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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

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Geschichte der Organisation. 
II. Von 1670 bis 1900. 
a) Der Einfluß der Selbsttierwaltungsgesetzgebnng. 
1. Der Erlaß der Kreisordmmg vom 13. September 1872 berührte die 
Organisation des Polizeipräsidiums nur insofern, als dessen Zuständigkeit sich über 
Berlin hinauserstreckte. 
Die Umgestaltung der ländlichen Ortspolizei gab Veranlassung, die Zu 
ständigkeiten des Polizeipräsidiums in dem sogenannten weiteren Polizeibezirke zit 
beseitigen. Der bisherige Dualismus der Polizeiverwaltung in diesem Bezirke 
hatte nach dem übereinstimmenden Urteil aller beteiligten Behörden sich in der 
Praxis nicht bewährt, vielmehr bei dem Mangel einer klaren Abgrenzung der 
beiderseitigen Zuständigkeiten zu steten Reibereien uird Kompetenzstreitigkeitcn 
zwischen dem Polizeipräsidium und seinen Orgaticn und den Ortsobrigkeiten und 
Landräten Veranlassung gegeben. Da außerdem durch die Kreisordnung die 
Handhabung der gesamten ländlichen Ortspolizeiverwaltinig den Amtsvorstehern 
übertragen war, wurde durch Allerhöchste Kabinetsordre vom 6. Oktober 1873 
der weitere Polizeibezirk aufgehoben, und die Landreviere kamen damit in Fort 
fall. Der Plan der Regierung, den Landräten der beiden Kreise 2 Polizei- 
inspektoren und 30 aus der Schutzmannschaft abzukommandierende Schutzmänner 
für die Handhabung der Sicherheitspolizei in den Vororten zuzuweisen, fand nicht 
die Zustimmung des Landtages; man beschränkte sich daher auf eine Verstärkung 
der Gendarmerie. 
Dagegen trat in der Stellung des Polizeipräsidiums zu dem sogenannten 
engeren Polizeibezirk einstweilen keine Veränderung ein. Auch dieser Bezirk, der 
ini Laufe der dreißiger Jahre mehrfach eriveitcrt worden war, nach den Ein 
gemeindungen vom 1. Januar 1861 aber nur noch aus dem Tiergarten, dem 
Zoologischen Garten, dem Schloß Bellevue und einem Anteil der Hasenheide 
bestand, gehörte zum Geltungsgebiet der Kreisordnung. 
In Anbetracht der engen Zusammengehörigkeit des Bezirks mit der Stadt 
erschien jedoch hier die Bildung von Amtsbezirken nicht angezeigt. Es behielt 
daher das Polizeipräsidium die gesamte örtliche und Landespolizeiverwaltung in 
diesen Gebieten auch nach dem Inkrafttreten der Kreisordnung bei. Im Jahre 
1881 sind sodann der Tiergarten, der Zoologische Garten und das Schloß 
Bellevue eingemeindet worden, sodaß sich der engere Polizeibezirk seitdem auf den 
Anteil der Hasenheide beschränkt. 
Auch die bisherige Verbindung zwischen dem Polizeipräsidium und dem 
Polizeiamt Charlottenbnrg blieb nach dem Inkrafttreten der Kreisordmmg an sich 
bestehen; das Verhältnis zwischen beiden Behörden wurde aber durch die Kreis 
ordnung und die sich daran anschließende Gesetzgebung insofern wesentlich berührt, 
als eine große Anzahl der bis dahin von dem Polizeipräsidium zu treffenden 
Entscheidungen auf die neugeschaffenen Selbstverwaltungsbehörden des Kreises 
Teltow, des Regierungsbezirks Potsdam und der Provinz Brandenburg über 
tragen wurden, und das Polizciverordnungsrecht in landespolizeilichcn Angelegen 
heiten ans den Regierungspräsidenten zu Potsdam überging. Eine weitere Ver 
änderung erfuhr die Stellung der Charlottenburger Polizeiverwaltung seit 1875, 
indem durch den Staatshaushaltsetat eine besondere Polizcidircktorstelle und ein 
besonderes Beamtenpersonal geschaffen wurde, während bisher sämtliche Beamten 
stellen ans dem Personal des Polizeipräsidiums besetzt worden waren. 
2. Alls Grund des Zuständigkeitsgesetzes vom 26. Juli 1876 trat in Berlin 
vom 1. Oktober 1876 ab ein aus dem Oberbürgermeister oder seinem Stell 
vertreter und vier von dem Magistrate gewählten'Mitgliedern bestehender Stadt 
ausschuß, sowie ein ans zwei ernannten und drei von dem Magistrate und den 
Stadtverordneten in gemeinschaftlicher Sitzung gewählten Mitgliedern bestehendes 
Bezirksverwaltungsgericht ins Leben. Auf diese Behörden ging ein beträchtlicher
	        
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