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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

Die Schutzmannschast von 1865—1892. 
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Durch den Staatshaushaltsetat des Jahres 1874 wurde fitr die deu Bezirks 
hauptleuten, sowie den Führern der Reserve- und der berittenen Abteilung zur 
Bearbeitung von Personalien u. dergl. beigegebenen Wachtmeister, die thatsächlich 
bereits seit geraumer Zeit eine Art vorgesetzter Stellung gegenüber den anderen Wacht 
meistern eingenommen hatten, die neue Charge der „Abteilungswachtmeister" geschaffen. 
2. Eine wesentliche organisatorische Änderung wurde im Jahre 1873 herbei 
geführt durch die Einrichtung der Bezirkswachen. 
Der Aufschwung der Hauptstadt nach den Feldzügen hatte auch eine starke 
Zunahme der zu Ausschreitungen und Gewaltthätigkeiten neigenden Bestandteile der 
unteren Volksschichten mit sich gebracht. Zahlreiche Überfälle auf offener Straße 
bewiesen, daß die allgemeine Sicherheit der Personen und des Eigentums erheblich 
abgenommen hatte. Wiederholt war es zu Ruhestörungen und Aufläufen ernst- 
lichster Art gekommen, die von der vorhandenen Polizeimannschaft nur mit Mühe 
unterdrückt werden konnten. 
Diese Erfahrungen veranlaßten außer einer bedeutenden Verstärkung des Per 
sonals der Schutzmannschast eine Umgestaltung des Exekutivdienstes. Man hatte 
die Überzeugung gewonnen, daß die gering besetzten Revierwachen nicht mehr aus 
reichten, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten', auch räumlich entsprachen 
damals jene Wachen, die meist nur aus einem kleinen Zimmer in abgelegener 
Gegend bestanden, durchweg nicht den au ein polizeiliches Wachtlokal zu stellenden 
Anforderungen. Es wurden daher unter Aufhebung der Revienvacheu für jede 
Bezirkshauptmannschaft zwei Bezirkswachen eingerichtet, welche unter unmittelbarer 
Aufsicht der Bezirkshauptleute den gesamten Posten- und Patrouillendienst auf deu 
Straßen übernahmen. 
Die Einrichtung der Bezirkswachen erfuhr indessen in der Folge wieder mehr 
fache Veränderungen. Gleichzeitig mit der im Jahre 1875 durchgeführten Ver 
mehrung der Reviere wurden einzelne au den Weichbildgrenzen belegene Reviere 
als sogenannte „selbständige Reviere" aus dem Zusammenhange mit den Bezirks 
hauptmannschaften und mit den Bezirkswachen ausgelöst und ihrerseits mit einem 
starken Mannschaftsbestande von durchschnittlich je 3 Wachtmeistern und 20 bis 
40 Schutzmännern versehen. Im Jahre 1881 wurde es sodann nach erheblicher 
Personalverstärküng möglich, daß die Revierwachen allgemein mit reichlicherer Be 
setzung als früher wieder eingerichtet und die Bezirkswachen auf je eine für die 
Hauptmannschaft vermindert wurden. Der Straßendienst ging zum Teil wieder 
aus die Revienvacheu über; die Bezirkswachen wurden mit Ausnahme derjenigen 
der mitten im lebhaftesten Verkehr der Stadt belegeneu Hauptmannschaftcn I und II, 
welche einen eigenen Mannschaftsbestand behielten, aus den Reviermannschaften 
besetzt und je einer Revierwache angegliedert. Gleichzeitig wurden die sogenannten 
selbständigen Reviere wieder in den Verband der Hauptmannschaften einbezogen. 
3. Die infolge der Allerhöchsten Kabinetsordre vom 13. Juni 1863 in Fort 
fall gekommene Stelle des Polizeiobersten wurde im Laufe der 70 er Jahre wieder 
hergestellt. Die Erfahrung hatte gelehrt, daß für den Kommandeur der Schutz- 
mannschaft, um die im dienstlichen Interesse, insbesondere zu einer strengen Hand 
habung der Disziplin nötige Autorität zu behaupten, eine vor den übrigen Polizei 
hauptleuten ausgezeichnete Raugstellung doch von Vorteil sei. Seit dem Jahre 
1872 wurde daher zunächst dem mit der Führung der Schutzmannschaft betrauten 
Polizeihauptmann der Charakter als Polizeioberst verliehen. Im Etat von 1877/78 
gelangte sodann die Stelle eines Polizeiobersteu erneut zur Ausnahme. 
Die Zuständigkeiten des Kommandos der Schutzmannschaft wurden daraufhin 
neu geregelt durch Verfügung vom 22. November 1878. Darnach wurde dem 
Polizeiobersten wiederum die Bearbeitung einzelner Angelegenheiten der Schutz 
mannschaft, insbesondere auch auf dein Gebiete der Personalien der Wachtmeister 
und Schutzmänner übertragen. Im übrigen verblieb die Verwaltung der An 
gelegenheiten der Schutzmannschaft der Abteilung I.
	        
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