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Volume 131 ([954-1005])

Full text: Drucksache (Public Domain) Issue 1946/1948, 101-150 (Public Domain)

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auf die Arbeitsstellen hinausgenommen. Bezirksrat 
Schaumburg batte mit Oberst Jegerow abgesprochen, 
daß man zunächst die leihweise Ausgabe bei 35 I’aar 
einige Tage probieren sollte. Nachdem der Versuch 
gezeigt hatte, daß die leihweise Ausgabe möglich war, 
wünschte Frau Kay selbst, daß nunmehr sofort alle 
Schuhe zur Arbeitsstelle kamen. Sie nahm bei ihrem 
Besuch Ende November selbst 25 Paar mit hinaus. 
Die Ausgabe des Bestes erfolgte nach ihrer Angabe 
infolge von Schwierigkeiten mit dem Wirtschaftsamt 
erst am 6.12.1947, da bei dreimaligem Nachfragen 
entweder der Schlüssel zum Schrank verlegt oder der 
Sachbearlteiter nicht anwesend war. Die 312 Paar 
Schuhe ans Ersatzstoffen waren zum Gebrauch im 
Holzeinschlag ungeeignet. Es handelte sich um Damen 
stoffschuhe und Kinderhausschuhe. A T on den 1248 Paar 
Strümpfen und Socken sind alle Arbeiter im Holz 
einschlag im November 1947 mit Socken und Strümp 
fen versorgt worden. Hier wurde in keiner Weise 
zurückgehalten. Zigaretten gelangten erstmalig am 
22.11.1947 zur Verteilung. 3000 Stück waren aus 
Bestünden des Bezirksamtes zunächst einige Tage 
vorher als Vorschuß ausgegeben worden. Die Ziga 
retten wurden rückwirkend mit 3 Stück pro Tag zu 
geteilt. Auch hier erfolgte keine Zurückhaltung. Die 
415 m Baumwollstoff wurden, soweit als hierfür 
brauchbar angesehen, zu an der Arbeitsstelle zu ver 
wertenden Kleidungsstücken umzuarbeiten versucht. 
Die Schneider in Berlin lehnten jedoch' die Anferti 
gung von Hosen und Windjacken aus dem Stoff ab, 
weil er ungeeignet war und das zusätzliche Ver- 
arheltungsmaterial fehlte. Zu den überlassenen'Klei 
dungsstücken gehörten auch Damen-Spitzenblusen, die 
nicht verteilt wurden. Von den 425 Paar Trikotagen- 
Oberkleidung waren nur die AVindblusen und Pullover 
bei der Arbeit zu verwenden. Die Arbeiter aber kauf 
ten diese Kleidungsstücke nicht, da die weißen, ärmel 
losen Pullover sich für den Holzeinschlag schlecht 
eigneten und die AVindblusen nicht wasserdicht waren. 
Die nicht bei der Arbeit verwendbaren Zuteilungen 
standen für Prämien zur Verfügung. Die Prämien 
verteilung war vorbereitet: zum Zeitpunkt der Ver 
nehmung im Januar 1948 war sie noch nicht erfolgt. 
Frau Kay wies darauf hin, daß auf diese Sonder 
prämien auch in den AVerbeaufrufen stets aufmerksam 
gemacht worden sei. Es war draußen in den Ein 
schlagstellen nach ihrer Bekundung niemandem ein 
Geheimnis, daß bei Erfüllung der vorgeschriebeuen 
Leistungen mit Zuteilungen zu rechnen sei. 
Die in Aussicht gestellten Zigaretten konnten nicht 
früher ausgegeben werden, weil sie nicht früher be 
zogen werden konnten. 
Bezirksrat .Tennis erklärte noch, daß auf Initia 
tive von Frau Kay vom »Arbeitsamt Prenzlauer Berg 
auch eine beträchtliche Menge von AA’erkzeugen be 
schafft worden sei. Diese AA'erkzeuglieferungen (Äxte, 
Schrotsägen, Bügelsägen, Karren, Spitzhacken, Schau 
feln. Spaten, Motorsägen usw.) wurden nicht vom 
AA’irtschaftsamt zur A'erfügung gestellt, sondern vom 
Arbeitsamt besorgt. Die Bezirksräte Nagel und Jermls 
sowie Bezirksverordnetenvorsteher Quade wandten 
gegen diese Erklärungen von Frau Kay nichts ein. 
Bezirksrat Schaumburg bestätigte, daß die Schuh 
versorgung der Arbeiter nur leihweise erfolgen konnte, 
weil die Menge zu einer A'ersorgung sonst nicht aus 
reichte. Er bestätigte auch, daß die Schuhe nach Er 
probung des Leihverfahrens ins Lager kamen und 
ausgegeben wurden. Auch nach seiner Meinung ist 
Frau Kay insoweit eine schuldhafte A’erzögerung nicht 
vorzuwerfen. 
Bezüglich der Zigaretten bestätigte Bezirksrat 
Schaumbnrg, daß der Bezug nicht früher erfolgt war, 
da das Nariad der Kommandantur nicht früher zu 
erhalten gewesen sei. 
Bezirksnit Schaumburg bemerkte im übrigen noch, 
daß die Beschaffung der AA'erkzenge wesentliche 
Schwierigkeiten bereitete. Frau Kay habe schließlich 
die erforderlichen Qualitätswerkzenge herstellen 
lassen. 
8. Zur Organisation der Arbeit wurde von dem Bezirks- 
verordneten Stein das Fehlen einer einheitlichen und 
