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Volume Vierter Teil. Forstverwaltung

Full text: Verwaltungsbericht (Public Domain) Issue 1912/1920 (Public Domain)

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ordnung der Nutzungsform und des Waldbaues unter die Ertragsfragen. Damit 
ist keineswegs gesagt, daß bei der Verwertung der Produkte nicht Haus 
hälterisch vorgegangen werden soll, und ferner nicht, daß technisch etwa eine 
Art Urwaldwirtschaft einzuleiten sei. Es wäre ja nichts schöner und den 
Wohlfahrtszwecken dienlicher, als daß der Dauerwald ein Urwaldsreservat nach 
Art des amerikanischen Jellowstone-Parkes voll von Naturdenkmälern der Fauna, 
Flora und der anorganischen Natur werden konnte. Das geht aber leider auf 
einem durch jahrzehntelange einseitige Bodenkultur veränderten Boden nicht mehr 
an. In einem von der menschlichen Wirtschaft unberührten Walde schafft sich 
die Natur die Abwehrmittel gegeu Krankheit und sonstiges Verderben aus sich 
selber heraus. Im Wirtschaftswalde jedoch sind auch nur wirtschaftliche und 
technische Mittel dagegen anwendbar. Dazu gehört die wirtschaftliche Ordnung 
eines bestimmten Umtriebsalters, das mit Rücksicht auf die Erhaltung alter 
Bäume und schöner Bestandsbilder im Dauerwalde selbstverständlich nicht sklavisch 
befolgt und zur Herbeiführung eines bestimmten gleichmäßigen Jahresgeldcrtrages 
ausgenutzt werden darf, das aber doch so bemessen sein muß, daß in ordnungs 
mäßigem Umlauf die überalterten, den Nährboden für Infektionskrankheiten und 
Jnsektengefahren bildenden Bäume und Bestände ausgemerzt werden können. 
Es gehört ferner dazu eine über das im Wirtschastswald gebräuchliche Maß 
hinausgehende Bestaudspflege durch Durchforstungen und Einzelhiebe, die beide 
die Heranziehung gesunder, wohlgesormter Bestandsbilder ermöglichen und die 
Unterlage für den Einbau von Mischhölzern und guten Humus erzeugenden 
Holzarten bilden. 
Es ist in dieser Beziehung vielfach au der Wirtschaftsweise der Staats 
forstverwaltung in den letzten Jahrzehnten ihrer Besitzzeit eine in ihrem Umfange 
nicht voll berechtigte Kritik geübt worden und die Meinung entstanden, daß sic 
einen verdorbenen, kranken Wald hinterlassen habe. Demgegenüber muß doch 
betont werden, daß die fiskalische Forstverwaltung gerade in ihrem Bestreben, 
in der Umgebung Berlins einen alten Wald zu erhalten, sehr weit gegangen 
ist und dadurch überhaupt die Möglichkeit zur Begründung des Dauerwaldes 
geschaffen hat. Große Geldopfer für eine in ihrem Sinne unwirtschaftliche 
Hiebsform und Bestandspflege sowie für besonders kostspielige Kulturmethoden 
konnten nicht wohl verlangt werden. 
Tatsache ist allerdings, daß sich bei Übernahme des Freiflächengebietes in 
manchen Revierteilen die ältere Kiefern befallende Schwammkrankheit und weit 
gehende Dürrschäden in überalterten Beständen so verbreitet hatten, daß die 
daraus folgende Vermehrung der Borkenkäfer eine ernsthafte Gefahr bildete, die 
durch kräftige „Sanierungshiebe" und Vertilgungsmaßregeln gegeu die Insekten 
nur allmählich niedergekämpft werden konnte. 
Allgemein sei hier hervorgehoben, daß — soweit es Boden- und Bestands 
verhältnisse gestatten — von der Führung größerer Kahlschlüge mehr und mehr 
abgegangen werden kann, daß, soweit irgend möglich, der die Heranziehung von 
Mischbeständen gestattende Gruppenhieb angewendet und daß bei der Ver 
jüngung ans Einbau von Laubhölzern Rücksicht genommen wird. 
Diese Grundsätze gelten überall da, wo die Erhaltung des Waldcharakters 
im Vordergrund steht, d. h. also für den weitaus größten Teil des Dauer 
waldes. Wo dagegen an den Eingangspforten zu den Wäldern, an einzelnen 
hervorragenden Ausflugspunkten, sowie an den Rändern bevorzugter Wegezüge 
parkartige und Verschönerungsanlagen entstehen sollen, handelt es sich außer der
	        
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