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Volume Vierter Teil. Forstverwaltung

Full text: Verwaltungsbericht (Public Domain) Issue 1912/1920 (Public Domain)

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Nachdem die Verhandlungen so weit gediehen waren, konnte endlich im 
Anfang des Jahres 1914 ein bestimmter Antrag des Verbandsausschusses auf 
Genehmigung des Abschlusses eines Kaufvertrages der Verbandsversammlung 
vorgelegt werden, die die Vorlage zunächst an einen Sonderausschuß von 
20 Mitgliedern überwies. Dieser Ausschuß nahm eine nochmalige eingehende 
Prüfung aller in Betracht kommenden Verhältnisse vor, wobei insbesondere die 
Frage des Grundwassers und die Einwirkung der Wasserentziehung auf den 
Baumbestand, sowie die Klärung der Rechtsansprüche Dritter an dem zu 
erwerbenden Gelände eine Rolle spielten. 
Dem Antrag desSonderausschusses entsprechend, erklärte sich dann dieVerbands- 
versammlung mit den Grundzügen des vorgelegten Vertrages über den Erwerb 
von rund 10 000 ha fiskalischer Forststächen für den Preis von 50 Millionen M 
unter der Voraussetzung einverstanden, daß bestimmte Bedingungen erfüllt 
und besondere erhebliche Zahlungserleichterungen gewährt wurden. Der neue 
daraufhin im Landwirtschaftsministerium aufgestellte Vertragsentwurf, der den 
Wünschen der Verbandsversammlung insbesondere in bezug auf die Erleichterung 
der Zahlungsbedingungen Rechnung trug, wurde schließlich von der Verbands 
versammlung durch den endgültigen Beschluß vom 24. Juni 1914 mit einer- 
unwesentlichen Änderung angenommen. Es bedurfte nunmehr nur noch für das 
als Anlage zum Vertrage vorgesehene Verzeichnis einer genauen Aufstellung der 
an dem abzutretenden Gelände bestehenden Rechte Dritter, wobei auch andere 
Zweige der Staatsverwaltung (besonders Eisenbahn- und Militärverwaltung) 
mit größeren Geländen in Frage kamen. 
2. Abschluß, Inhalt und Erfüllung des Dauerwaldvertrages. 
Durch den Ausbruch des Weltkrieges verzögert, wurde dann endlich nach 
drei Jahre währenden Verhandlungen am 27.März 1915 der sogenannte Dauer 
waldvertrag abgeschlossen, jener denkwürdige Vertrag, durch den der Bevölkerung 
Groß Berlins für die Zukunft wenigstens das Mindestmaß der zum Atemholen 
notwendigen Freiflächen an der Großstadtperipherie gesichert wird. Am 1. April 1915 
erfolgte dem Vertragsinhalt entsprechend die schriftliche Erklärung der Staats 
verwaltung, durch die das Dauerwaldgelände in die tatsächliche Gewalt des 
Verbandes Groß Berlin übergeben wurde. 
Der Hauptinhalt des Vertrages soll hier — auch zu besserem Verständnis 
der späteren Ausführungen — kurz Erwähnung finden: Der Fiskus verkauft 
an den Verband Groß Berlin die aus einer beigefügten Karte durch Umrandung 
kenntlich gemachten Flächen „in einer ungefähren Größe von 10 000 ha". Die 
genaue Abgrenzung und Vermessung wird vorbehalten und die Parteien sind 
gegenseitig verpflichtet, in geringfügige Abänderungen der Grenzen unter Flächen 
ausgleich zu willigen. 
Der Kaufpreis beträgt 50 Pf für jedes übereignete Quadratmeter, wobei 
von dem Gesamtbetrag eine dem Fiskus seiner Zeit von den Charlottenburger 
Wasserwerken für einzelne Belastungen des Grunewaldes gezahlte Kapital- 
abfindung von 850 000 M in Anrechnung gebracht wird. Bei der Auflassung 
bzw. bei einer vorher erfolgenden Übergabe ist eine Anzahlung von 5 Millionen M 
zu leisten, das Restkaufgeld ist unverzinslich und in 15 Jahreszahlungen von 
je 3 Millionen M zu tilgen.
	        
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