Path:
Volume Dritter Teil. Bauabteilung

Full text: Verwaltungsbericht (Public Domain) Issue 1912/1920 (Public Domain)

78 
Meter Straßenbefestigung einschließlich Kanalisation, Leitungen usw. ans 12 M 
vor dem Kriege, so beläuft sich die ersparte Summe für das Plangebiet auf 
7 bis 8 Millionen Mark an Anlagekosten, ohne die erheblichen laufenden Er 
sparnisse an Unterhaltungs-, Reinigungs- und Beleuchtungskosten in Rechnung 
zu stellen. Man kann an diesem Beispiel aus einer noch dazu wenig finanz 
kräftigen Gemeinde die wirtschaftliche Bedeutung der Bebauungspläne 
für den Gemeindeetat und den Grundbesitz klar erkennen. 
Auf dem Gebiete des Freiflächenwesens fand der Verband ein außer- 
ordentlich schwieriges Arbeitsfeld vor. Die zur Begutachtung vorgelegten Pläne 
wiesen mit wenigen Ausnahmen nicht nur im Gesamtausmaß viel zu wenig 
Freiflächen (Spielplätze, Parks und Promenaden) aus, sondern verzettelten die 
wenigen noch in eine Unzahl kleiner und kleinster, meist von teuren Straßen 
eingerahmter Plätze, denen mehr Schmuck- als gesundheitlicher Wert zukommt. 
Die Bemühungen des Verbandes mußten daher nach zwei Richtungen einsetzen: 
einerseits das Gesamtausmaß der Freiflächen für ein Stadtviertel wesentlich 
heraufzusetzen, andererseits dieselben mehr zusammenzufassen und zweckmäßiger 
im Stadtplan zu verteilen. Als Maßstab für das zu fordernde Ausmaß wurde 
die im Stadtviertel zu erwartende Bevölkerungsdichtigkeit zugrunde gelegt: 
auf den Kopf der Bevölkerung wurde die Ausweisung von in der Regel zwischen 
5 lind 6,5 qm großen Freiflächen im Bebauungsplan verlangt, durchführbar befunden 
und auch zumeist durchgesetzt,- dabei soll die untere Grenze auf weiträumige 
Bezirke mit Hausgärten, die obere auf hausgartenlose Hochbaubezirke Anwendung 
finden. Auf eigentliche Spielplätze sollen hiervon mindestens 2,5 qm auf den 
Kopf der Bevölkerung entfallen. Wälder, Schrebergärten und dergleichen sind nicht 
in diesen Zahlen enthalten. Wendet man diese Zahlen auf die einzelnen Bau 
klassen an, so stellt sich der im Bebauungsplan auszuweisende Prozentsatz an 
Freiflächen z. B. in der viergeschossigen Vorortbauklasse I auf 18 %, sofern diese 
gemäß der Bauordnung mit Hinterhausquartieren ausgestattet wird, dagegen 
nur auf 12 bis 14 %, wenn auf tiefen Baublocks eine viergeschossige Randbebauung 
mit tiefen Hausgärten vorgeschrieben wird. In der weiträumigen Kleinhaus- 
bauklasse F ermäßigt sich der Prozentsatz auf 6 bis 8 %. Naturgemäß stellen 
diese Zahlen nur Mittelwerte dar, die für den Einzelfall zweckmäßig abzuändern 
sind. So kann z. B. in der Banklasse F der Freiflächensatz durch die Erhaltung 
einer schönen Park- oder Wiesenlandschaft oder die Bedürfnisse der Vorflut 
wesentlich heraufschnellen, ebenso wie in anderen Stadtvierteln der für die 
Bauklasse I oben angegebene Satz ermäßigt werden mußte, weil seine Durch 
führung wegen vorgeschrittener Bebauung zu teuer kommen würde,- in finanziell 
schwachen Gemeinden wurde im letzteren Falle der Nachdruck auf die Ausweisung 
der Spielplätze gelegt. Wirtschaftlich bot die Durchführung der vom Verband 
geforderten Freiflächensätze in der Mehrzahl der Fälle deshalb keine Schwierig 
keiten, weil das Mehr au Freiflächen fast immer durch Ersparnisse an 
Straßen land ausgeglichen werden konnte, indem nicht nur der Prozentsatz 
an reinem Bauland unverändert blieb, sondern darüber hinaus wesentliche, in 
viele Millionen gehende Ersparnisse an Straßenkosten erzielt wurden. 
Es wurde auch besonders darauf hingearbeitet, die Freiflächen so anzuordnen, 
daß sie nicht von teuren Straßen eingefaßt werden. Immerhin bleiben noch 
genug Fälle übrig, wo die Gemeinden so leistungsschwach sind, daß die Durch 
führung der verlangten Freiflächen kaum wird von ihnen erwartet werden können,- 
hier dürften alle Forderungen auf dem Papier bleiben.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.