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Volume Achter Abschnitt. Bauwesen

Full text: Verwaltungsbericht der Landgemeinde Steglitz (Public Domain) Issue 1875-1909 (Public Domain)

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Achter Abschnitt: 
Dm Kellergeschoß durften nur dann Wohnungen angelegt werden, wenn 
die Kellerdecke mindestens 1.00 m und der Fenstersturz mindestens 0,60 m über dem 
Niveau der Straße lag. 
Dn bezug auf Feuersicherheit waren die Bestimmungen wesentlich ver 
schärft. Dn geschlossenen Ortschaften sollte nur feuersicheres Oachdeckungsmaterial 
verwendet werden, wo weiche Deckung zugelassen war, mußten die Gebäude in 
einem Abstand von 10 bzw. 20 m von einander errichtet werden. 
Am 24. $uni 1887 wurde eine neue Gaupolizeiverordnung für die Umgebung 
von Gerlin erlassen. 
Um eine zu große Ausnutzung der Gaustellen durch die auch in Steglitz 
beginnende Gauspekulation zu verhindern, war die Gebaubarkeit dahin geregelt, 
daß bisher nicht bebaute Grundstücke mit 2 / 3 , bereits bebaute bis zu 3 / 4 ihrer 
Grundfläche bebaut werden durften. Röfe mußten mindestens 60 qm bei 6 m 
geringster Abmessung groß fein, bei Lckgrundstücken war sogar ein Rof von 
40 qm fläche bei 6 m geringster Abmessung zulässig. 
Oie Gebäude' durften in den Frontwänden stets 12 m hoch sein, jedoch 
das Maß von 22 m nicht überschreiten; maßgebend für die Rohen war die 
Straßenbreite zwischen den Straßenfluchtlinien. Ls konnten S zum dauernden 
Aufenthalt von Menschen bestimmte Geschosse angelegt werden, der Fußboden des 
obersten bewohnten Geschosses durfte jedoch höchstens 17.S0 m über dem Erd 
boden liegen. 
Rintere Gebäude und Seitenflügel durften in der Röhe die Ausdehnung 
des notwendigen Rofraumes um nicht mehr als 6 m überschreiten. Quergebäude 
konnten also bei nur 6 m Rofbreite 12 m hoch gebaut werden, Vordergebäude 
an solchen Röfen sogar bis 22 m. Oaß diese Vorschriften nicht geeignet waren, 
gute gesundheitliche Verhältnisse zu schaffen, kann man an den nach dieser 
Gauordnung ausgeführten Gauten in der Rerder- und Marksteinstraße noch 
feststellen. 
öäie aus den erwähnten Geftimmungen hervorgeht, entsprach die damalige 
Gaupolizeiverordnung in den Rauptpunkten den für Gerlin geltenden Ge- 
stimmungen: S Geschosse, 22 m Rauptgesimshöhe, 2 / 3 — 3 / 4 Gebauung, sehr geringe 
Abmessungen der Röfe. 
Nach diesen sehr weitgehenden Geftimmungen durfte in der Zeit von 1887 
bis zum Erlaß der nächsten Gauverordnung von 1892 im ganzen Steglitzer Gemeinde- 
gebiet gebaut werden. 
Ls ist also nicht, wie allgemein angenommen zu werden scheint, ursprünglich 
in Steglitz nur die landhausmäßige Gauweise zulässig gewesen, die dann allmählich 
durch den sogenannten Rochbau ersetzt worden ist, sondern es war, wie schon oben 
erwähnt, in der Leit von 1887—92 in ganz Steglitz unbeschränkter Rochbau nach
	        
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