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Volume Achter Abschnitt. Bauwesen

Full text: Verwaltungsbericht der Landgemeinde Steglitz (Public Domain) Issue 1875-1909 (Public Domain)

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Achter Abschnitt: 
Gäke war hierzu nicht geeignet —, so entschied sich die genannte Kommission am 
20. Mai 1890 für den Ankauf eines Rieselfeldes. 3n Getracht kamen die Suter 
Selchow, Kleinziethen, Mahlow und Ruhlsdorf. Oie ersten drei schienen wegen 
der weiten Entfernung vom Orte nicht geeignet zu fein, und Ruhlsdorf war vor 
Abschluß der Verhandlungen unverkäuflich geworden. Oie Gemühungen um Lr- 
werbung eines geeigneten Riesellandes in größerer Nähe waren erfolglos, und so 
drohten denn die Bestrebungen auf Einführung der Kanalisation wieder im Sande 
zu verlaufen, zumal sich im Jahre 1890 180 Grundstücksbesitzer gegen. 110 für die 
Kanalisierung ausgesprochen hatten. 
3m nächsten Jahre 1891 aber wurde dem Gemeindevorsteher eine Eingabe 
von 316 Einwohnern überreicht, welche die baldige Einführung der Kanalisation 
erbat, und auch der Gürgerverein trat diesem Wunsche bei. Oaraufhin beschloß 
die Gemeindevertretung am 6. November 1891, den Gauinspektor Adams von der 
Gerliner Kanalisation mit der Ausarbeitung eines ganz neuen Projektes zu be 
trauen, das bereits am 30. Dezember 1891 der Gemeindevertretung in feinen Grund- 
zügen vorgetragen und von ihr genehmigt wurde. 
Nach einer rasch erfolgten weiteren Ausarbeitung und sehr eingehenden 
Prüfung des Projektes in der Kanalisationskommission wurde am 23. November 1892 
die Ausführung beschlossen und wenige Dage später das Gut Kleinziethen als 
Rieselland erworben. 
2. Berechnung und Ausbau des Leitungsnetzes. 
Die eigentümliche Lodengestaltung der Gemarkung, besonders aber das 
Kehlen eines zur Aufnahme von Notauslaßwasser geeigneten Vorfluters, machten 
es unmöglich, das in Lerlin wie überhaupt auf dem europäischen Kestlande bisher 
allein zur Ausführung gelangte „Mischsvstem" — gemeinsame Abführung von 
Lrauch- und Niederschlagswasser — hier anzuwenden. Adams entschloß sich daher 
zur Einführung des Drennspstems, wonach nur das Grauchwasser einschließlich der 
Kakalien in unterirdischen Leitungen abgeführt wird, während das Regenwasser 
wie bisher oberirdisch nach tiefliegenden Punkten abfließen und hier versickern 
und verdunsten sollte. 
Steglitz ist der erste Ort auf dem europäischen Keftlande, wo dieses System 
voll zur Durchführung gelangt ist, und die Erfahrungen haben erwiesen, daß das 
Drennjpstem volle Gleichberechtigung mit dem Mischsvstem hat, denn es haben 
sich keine der früher befürchteten Mischrückstände dauernd gezeigt. Dagegen sind 
die Gaukosten der jeweiligen pekuniären Leistungsfähigkeit der Gemeinde an 
gepaßt worden, was beim Mischsvstem nicht möglich ist. 
Wie aus der Tabelle I hervorgeht, ist das Leitungsnetz für Grauchwasser 
ganz allmählich ausgebaut worden. Dur wenig mehr als 1 km hat als gemauerter 
Eikanal von 0,67/100 m l. Weite ausgeführt werden müssen, alle übrigen Leitungen
	        
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