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Volume Zeitungsausschnitt: Tägliche Rundschau Gross-Berlin

Full text: Verwaltungsbericht (Public Domain) Issue 1912/1916 (Public Domain)

|Sr- 424 » Beilage (Worgtn-Husgab*) 
^Ektag, 10, ßcjiftmibmiptü 
Der flbschieö ües Zweckverbanöes. 
Der letzte Derwaltun 
bändes Gros 
^sbericht des Der« 
B e r l in. 
Mit einer umfangreichen Schrift nimmt der 
' " Be' 
Verband 
Eroß-Bcrün" nach L'/-jähngem Bestehen Abschied von der 
Oesscntlichkcit. Sie nennt sich Derwoltungsbcricht und gibt 
»inen Ueberblick über das, wes der Verband geleistet hat. Nur 
Nit sehr befchränkter Zuneigung bei seinem Zustandekommen 
cm 1. April 1912 aufgenommen und als „Zmangsrerband" 
verschrien, hat der Verband unter teilweise sehr schwierigen 
Derhältnissen arbeiten müssen, hart umstritten und von den 
damaligen Oppositionsparteien im Berliner Rathause 
oftmals scharf bekämpft. Daß er trotzdem unter D r. 
Steiniger und seinen Nachfolgern Dinge von 
dauerndem Wert geschaffen hat, geht aus dem vom 
stellvertretenden Verbandsdirektor Prof. Dr. Diese her 
ausgegebenen, mit graphischen Darstellungen, statistischen 
Uebersichten und großen Karten ausgestatteten Derwallungs» 
bericht überzeugend hervor. Ais der .Zweckverband" sein 
Wirken begann, ahnte man nicht, daß cs nur so wenige Jahre 
wahren würde, ahnte man auch nicht, daß der größte Teil 
dieses Wirkens Kriegsnotarbeit sein würde. Nun kommt das, 
was er geschaffen und angestrebt hat, dem neuen Groß- 
Derlin zustatten, das unter viel geringeren inneren und 
äußeren Hemmungen auf der Grundlage wciterbaucn kann, 
die der Verband Groß-Berlin gefestigt hat. 
Das dem Bericht vorausgeschickte Vorwort gibt in großen 
Zügen einen Ueberblick über den Zweck des Verbandes. Es 
sei daraus folgendes mitgeteilt: „Gewiß konnte das Zweck» 
vcrbandsgefetz vom 19. Juli 1911. das eine zwangsweise 
Vereinigung der Groß-Derliner Gemeinden und Kreise zu 
einer Gemeinschaft zwecks Durchführung einiger feftum- 
risfener Aufgaben vorsah, keine befriedigende Lösung der 
Eroß-Berliner Frage bringen: die Staatsregierung selbst be 
zeichnete es als einen Versuch, dessen Wirksamkeit auf 
einigen wenigen Gebieten, die nach ihrer Auffassung ani 
dringendsten einheitlicher Bearbeitung bedurften, zunächst 
einmal erprobt werden sollte. Dennoch darf gesagt werden, 
daß die Tätigkeit des Verbandes Groß-Berlin in mehr als 
einer Beziehung für die durch das Gesetz vom 26. April 1929 
herbeigeführte endgültige Lösung des Groß-Derliner 
Problems bedeutungsvoll gewesen ist. Der Verband hat 
seine Aufgaben, soweit cs die Verhältnisse und die Mängel 
seiner Organisation zuließen, fast ganz erfüllt und damit 
auf drei wichtigen Gebieten dem neuen 
Berlin die Wege geebnet; seine Arbeiten sind nicht 
vergeblich gewesen. Das gilt zunächst von der dauernden 
Sicherung ausreichend großer Wold flächen zum Besten 
,tei Volksgejundheit rings um Berlin. Der Verband erwarb 
vom Staat ausgedehnte Waldgebiete in einem Gesamt- 
limfange von 10 000 Hektar und ging alsbald daran, diesen 
wertvollen Besitz immer mehr zu einer großzügigen Er 
holungsstätte für die Groß-Derliner Bevölkerung aus 
zugestalten. Auf dem wichtigsten Arbeitsgebiet des Ver 
bandes, der Regelung des Groß-Berliner Nah 
verkehrs, gelang es. nachdem zunächst die unübersehbare 
Fülle der verschiedenartigsten Rechtsbeziehungen der Einzel- 
t emeinden zu den privaten Straßenbahnen in eine einheit- 
che, für das ganze Berbandsgebiet gültige Form gebracht 
worden war, die Große Berliner Straßenbahn mit ihren 
Nebenbahnen, ebenso die Berliner Ostbahnen und damit 
87 v. H. des Groß-Berliner Straßenbahnverkehrs in die 
öffentliche Hand zu überführen. Da die noch vorhandenen 
Gemeinde-bahnen am 1. Oktober ebenso wie die Verbands» 
bahnan auf die neue Stadt Berlin übergehen, so wird die 
neue Gemeinde von Ansang an das gesamte Groß-Berliner 
Straßenbahnnetz ihr Eigen nennen können. Auch sonst 
wurde auf den, Berkehrsgebiet der Einheltsgedanke nach 
drücklich und erfolgreich vertreten. 
