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Volume Zwölfter Abschnitt. Armen- und Waisenpflege, Fürsorgeerziehung

Full text: Verwaltungsbericht der Landgemeinde Steglitz (Public Domain) Issue 1875-1909 (Public Domain)

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Zwölfter Abschnitt: 
Unterstützung der Kinder, die nicht Wense» sind. 
§ 20. 
Oie Armenpflege tritt für Kinder, welche noch Litern oder wenigstens noch eine Mutter 
haben, in der Kegel nicht unmittelbar ein. Sind die Litern oder ist die Mutter nicht imstande, die 
Kinder mit zu unterhalten, so wird ihnen regelmäßig eine so hohe Unterstützung gewährt werden 
müssen, daß sie den Unterhalt für die ganze Familie beschaffen können. Den Litern die Sorge für 
ihre Kinder abzunehmen, ist sehr häufig bedenklich, da dies zu leichtsinniger Vernachlässigung der 
elterlichen pflichten anreizt. Umgekehrt aber erfordert zuweilen das Wohl der Kinder dringend 
deren Lntfernung aus dem Llternhause. Oie Abnahme der Kinder, für welche Armenunterstützung 
gewährt werden muß, und welche sich im Saushalte der Litern befinden, ist daher im Wege der 
Armenpflege nur insoweit und solange zulässig, als den Lrfordernissen der Pflege usw. im elter 
lichen Sause nicht genügt werden kann. 
Bevor aber die Abnahme geschieht, muß mit allen Mitteln auf die Litern eingewirkt 
werden, um zu versuchen, ob sie nicht zur Erfüllung der pflichten gegen ihre Kinder zu bringen 
sind. Seifen alle Mittel nichts, so wird die Bestrafung der Litern oder die Einleitung der Fürsorge 
erziehung gemäß dem Gesetze vom 2. (Juli 1900 ins Auge zu fassen sein. 
Sinsichtlich dieser Fürsorgeerziehung sind die Armenpfleger namentlich auch verpflichtet, 
der Armendirektion alle die Fälle zur Kenntnis zu bringen, in denen Kinder von Litern und Lr- 
ziehern mißhandelt, vernachlässigt oder körperlich oder geistig verwahrlost werden, oder wenn 
Minderjährige eine strafbare Sandlung begangen haben oder sich einem liederlichen Lebenswandel 
ergeben (vergl. Nr. II Absatz ö der Ausführungsbestimmungen zum Fürsorgeerziehungsgesetz). 
Fürsorge für Waisen und Salbwaisen. 
8 21. 
Lei der Fürsorge für eitern- oder mutterlose Kinder, welche dauernd oder längere Zeit 
der öffentlichen Armenpflege anheimfallen, ist für deren Unterbringung in geeigneten Familien — 
nötigenfalls durch Vermittelung der Waisenräte oder der Verwaltung des Saitekinderwesens — 
Sorge zu tragen. — Oabei sind eventuell auch Familien auf dem Lande zu berücksichtigen. 
Über die Sähe des an diese Familien zu zahlenden Pflegegeldes wird, der bisherigen 
Übung entsprechend, von Fall zu Fall zu entscheiden sein. Der Armendirektion bleibt es vorbehalten, 
mit Zustimmung des Gemeinde-Vorstandes Söchstsähe für die Pflegegelder, je nach dem Alter der 
unterzubringenden Kinder, festzusetzen. 
Vorübergehende Sorge für hilfsbedürftige Kinder. 
8 22. 
Muß die Fürsorge nur vorübergehend für Kinder eintreten, welche sich nicht bei den 
Litern, sondern bereits bei anderen Personen befinden, so wird es sich meist empfehlen, die Kinder 
da zu belassen, wo sie sind, und den Personen, welche sich ihrer angenommen haben, eine zunächst 
einmalige Unterstützung für den Unterhalt der Kinder zu gewähren. Diese Unterstützung gilt nicht 
als Unterstützung der Verpfleger, sondern als solche der Kinder. 
Obdach. 
8 23. 
Die Beschaffung des Obdachs soll in erster Linie durch Gewährung der erforderlichen 
Miete oder eines Zuschusses dazu erfolgen. Ost der Zustand der Obdachlosigkeit für einen Silfs- 
bedürftigen deshalb zu befürchten, weil ihm die Exmission wegen Sichtzahlung rückständiger Miete 
droht, so kann — abweichend von der Kegel des § 14 — die Bezahlung der rückständigen Miete 
im Wege der Armenpflege erfolgen; dies hat indessen nur in besonderen Ausnahmefällen nach 
sorgfältiger Prüfung zu geschehen. 
Silfsbedürftige, welche nachweisen, daß sie ihre Wohnung verlassen müssen und aller 
Bemühungen ungeachtet nicht imstande gewesen sind, sich ein anderweitiges Unterkommen zu be 
schaffen, sind von der Armendirektion vorläufig im Armenhause unterzubringen.
	        
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