Path:
Volume 36 (228-237)

Full text: Drucksache (Public Domain) Issue 1946/1948, 1-50 (Public Domain)

dem Angestellten möglich ist, sie für eigene Zwecke 
käuflich zu erwerben. 
Begründung: 
Der Preis einer Flasche Schnaps entspricht z. Z. 
dem durchschnittlichen Wochenlohn eines Arbeiters 
oder eines Angestellten. Ist auch seine Ehefrau 
bezugsberechtigt, so sind zwei Wochenlöhne erforder 
lich, daß'sie den Schnaps, der beiden zusteht, auch 
wirklich erhalten. Da solche Preise von der großen 
Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung nicht gezahlt 
werden können, so wandert das, was für sie als ein 
gesundheitsförderndes Genußmittel gedacht ist. auf 
bekannten Wegen in sehr erheblichen Mengen zum 
Schwarzen Markt. Es wird damit der angestrebte 
und im Interesse gerade auch der arbeitenden 
Schichten unseres Volkes liegende Zweck der Zu 
teilung nicht erreicht. Sollen also die zur Verteilung 
gelangenden Spirituosen wirklich dem verbleiben, für 
den sie gedacht sind, so ist erforderlich, daß sie zu 
erschwinglichen Preisen zu kaufen sind. Es ist 
deshalb erforderlich, daß die gegenwärtigen Preise 
für Spirituosen den Einkommensverhältnissen an 
gepaßt werden. Nur dann können Arbeiter und An 
gestellte den zugeteilten Schnaps für eigene Zwecke 
beziehen und selbst trinken. 
Berlin, den 18. April 1947 
Schwennicke, Schroedter 
und die übrigen Mitglieder der Fraktion 
der LDP 
236. Antrag 
Betr.: Schwimm- und Sportunterricht an 
Schwerbeschädigte 
Die Stadtverordnetenversammlung wolle be 
schließen: 
Der Magistrat wird ersucht, allen Schwer 
beschädigten. insbesondere Kriegsversehrten, auf 
ihren Wunsch Schwimm- und Sportunterricht in 
städtischen Hallen und Bädern und auf Sportplätzen 
kostenlos zu erteilen. 
Begründung; 
Das Stadtbad Charlotlenburg, Krumme Straße, 
hat solche kostenlosen Lehrgänge für Schwimmen 
und Sport an Schwerbeschädigte bereits mit gutem 
Erfolg durchgeführt. Gymnastische und sportliche 
Betätigung werden als Heilfaktoren seit langem ge 
schätzt und verwertet. Schwimm- und Sportunterricht 
sind der Gesundung förderlich, erhöhen den Lebens 
mut gerade der Schwerbeschädigten und erleichtern 
ihre Wiedereingliederung in den Arbeitsprozeß unter 
möglichster Berücksichtigung des erlernten Berufes. 
Die in Charlottenburg durchgeführte Regelung ist 
deshalb auch in den anderen städtischen Hallen und 
Freibädern in gleicher oder ähnlicher Art anzu 
wenden. 
Berlin, den 24. April 1947 
Schwennicke, v.Wedel-Parlow 
und die übrigen Mitglieder der Fraktion 
der LDP 
237. Antrag 
Betr.: Rückgabe der Vereinsanlagen an die 
Sportvereine 
Die Stadtverordnetenversammlung wolle be 
schließen: 
Der Magistrat wird ersucht, bei der Alliierten 
Kommandantur die notwendigen Schritte zu unter 
nehmen, damit den Berliner Sportlern ihre Vereins 
anlagen zurückgegeben werden. Sofern der Kern des 
neuen Vereins aus den ehemaligen Mitbesitzern 
einwandfreier antifaschistischer Richtung besteht, ist 
ihm sein Grundbesitz zurückzugeben. Sind für einen 
solchen beschlagnahmten Vereinsbesitz keine früheren 
Mitglieder Kern eines neuen Vereins, so sind die 
Anlagen einem neugegründeten Verein derselben 
oder einer verwandten Sparte zu überlassen. 
Begründu n g: 
Im Zuge der Beschlagnahme des national 
sozialistischen Eigentums wurden auch die Sport 
grundstücke der Vereine beschlagnahmt. Sie waren 
aber niemals nationalsozialistisches Eigentum, son 
dern einwandfrei gesetzliches Eigentum der Vereine. 
Dieses Eigentum wurde fast ausschließlich vor 1933 
erworben. Um dem Berliner Sport nun endlich 
Gelegenheit zu geben, sich frei zu entfalten, ist die 
Rückgabe seiner Anlagen, die die Vorbedingung des 
Sportes sind, dringendes Erfordernis. 
Berlin, den 8. Mai 1947 
Schwennicke, v.Wedel-Parlow 
und die übrigen Mitglieder der Fraktion 
der LDP 
Berlin, den 9. Mai 1947 
Der Stadtverordnetenvorsteher 
Suhr
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.