Auf dem Gebiet des Siedlungswesens, der 
dritten und letzten Aufgabe des Verbandes, hat sich der Ver 
band trotz feinen beschränkten Befugnissen erfolgreich bemüht, 
den neuzeitlichen Bestrebungen des Städtebaues Geltung zu 
verschaffen und das Bebauungsplan- und Bauordnungs-wesen 
Eroß-Drrlins -durchgreifend zu reformieren und zu ver- 
emheilkichm." 
Außer einer Karte des Dauerwaldgeländes, 
das durch die Bemühungen des Verbandes in schwerem 
Ringen mit dem Fiskus den Einwohnern Groß-Berlins end 
gültig gesichert wurde, ist dem Verwaltungsbericht auch ein 
Abdruck der allgemein als vortrefflich anerkannten Wander 
karte vom Crunewald und Umgebung beiqegebsn. Sie kann 
als letzter Gruß Ües Verbandes Groß-Berlin an die Be 
völkerung gelten, und wenn ihre Benutzer auf den vom Ver 
bände als KriegsnotstandsardeUen geschaffenen oder rer- 
besscrten Wegen den Grunewald durchqueren, dann sollten 
sie ein freundliches Gedenken für den „Verband Groß-Berlin" 
übrig haben, der nun einem noch größeren Groß-Berlin 
weichen mußte. D. E. 
* Gegen dis Destechungsverfuchs bei den Wohnungsämtern 
wendet sichdas Friedenauer Wohnungsamt durch 
folgenden Erlaß: „Obwohl in der letzten Zeit wiederholt offen!« 
lich darauf hingewiesen wurde, daß jeder Destechungsversuch 
im Wohnungsamt unnachsichllich rerfodgt wird, hat sich in 
letzter Zell Loch wieder eine größere Anzahl Personen ge 
funden, welche durch Uebersendung von Geld und Lebens 
mitteln aller Art versucht haben, besondere Vorteile zu er 
ringen. Die Angelegenheiten sind selbstverständlich der zu» 
ac 
nungLQmt die Namen derjenigen oerofsentlichen und dem zu 
ständigen Ausschuß vorschlagen, die betreffenden Wohnungs- 
suchrr ein für alle Male aus den Listen des Woh 
nungsamtes zu streichen." 