straffen Leitung der Holzaktion bemängelt. Es wurde 
dabei auch auf das Protokoll des Bezirksverordneten- 
ausschusses hingewiesen. Danach hat die Bezirksver- 
ordnete Frau Mrugalski am 10. Dezember 1947 aus 
gesagt: „Ich mußte die Feststellung machen, daß die 
Zusammenarbeit draußen jede Einigkeit vermissen 
läßt. Man arbeitet gegeneinander.“ Der Abgeordnete 
Miericke fragte in der gleichen Sitzung; „AVer ist 
überhaupt Lagerleiter? Man hat den Eindruck, als ob 
sich jeder vor der Verantwortung drückt und als ob 
alle leiten. Ein Mann muß als Leiter bestimmt wer 
den !“ Frau Kay erklärte vor dem Magistratsaus 
schuß demgegenüber: „Die Leitung der gesamten 
Holzaktion lag im Aufträge des Bezirksrates Schaum 
burg in den Händen des Angestellten Dräbelow. Lager 
leiter war der Angestellte AA r ollstein. Schober hatte die 
Aufgabe der Lebensmittelversorgung und des Fahr 
zeugeinsatzes durch die Fahrbereitschaft,“ Der Bezirks 
verordnete Stein erklärte dazu, zum ersten Male ge 
hört zu haben, daß der Angestellte Dräbelow Leiter 
der Holzaktion sei. Nach dem Protokoll der Bezirks- 
verordnetenausschußsitzung vom 17. Dezember 1947 
hat Frau Kay nach Aussage des Bezirksrates Schaum 
burg unter Bestätigung durch Schober ihm gegenüber 
geltend gemacht, daß sie Befehl habe und demgemäß 
anordne. Bezirksrat Schaumburg erklärte weiter, daß 
Frau Kay verboten habe, Dinge durchzuführen, die 
sie nicht angeordnet habe, nachdem er frühmorgens 
um 8 Uhr Anordnungen getroffen hatte. Der Ange 
stellte Schober bestätigte diese Angabe. Daß Frau Kay ( 
die Befehlsgewalt über die Fahrbereitschaft hatte, sei 
durch Befehl vom 27. September 1947 ausgesprochen 
worden. Bezirksrat Schaumburg erklärte in der Be- 
zirksverordnetenuuschußsitzung vom 20.1,1948. daß 
die A 7 erantwortung einzig und allein der Bürger 
meister trage und das AA’irtschaftsamt nur im Rah 
men der ihm zufallenden Aufgaben das tue, was vom 
Bürgermeister angeowinet sei. Dieses sei auch wäh 
rend der Tätigkeit der Frau Kay geschehen, nur mit 
dem Unterschied, daß Frau Kay die Anordnungen, 
die sie getroffen hatte, bei den maßgeblichen Stellen 
wieder umgestoßen habe. Frau Kay habe 5 Minuten 
später nicht mehr gewußt, was sie 5 Minuten vorher 
angeordnet hatte. In einem Schreiben vom 1. Novem 
ber 1947 an Bezirksrat Schaumburg verlangt Frau 
Kay andererseits von ihm hundertprozentigen Einsatz 
für die Holzaktion. Sie schreibt u. a.: „AA’ir machen 
Sie noch einmal ausdrücklich darauf aufmerksam, (laß 
AVeigerungen bei Aufgaben für den Holzeinschlag 
nach den Befehlen der Zentralkommandantur als 
Sabotage anzusehen sind. AVlr hoffen, daß es nicht 
notwendig wird, Angestellte unserer IJezirksverwal- 
tung mit diesen schweren Beschuldigungen zu be 
lasten.“ In einem weiteren Schreiben vom 7.12.1W< 
gibt sie als Zweck ihres Schreibens an. die volle 
Einsatzbereitschaft und Initiative des Bezirksrates j 
Schaumburg für die Holzaktion zu erbitten, weil sic 
gesundheitlich augenblicklich behindert sei. 
schließt wörtlich: „Ich sah mich zu dieser Anregung 
veranlaßt, da ich in den letzten AVochen nicht immer 
die Überzeugung halte, daß Sie Ihre ganze Kraft für 
die Holzaktion elnsetzten. Um so mehr erfreut bin ich. 
nun Ihre Zusicherung zu haben, alle Ihre Kräfte in 
den Dienst der Sache zu stellen.“ 
V. 
Auf Grund der A'ernehmungen und nach Einsicht in 
das Aktenmaterial, insbesondere auch in die Vorgänge des 
Ausschusses für die Holzaktion AA’ittstock der Bezirks 
verordnetenversammlung Prenzlauer Berg kommt der Ma 
gistrat zu folgendem Ergebnis: 
„Die Holzaktion des Bezirksamtes Prenzlauer Berg 
hatte mit mannigfachen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sie 
zu überwinden, war Frau Kay bemüht. Die eine oder 
andere Maßnahme im Rahmen der Holzaktion hätte von 
Frau Kay anders vorgenommen werden sollen. Da unu 
dort fehlte die genaue Kenntnis der A'erhältnisse. Es be 
stand offensichtlich Unklarheit über die Mitwirkung der 
Zentralen Holzbeschaffung. Der Magistrat ist der Auf 
fassung, daß seine verantwortliche Mitwirkung 
bei Gesamtaufgaben mehrerer Bezirke geboten ist. Die 
Anordnnngsbefugnis in der Holzaktion lag nach dem Be 
fehl der Sowjetischen Hauptkommandantur beim Bezirks-
	        
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