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Volume Vierter Teil. Forstverwaltung

Full text: Verwaltungsbericht (Public Domain) Issue 1912/1920 (Public Domain)

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gehendes Entgegenkommen auf diesem Gebiet auch zur Erleichterung der 
Ernährungsschwierigkeiten der letzten Jahre beitragen. Das Sammeln von 
Beeren und Pilzen wurde bei Berzicht aus Erlaubnisscheine jedermann frei 
gegeben. Ferner wurde der Wald im Interesse der Ziegen und Rindviehhalter 
gegen Lösung von billigen Erlaubnisscheinen der Waldgräserei geöffnet. Selbst 
die Waldweide wurde, soweit es mit der Erhaltung des Waldwuchses noch 
irgend verträglich war, gestattet, so daß viele Einzelpersonen wie ganze Gemeinden 
die Durchdringung ihrer Milch- und Schlachtviehbestäude dem Walde zu ver 
danken hatten. 
Zu den Nebennutzungen pflegt auch das Raff- und Leseholzsammeln und 
das Stockroden gerechnet zu werden, wozu ein Bewilligungsschein beim Verbände 
von jedermann gegen geringes Entgelt gelöst werden kann. Wenn aus dieser 
Einrichtung schon in normalen Zeiten der ärmeren Bevölkerung eine fühlbare 
Beihilfe erwächst, so hat sie mit dem Beginn der Brennstoffnot in wirksamster 
Weise zur Befriedigung der Bedürfnisse beim kleinen Hausbrand beigetragen. 
In der Zeit vom 1. Juli bis Ende Dezember 1919, also in einem halben Jahre, 
sind allein 1563 Leseholzzettel und 5550 Stockrodezettel ausgegeben worden. 
Es kam vor, daß an einem Tage aus einer Försterei 80 Zettel ausgefertigt 
werden mußten. 
Die dem Walde die obere Humusschicht entziehende und in der Regel recht 
schädliche Streunutzung muß im Dauerwalde auf die Fälle allerdringendsteu 
Bedürfnisses eingeschränkt werden. Sonst noch vorkommende Nebennutzungeu, 
wie die Gewinnung von grünem Laub, Moos, Waldsämereien und dergleichen 
spielen eine untergeordnete Rolle. Die Verbraucher ziehen es leider meist vor, 
sich unrechtmäßigerweise in den Besitz solcher Nutzungen zu setzen. 
Eine wichtigere Rolle als bei anderen Forstverwaltungen spielen natur 
gemäß beim Verbände auch die nicht forstwirtschaftlich genutzten Grundstücke, 
die sogenannten nutzbaren Nichtholzböden. Zu dieser Gattung gehören: 
1. die Gewässer, 
2. die landwirtschaftlich als Wiese, Acker und Garten benutzten Flächen, 
3. die zu besonderen gemeinnützigen oder privaten Zwecken verpachteten 
oder sonst hergegebenen Flächen. 
Im einzelnen ist darüber zu sagen: 
1. Gewässer. Es handelt sich, abgesehen von dem keine Nutzung dar 
bietenden bachartigen Rahnsdorfer Mühlenfließ, um die vom Verbandsgelünde 
eingeschlossenen Seen. Hierzu kommt noch ein Teil des Pohlesees von etwa 
8 ha Größe im Revier Potsdam, über dessen Einverleibung in das Verbands 
gebiet mit der Regierung noch verhandelt wird. 
Bedauerlicherweise spielt die wichtige Fischereinutzung für den Verband 
vorläufig keine Rolle. Der wenig fischreiche Plötzensee ist kurzfristig verpachtet 
und der noch unergiebigere Krumme See im Revier Fahlenberg ist dein Forst 
beamten gegen Entgelt in Nutzung gegeben. Aus den Gewässern des Grunc- 
waldes lasten von altersher fremde Fischereirechte. Es gehört zu den Ausgaben 
der Zukunft, diese Rechte abzulösen und dann überall planmäßig die Hebung 
der Fischerei ins Werk zu setzen. 
Schilf- und Rohrnutzungen müssen, soweit sie überhaupt möglich sind, aus 
schönheitlichen Rücksichten unterbleiben. 
Bewirtschaftung 
der nutzbaren 
Nichtholzböden.
	        
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