t 
* Auf der Spur des MüdchenmZrders. Die Weitervcr- 
kgung der Spur des Mannes, der von einem Ingenieur aus 
Nikolassee am Dienstag früh mit zwei Paketen gesehen wor 
den war, macht sehr wejentliche Fortschritte. Bei den Kriminal 
komm ssaren Dr. Riemann und Trekffn meldete sich im Lause 
des gestrigen Nachmlltags noch ein junger Manu aus Berlin, 
der den Paketträger ebenfalls gesehen hat. Er trug das eine 
der Pakete im Arm, das andere an der Mullbinde in der 
Sjanh. Auf feinem Spaziergang durch den Grunewald sah der 
i Mo ' ■ 
Zeuge den Mann noch einige Male, doch hatte er jetzt keine 
Pakete bei sich. Als er endlich den Bahnhof Grunewald er 
reicht hatte, um von dort wieder nach Berffn zurückzufahren, 
traf er wiederum mit dem Fremden zusammen. Der zweite 
Zeuge konnte eine ziemlich genaue Beschreibung von dem 
mutmaßlichen Täter geben. Cs handelt sich hiernach um 
einen Menschen von etwa 23 bis 30 Jahren, der ungefähr 
1,70 bis 1,75 Meter groß ist, kurzgeschnittenen Schnurrbart, 
einen Iackettanzug, vielleicht aber auch einen kurzen Sport- 
paletot, schwarze Stiefel und einen geknifften Hut, dessen 
Borderkrempe nach unten gebogen ist, und einen blaugestreif 
ten Selbstbinder trug. 
Zur Feststellung, woher das Papier stammt, mit dem die 
Leichenteile eingewickelt worden waren, ist das Verpackungs 
material im Schaufenster des Maschinenlagers von Otto 
Scheidt in der Alexanderstraße 12. an der Ecke der Loltaftraße, 
ausgestellt worden. 
Lm Norden Berlins wurde ein anderer Fund gemacht, der 
wahrscheinlich mll dem Verbrechen im Zusammenhang steht. 
Auf dem Flur des Hauses Schönhauser SIlIce 82 sah gestern 
«bend ein Postbeamter ein« große gefüllte Tüte liegen. Diese 
stammt von der chemischen Waschanstalt und Färberei von 
Albert Herz, die in Berlin und Vororten viele Zweiggeschäfte 
unterhält. Das ist bemerkenswert, weil sich in einem der im 
Grunewald gefundenen Pakete unter dem Einwicklungspapier 
auch ein Ausschreiben der chemischen Waschanstalt und 
Färberei von W. Spindler befand. Die Tüte enthielt eine 
schwarze Bluse, ein paar Frauenstrümpfe und zwei Frauen- 
Hemden. Hemden und Strümpfe sind stark mit Blut besudelt, 
die Bluse nicht. Diese zeigt, während sie sonst gut erhalten ist, 
an mehreren Stellen Löcher, die durch Gewalt entstanden zu 
sein scheinen. Wenn der Fund mit dem Lerbrechen im Zu- 
sammenhang steht, so ist also anzunehmen, daß zwischen dem 
Mörder und seinem Opfer ein Kampf stattgefunden hat. zu- 
mal, da die Bluse auch beschmutzt ist. Die Blutflecken in 
beiden Hemden reichen von unten bis hinauf zu den Achsel 
höhlen. Außer diesen Kleidungsstücken wurde der Kriminal- 
Polizei heute vormittag auch noch ein Herrcnhut übergeben, 
der einem Reinigungsinstitut zur Beseitigung von Blutflecken 
Lberbracht worden war. Auch dieser Hut scheint Kamvf- 
sxuren zu euch allen. 
aus 
t den Magistrat, mit 
ritt« zu unternehmen, 
Dreiklassenwahlrechts 
ein« der Zusammen- 
J\\k Berliner Staötvrrorönetenverfammlung. 
Sitzung vom 9. September. 
Eia abgewiesener Vorstoß der Unabhängigen gegen den 
Wohnuagsvcrband. 
Auf der Tagesordnung steht die Berichterstattung der Lus. 
chustes — Berichierstatter Stadto L 0 e s t r (Demokr.) — über di« 
Genehmigung der beiden Eüteretats uns dem. 
jenigen der Herrschaft Lanke im Jahre 1919 ein. 
getretenen Ueberschreitungen von 10250 000 M. Der Ausschuß 
empfiehlt die Genehmigung, di« von der Versammlung auch au», 
gesprochen wird. 
