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Volume Vierter Teil. Forstverwaltung

Full text: Verwaltungsbericht (Public Domain) Issue 1912/1920 (Public Domain)

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2Bic erwähnt, beschränken sich die Schutzmittel der Forstverwaltung 
vorwiegend ans vorbeugende Maßregeln: sorgsame Organisation des Schutzdienstes, 
strenge Durchführung der Verbotsvorschriften, Bevorzugung des Laubholzanbaues, 
Vermeidung der Entstehung großer Nadelholzkulturen, Verwaltungsmaßregcln 
— wie z. B. die Einschränkung der Zelterlaubnisscheine ans bestimmte Lager 
Plätze — und Aufklärung und Warnungen in der Öffentlichkeit, wie sie neuerdings 
besonders in den Groß Berliner Schulen durch Vermittelung des Provinzial 
schulkollegiums versucht worden sind. Wie wenig von dem Interesse und der 
tätigen Mitarbeit der Ausflügler noch zu merken ist, wie sehr vielmehr Gleich 
giltigkeit und Widersetzlichkeit gegen die öffentliche Ordnung als Folge der 
allgemeinen Zügellosigkeit um sich gegriffen haben, beweist die Tatsache, daß 
gerade in dem Jahr, in welchem verschärfte Strafbestimmungen der General 
kommandos gegen Unvorsichtigkeit mit dem Feuer im Walde, insbesondere auch 
gegen das Rauchen in Kraft getreten waren, die meisten Brandschäden 
entstanden sind. 
Nicht viel besser steht es — wie bereits bei der Erörterung des Forst 
wirtschaftsbetriebes gestreift wurde — mit anderen Unsitten und Ordnungs- 
Widrigkeiten, wie z. B. der Vernichtung junger Anlagen durch Abreißen von 
Trieben und Blüten, Zertreten von Jungwüchsen, Beschädigungen von Wege 
böschungen, Einzäunungen, Wegweisern, Nistkästen usw. und ähnlichem Unfug. 
Auch das Wegwerfen und Liegenlassen von Papier u. dgl. ist in diesem 
Zusammenhange zu erwähnen. 
Für die Befchützung des Waldes gegen klimatische Schäden und gegen 
tierische und pflanzliche Schädlinge liegen die Voraussetzungen im Frei 
flächengebiet nicht ungünstig. 
Das Gebiet fällt gerade noch in die niederschlagsreichere westliche Hälfte 
Norddeutschlands, die sich etwa bei Königswusterhausen deutlich gegen die 
trocknere östliche Hälfte abgrenzt. Allerdings machen sich wie immer örtliche 
Unterschiede in der Regenhöhe fühlbar. Am ungünstigsten scheint hierin die 
Oberförsterei Tegel gestellt zu sein, der es in den Dürrperioden an kleinen 
erfrischenden Regenfällen gänzlich fehlte,- auch der Grunewald leidet häufiger 
an Regenmangel. Die Ursache liegt in beiden Revieren Wohl in der verteilenden 
und abschließenden Wirkung, welche die großen Seeflächen auf den Gang der 
Strichregen und Gewitter ausüben. Gegen Dürrschäden in Baumschulen und 
in jungen Anlagen bietet nur in den Ausnahmefällen, wo die Leitungen der 
Wasserwerke im Walde zu erreichen sind, die künstliche Bewässerung eine Abhilfe. 
Verhältnismäßig wenig leidet das Freiflächengebiet unter den dem Wald 
wuchs schädlichen Temperaturschwankungen, insbesondere den verderblichen Spät 
frösten. Die Zone des ausgesprochenen Binnenklimas beginnt erst östlich der 
Oder, auch übt die aus den zahlreichen Gewässern hervorgehende Luftfeuchtigkeit 
eine ausgleichende und die Spätfröste abschwächende Wirkung aus. 
Von Sturmschäden wird der Dauerwald verhältnismäßig wenig heimgesucht, 
zumal die Kiefer und die meisten Laubholzarten zu den sturmfesteren gehören. 
Gegen Schäden, welche die Tierwelt anrichtet, muß sich die Forstverwaltung 
im Dauerwald nicht weniger, aber auch nicht mehr wappnen, als es überall im 
Wirtschaftswalde der Fall ist. Die Gefahr des Mäuseschadens bleibt auf die 
grasreichen Gebiete des Grnnewaldes und der Oberförsterei Tegel eingeschränkt. 
Das vielseitig schädliche, sonst zur anmutigen Belebung des Waldes beitragende 
Eichhörnchen muß durch Abschuß in Schranken gehalten werden. Im Jahre 1918
	        
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