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Volume 121 ([901-902])

Full text: Drucksache (Public Domain) Issue 1946/1948, 101-150 (Public Domain)

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Entscheidungen auf richtigen Gebiete^ nicht mehr erfolgen, Dagegen 
sind die einzelnen Besatzungsmächte auf Grund eines in der Vor 
läufigen Verfassung ausgesprochenen, Vorbehaltes immer mehr dazu 
übergegangen, in den von ihnen besetzten Gebietsteilen Berlins, 
den sogenannten Sektoren, gesonderte Massnahmen zu treffen, una 
haben damit die für das Gedeihen Berlins unentbehrliche Einheit 
lichkeit der Verwaltung ln immer stärkerem Masäe zerstört* Den 
Höhepunkt dieser gefahrvollen Entwi oklung bildet die Einführung 
getrennter Geldwöhrungen, die in den.letzten Tagen durch die. 1 ,* 
Schaffung einer getrennten Währung in Westdeutschland ausgelöst 
worden ist. Die sowjetische Kommandantur hat für den von ihr be 
setzten Ost Sektor von Gross-Berlin die ln der sowjetischen Be 
satzungszone geltende Währung e Inge führt, während die Kommandan 
turen Grossbrltaniens, der Vereinigten Staaten und-Frankreichs ff* 
die Westsektoren die Währung eingeführt haben, die für die von 
ihnen besetzten Zonen Deutschlands gilt* * 
Die auf dlesen f Umständen beruhende Krisis der Berliner Wirtschaft 
und Vehwälthhcf hat nun in der letzten Zeit eine unhellvplle Ver 
schärfung dadurch erfahren, dass der Verkehr zwischen Berlin und 
dem übrigen Deutschland dyroh Massnahmen der sowejtisohen Besat- 
zungsmocht auf den meisten Gebieten zum Stillstand gebracht*worden 
ist. Wie bei den geographischen Bedingungen nicht anders zu erwarten, 
ist die Versorgung der Berliner Bevölkerung mft den wichtigsten Ver~ 
brauchagütern so gut wie vollständig auf die Zufuhr von cussen ange 
wiesen, Die gesamte Kohle, etwa ein ,Drj ttel der verbrauchten elek 
trischen Energie und etwa ,99 1° des Nahrungsbedarfes werden aus de® 
übrigen Deutschland und aus dem Ausland bezogen. Bis zur Kapitu 
lation Deutschlands konnte Berlin di ese Leistungen mit sejner Ver 
waltung als Hauptstadt und mit den Erträgen Seiner Industrie und 
seines sonstigen Gewerbes bezahlen; da Berlin jedoch einstweilen 
einen wesentlichen Teil seiner Haupt Stadt funkt i an nicht auszuüben 
vermag, und da Industrie und Gewerbe ri urch Bomben Schäden, durch die 
Vorgänge bei der Eroberung de^r Stadt im Frühjahr 1945 und durch De 
montagen mehr, als zwei Drittel ihrer früheren Leistungsfähigkeit 
elngebüsst haben, ist Berlins Versorgung jetzt noch zum grossen 
Teil nicht mehr aus eigener Kraft möglich. ' 
Die neuen Erschwerungen betreffen also eine Bevölkerung, die 
ohnedies untör sehr harten Umständen lebt und* arbeitet. Nunmehr 
ist seit Mitte Jonuar 1948 der Versand von Berliner Gütern und der 
Kraftwagenverkehr zwischen Berlin und der sowjetischen Besotzungs- 
eono weitgehend eingeschränkt worden. Seit Anfang April 1948 
wurde der Vers&iid^von berliner Erzeugnissen nach dem w e sten durch 
Einführung neuer, Koritrollvorschftftendsuf etwa ein Zehntel der 
ohnedies zur Bezahlung der BerllnernVerpfllOhtungen ganz unzurei 
chenden früheren Menge zurückgeführt, Durch unzureichende Gestel 
lung von ‘Postwagen wurde ferner 3er ‘Pok^tpostverkehr von Berlin 
nach dem Westen seit dem 5« April 1948 auf etwa ein Drittel des 
früheren "Umfanges verringert, :i M&|;1948«wurde’ r där ^isenbohn- 
gnterverkahr zwischen Berl in und dein »lösten völlig unterbrochen. 
S+nen vorläufigen Höhepunkt erreichten 41 ese Massnahmen im Zusam 
menhang mit .fler Einführung getrennter Währungen Mitte Juni: * 
Am 24, l 6, erf'ölgte cie vollständige Sperrung der einzigen dem Ver 
kehr zwischen-dem Wösten und Berlin dienenden Bahnstrecke Berlin- 
Helmstedt unter ausdrücklicher Ablehnung etwaiger Umleitungen, Am
	        
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