Für di« deutsche Heilstätte für minder, 
bemittelte Lungenkranke in Davos beantragt der 
Magistrat ein« einmalige Beihilfe von 1000 Mark. Auf An 
trag des Stadto. Nosenow (Demolr.) wirb die Beihilfe 
5000 Mark erhöht. 
Nach Erledigung einer großen Reihe von Vorlagen ohne all- 
gemeines Interesse folgt der 
Antrag Dr. Weyl 
u. Gen. (Unabh): Die Versammlung ersui 
größter Beschleunigung die notwendigen Sc 
um an Stell« des noch dem alten 
organisierten Wohnungsoerbandes 
fetzting und den Interessen der Groß-Derliner Bevölkerung ent 
sprechenden Organisation zur Delämpsung der 
Wohnungsnot zu setzen. 
Stadto. Dr. Weinberg (Unabh.) übte kn der Begründung 
des Antrages eine scharf« Kritik an dem Wlchnungsoreband, d:n 
er als ein reaktionäres Gebild« bezeichnete. Derselbe hab: die 
Misterschutzgesetzgebung zu sabotieren versucht, sich für weitere 
Mietsteigerungeii eingesetzt und zuletzt sogar für eine Mietstcuer. 
Redner fordert ein« neuzeitlich« Wohnungspolitik 
und erwartet wirklich durchgreifende Maßnahmen in der Wohnungs 
not von der Sozialisierung des Grund und Bodens 
und der Fabrikation der Baustoffe. Im einzelnen 
bringt Redner eine Reihe von Beispielen über Raum- 
versch Wendung durch zahlreiche Behörden, 
Amts st eilen, Kasernen. Gesellschaften vor. Hier 
müsse ein Wohnungsoerband energisch auf die BerMrlung der 
Räume zu Wohnzwecken drücken. Beschwerde müsse auch über die 
Art der Wohnungsbeschlagnahme erhoben werden. In Klsmig- 
leiten zeige sich das Wohnungsamt namentlich bei Formfehlern 
— Hrcß, aber den Wohnungsschiebern komme man n!M bet. Wo 
bltut die Zwangseinquartlerung am Kurfürstendamm? 
Oberbürgermeister Wcrmuth: 
Der Antrag steht so aus, als ob der Wohnungsoerband durch 
das Gesetz vom 1. Aprll ganz unberührt geblieben ist. Damit keine 
Nechtsverwirrung entsteht, kann ich den Antrag nur dahin beant 
worten. daß das nicht zutrifft. (Sehr richtig! und Hört, 
hört!). Ter Oberbürgermeister legt dann im einzelnen dar. daß 
der WohnunMvcrband auf demselben Boden wie der Zweckrer- 
band entstünden sei. Beide sind in der Zeit der Not entstanden 
und zeigen manche Mängel. Der Wohnungsvcrband entbehrt so 
gar der parlamentarischen Tätigkeit. Es ist ganz klar, daß. nach 
dem das neue Gesetz für di« gesinnte gemeindliche Tätigkeit Organe 
geschaffen hat. nicht Organe aus einer anderen Organisation den 
geschlossenen Rahmen durchbrechen können. So ist die Sachlage 
auch in den Aussüheungsbestrmmungen des neuen Gesetzes auf 
gefaßt. Der Oberbürgermeister verweist auf die Verfügung des 
Oberprästdenten. Es karrn sich nur noch um einen Uebergang 
handeln, und zwar für die Zeit, in der di« Organe des neuen 
Berlin noch nicht recht funktionieren. Die Abrechnung usw. 
müssen die Beamten des ollen Verbandes sowell übernehmen, als 
es der Magistrat nötig findet. Aber die Willensübertragung wird 
allein m der Hand der Organe der neuen Stadtverwaltung Legen. 
Damit erledigt sich wohl der Antrag. (LÄchasttz Zu 
stimmung.) 
