftigkeit 
zwischen 50,— RM und 150,— RM. Außerdem er 
hielten im Sommersemester 1947 an der TU zusätz 
lich rund 160 Studierende nur Gebührenerlaß ohne 
Stipendium. 
Zu diesen Maßnahmen traten noch allgemeine Hilfs 
aktionen der verschiedensten Stellen, wie Speisung, 
Wohnungsnachweis, verbilligte Theaterkarten, Ver 
mittlungen von Stipendien aus Stiftungen u. dgl.,mehr.“ 
Berlin, den 9. Dezember 1947 
Magistrat von Groß-Berlin 
L. Schroeder May
	        
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