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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

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Rixdorf. Abteilung II. 
Ausnahmen von dem Verbote der Sonntagsarbeit auf Grund des § 105 t 
der Gewerbeordnung wurden zugelassen: 
im Jahre 1899 3 
- - 1900 2. 
Abgewiesen mit gleichen Anträgen wurden im Jahre 1900 drei Personen, 
weil die Voraussetzungen, unter denen die Erlaubnis zu erteilen war, nicht vor 
lagen. 
b) Gast- und Schankwirtschafteu, sowie Kleinhandel mit Branntwein und Spiritus, 
sowie Kleinhandel mit Bier. 
Für Rixdorf ist unter dem 22. November 1879 ein Ortsstatut erlassen, 
welches bestimmt, daß der Betrieb der Gastwirtschaft oder das Ausschänken von 
Wein, Bier und nicht geistigen Getränken von dem Nachweise eines vorhandenen 
Bedürfnisses abhängig sein soll. Einem von dem hiesigen Magistrat seit dem 
17. März 1881 wiederholt, zuletzt am 13. Oktober 1899 gefaßten Beschlusse, dieses 
Ortsstatut aufzuheben, hat der Bezirksausschuß zu Potsdam bisher die Genehmigung 
versagt. Die gegen diesen Versagungsbeschluß bei dem Proviuzialrat erhobene 
Beschwerde ist durch Bescheid vom 3. Mai 1900 als unbegründet zurückgewiesen. 
Der Magistrat ist der Ansicht, daß durch die Anwendung des Ortsstatutes 
eine Beschränkung der Gewcrbefreiheit eintritt und infolgedessen das gedeihliche 
Wachstum der Stadt gehindert wird. Diese Ansicht wird seitens der Polizei- 
direktion durchaus nicht geteilt: Trotz der statutarischen Bestimmung hat Rixdorf 
seit Jahren einen außerordentlich starken Zuwachs der Bevölkerung erhalten. Nach 
Aufhebung jener Bestimmung würden sich höchstens die Schankstätten stark ver 
mehren, worin aber ein gedeihliches Wachstum der Stadt umsoweniger gefunden 
werden könnte, als die zur Zeit vorhandenen 340 Schankstätten (d. h. eine Schank 
stätte auf etiva 250 Einwohner) für Rixdorf mehr als ausreichend sind. 
Auch die fernere Ansicht des Magistrats, daß die unbegrenzte Zulassung von 
Schankwirtschaften ohne Branntweinausschank dem Schnapsgenusse Einhalt thun 
würde, trifft nicht zu. Die Erfahrung hat gelehrt, daß die Inhaber solcher 
Schankstätten vielfach heimlich Branntwein ohne Konzession verabfolgen. Die 
Aufhebung des Ortsstatuts würde somit nur vermehrte Gelegenheit zum Brannt- 
wcingenusse schaffen. 
Die Zahl der bei der Polizeidirektion im ersten Verwaltungsjahre eingegangenen 
Konzessionsgesuche für Gast- und Schankwirtschafteu, sowie für Kleinhandlungen 
mit Branntwein betrug 257. 
Hiervon entfallen auf 
Gastwirtschaften 4 Anträge 
Schcmkwirtschasten mit Spirituvsenausschank . . 175 - 
Schankwirtschafteu ohne Spirituvsenausschank. . 22 - 
Kleinhandlungen mit Spirituosen . . . . . 56 - 
Summa .... 257 Anträge. 
Widerspruch gegen die Errichtung neuer Schankstätten hat die Polizcidirektion 
in 93 Fällen erhoben, in 4 Fällen denselben nachträglich zurückgezogen. 
Die nachfolgende Statistik giebt Aufschluß über die Einwohnerzahl Rixdorfs, 
über die Zahl der 1899 vorhandenen und der im Jahre 1900 hinzugekommenen 
Schankstätten, über die Gesamtzahl der überhaupt vorhandenen Schankstätten 
nnst über die Zahl derjenigen, in denen lediglich ein Personenwechsel stattgefunden 
hat. Gerade die den Personenwechsel bezeichnenden Zahlen sprechen dafür, daß 
die Inhaber bei der großen Konkurrenz ihre Rechnung nicht finden, sie beweisen 
auch, daß das Bedürfnis nach Schanklokalen vollauf gedeckt ist, und daß es nur
	        
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