Stadto. Dr. Weinberg: Nach diesen Darlegungen z 
wir uajerea Antrag als erledigt zurück. (H< 
ÄniwF?* ®* r Zweck unsere, Antrag«, ist erfüllt, 
.^lachter.» Stadw. Dr. Dove: Der Zweck de- Antrag-, war 
^Ä r tc°3 MkB zuhören. (LLh. Ja- 
Di« Vorlage betreffeich 
Uebernahme des Vermögen, des Verein, zur Derbefferm» 
der klemm Wohmmgm ln Berlin 
Verein soll feiner zur Fortsühru 
gäbe ein Zuschuß von 500 000 
seines Betriebes bi» zur Ueber» 
- - - . - —. bewilligt werden. 
Gegen die Vorlage sprechen unter Empfehlung einer Ausschuß. 
« beratung dw vtadtm-rordnetea Blssin« (Dem.). Fuhrmann 
für die Vorlage Stadtrot Do klein, Hintze (U.S.P.) 
ove (Dem.). Stadto. Wilde aan, wünscht noch Auf- 
ktärung über emtge Punkte in einem Ausschule. 
Die Versammlung beschließt Ausschußberatnng. 
Sdadtv.-Dorsteher Dr. Weyl nimmt darauf Veranlasst««, 
d-m cur den städtischen Diensten ausscheidenden StaddmidizinÄrat 
Geh. Med.-Rat Dr Weber, der zum Präsidenten des sächsischen 
Landesgesundheitsamtes noch Dresden berufen worden ist, unter 
allseitigem Bravo warme Wort« der Anerkennung und des Dankes 
zu widmen. 
Berliner Bilüer. 
8. 
In der Ausstellung der Berliner Straßenname». 
Don Ehristine Holstein. 
In der stillen, vomehmen Dellevuestraßr befindet sich in 
diesen Tage» zur Belebung des Helmatgrfühls ein« Bildnis- 
ausstellung jener Persönlichkeiten, nach dcnm die Berliner 
Straßen benannt wurden. Bon den Wänden zweier kleiner 
Säle schauen sie nieder, alle Stiche» Holzschnitte und neuzeitliche 
Photographien, während beigefügte Täfelchen die nötigen Er 
klärungen geben. Ein gut Teil Weltgeschichte und deutscher 
Geschichte, besonders in kultureller Hinsicht entrollt sich bei ihrer 
Betrachtung vor unseren Augen. Da grüßt das ehrwürdige, von 
weißer Lockenperücke umwallte Haupt des Thomastus von der 
Wand. Wer weiß es von diesem Gelehrten noch, daß er der 
Erste war, der Vorlesungen in deutscher Sprache hiell und die 
Universität Halle gründete? Da, strenggeschnittene Antlitz 
Albrecht Dürer; schaut uns ernst an, während sich fein« Rechte 
auf den mit Stiften, Zirkel und Winkelmaß bedeckten Arbeits 
tisch stützt. Dlitzäugig mit gefurchten Zügen und strosfer Hallung 
treten die alten Generate der Befreiungskriege daher, und mit 
blauen, schwärmerischen Augen lächelt der schmale BlondkoH der 
Heldenjünglings Friesen, der Turnvater Jahns rechte Hand war 
und in den Freiheitskriegen um 1813 fiel. Liebenswürdig, heiter 
und klaräugig blickt Matthias Claudius aus dem offenen deutschen 
Gesicht, und der alte Raabr sitzt mit schmerzlich^ütevollem 
Lächeln unter seinen Büchern. Die markige Wucht eine» Luther- 
Kopfes, di« durchgeistigt« Häßlichkeit Beethovens fällt uns 
ins Auge. 
Eine Galerie deutscher Männer, deutscher Charakterköpfe: 
Feldherren, Dichter. Musiker, Philosophen. Maler, Pädagogen, 
Naturforscher, Erfinder. Tauchen uns je noch ihr« Bilder auf. 
wenn wir in der Hast des Eroßstadttages durch die Straßen 
gehen, dir ihre Namen tragen? Don vielen Straßenname» ist 
uns die Bedeutung überhaupt verlorengegangen, und «r kann 
keinem Berliner schaden, sich in dieser Ausstellung ihres Ursprungs 
klar zu werden. Wer weiß denn noch, daß die Buchstrahe nicht 
dem bekannten Ausflugsort, sondern einem hervorragenden 
Geographen ihren Namen verdankt, daß die unbestimmte 
griechische Vorstellungen weckende Pallasstraß« nach einem in 
Berlin geborenen bedeutenden Naturforscher und di« Elßholz- 
straße nach dem Leibarzt de. Großen Kurfürsten genannt ist? 
Belustigend für den stillen Beobachter sind die Bemerkungen 
der Besucher. Eine junge Mutter meinte bei der Betrachtung 
des kleinen Mozart, der im trejfengeschmückten Frack, Kniehöschen 
und Schnallenschuhen am Klavier sitzt, voller Mitgefühl: .Muß 
das eine Arbeit gewesen sein, so'n Kind täglich an» und aus 
zuziehen". während eine andere Dame über Holteis Bildnis da» 
Urteil fällte: „Er sieht recht verärgert aus" und eine Dritte von 
irgendeinem berühmten Naturforscher mißbilligend bemerkte: „Er 
hat keine Bügelfalte in der Hose." Ja. wir sind Realisten, wir 
Berliner. , 
Eigentlich freilich hat dl« Ausstellung de» Zweck, «in 
Stück Kultur, und Heimatgefchichte zu entwickeln, und es wär« 
vielleicht in diesem Sinne, wenn die Mütter ihren Kindern mit 
5z!lf« der Bilder und der erläuternden Tafeln die großen 
führenden Männer des Vaterlandes ln alter und neuerer Zeit, 
deren Namen die Berliner Straßen tragen, kurz näherbrächte. 
.zithen 
zsiLrkeu 
• Die „Fraktion der Einsamen" ln Zehlendorf. Die bürgerliche 
Zersplitterung bei den Groß-Derliner Wahlen macht sich bereits 
j'tzt, noch vor Zusammentritt der neuen Bezirksverordneten-Der- 
f-mmlungen, bemerkbar. So haben im Bezirk 10 (Zehlendorf) di« 
Demokraten, di« Hausbesitzer und di« Kommunalbe-mte» nur j« 
«in Mandat errungen. Da dies« Dezirksoerordneten einzeln völlig 
einflußlos bleiben würden, haben die drei Vertreter der ge 
nannten Bereinigungen sich zu einer Fraktion zusammengetan, di« 
man schon jetzt in Zehlendorf als die „Fraktion der Ein- 
sa me n" bezeichnet. Man tonn gespannt sein, in welä-en Punkt«» 
Demokra!«n, 5)ausbesider und Kommunalbeamten zusammengehen 
werden, und wenn diese etwas unnatürliche Ehe wicder gelöst wird. 
» Di« Besoldung der Ferusprechbemntinne». Uns wird g«. 
schrieben: In drr Nr. 412 der »Tägl. Rundschau", Beilage Groß. 
Berlin, bringen Sie einen Beitrag von Karl Ammon „Tafusta. 
Ersatz", in dem dieser in bezug auf di« Besoldung der Fernsprech, 
beamtinnen «ine unrichtig« Behauptung ausstellt. IX« hier in 
Frage kommenden Beamtinnen erhalten nicht 1000 M. Im Monat, 
sondern nur S00 M. Gehalt ohn« Abzug der Steuern und sonstiger 
Abgaben. Anfängerinnen bedeutend weniger. 
* Größere Baufreiheit tu Potsdam. Di« preußisch« Staats- 
rsglerung hat angeordnet, daß die durch „Publikandum des Oberst, 
hoftiausmtes vom 81. August 1787" entstanden« Beschränkung der 
Dausreiheit der auf königliche Kosten erbauten Häuser ferner nicht 
mehr angewandt werden soll. Dies bedeutet für PotÄxrm einen j 
wesenllichen Schritt zur Hebung der BautätigkeU. Er bleibt je 
doch zu hoffen, daß d» Ortssatzungen betreffend di« Verhütung der , 
Devukljtaltullg de» StadtdüLe». angewandt mßtba, «n tM
	        
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