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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

Die Kriminal- und Sittenpolizei. 
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Die Ausführung von Transporten erfolgte an der Hand der General-Trans 
portinstruktion vom 16. September 1816 und der Transportkostenordnung vom 
16. März 1894. Zu denselben werden zwei Civiltransportenre und nur, soweit 
diese nicht verfügbar sind, ausnahmsweise Kriminalschutzmänner vcrivendet. 
Es wurden im Jahre 1900 342 Transporte ausgeführt. 
Die Auflösung von Konkubinaten ist in Gemäßheit der §§ 127—133 des 
Gesetzes über die Allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 und § 10 
Titel 17 Teil II des Allgemeinen Landrechts nur in zwei Fällen unter Anwendung 
von Zwangsmaßregeln erfolgt. Die meisten der übrigen hier zur Kenntnis gelangten 
Konkubinate lösten sich gewöhnlich von selbst, wenn die Beteiligten durch polizei 
liche Vernehmungen und Recherchen Schwierigkeiten hatten. In einzelnen wenigen 
Fällen ist es jedoch vorgekommen, daß mangels jeden Beweises von einem Ein 
schreiten Abstand genommen werden mußte. 
Kriminalpolizei. 
Der Personalbestand der Kriminalpolizei am 1. November 1899 betrug etats 
mäßig : 
2 Kriminalkommissare, 
2 Kriminalwachtmeister, 
18 Kriminalschutzmänner. 
Die Kriminalpolizei ist in zwei Bezirke eingeteilt: zum ersten Bezirk gehören 
die Reviere 1 und 2, zum zweiten die Reviere 3 und 4. Jedem Revier sind 
2 Kriminalschutzmänner überwiesen. 
Neben der allgemeinen kriminalistischen Thätigkeit ist dem Kriminalkommissar 
des I. Bezirks speziell die politische Polizei, dem II. Kriminalkommissar die Sitten 
polizei übertragen. Der Dienst der beiden Kriminalkommissare und der Wacht 
meister ist dahin geregelt, daß an den geraden Tagen der ältere Kriminalkommissar 
und der ihm unterstellte Wachtmeister Dienst haben, während an den ungeraden 
der jüngere und der ihm unterstellte Wachtmeister den Dienst zu versehen haben. 
Diese Beamten müssen während der 24stündigen Dienstzeit von Mittag zu Mittag 
zu jeder Zeit schnell erreichbar sein. 
Wöchentlich ftndcn zwei Mal Konferenzen unter dem Vorsitz des Abteilungs- 
dirigcntcn oder des ältesten Kriminalkommissars statt. Bei diesen Konferenzen, an 
welchen auch die ersten Kriminalschutzmänner aus den Revieren teilnehmen, werden 
alle größeren Vorkommnisse bekannt gemacht und vorgekommene Fälle instruktiv 
besprochen, sowie die neu unter Polizeiaufsicht zu stellenden Personell den Kriminal 
beamten vorgestellt; anschließend an die Konferenz finden innerhalb der Bezirke 
lioch kürzere Instruktionen statt. Auch zu den Konferenzen der Kriminal- und 
Sittenpolizei des Polizeipräsidiums in Berlin werden Beanite der Polizeidirektion 
entsaildt, welche die für Rixdorf interessierenden Bekanntmachungen notieren. 
Laut Verfügung des Polizeipräsidiums zu Berlin müssen seit den, 2. Oktober 
1900 alle Anzeigen über Verbrechen und Vergehen, bei welchen es hier nicht ge 
lungen ist, den Thäter zu ermitteln, und welche darauf schließen lassen, daß ein 
gewerbsmäßiger Verbrecher in Frage konimt, vor Absendung an die zuständige 
Behörde an das Polizeipräsidium, Abteilung IV, übersaildt werden. 
Zur Gewinnung eines geeigneten Materials voll Kriminalschutzmännern ist nach 
dem Berliner Vorbilde die Einrichtung gctroffeil lvordcn, daß uniformierte Schutz 
männer, die im Revierdieust ausgebildet sind, sich gut geführt uild Neigung für den 
Kriminaldienst haben, ein Jahr probeweise zur Kriminalpolizei kommandiert werden. 
Die Ausbildung der Kriminalschußmänner geschieht durch die Kriminalkommissare, sie 
ist eine praktische und theoretische. Bei eintretenden Vakanzen werden aus den ivährend 
der Probedienstleistung ausgebildeten Schutzmännern die geeigneten ausgewählt. 
Die Kriminalbeamten sind mit Revolveru ausgerüstet. Im Sommer 1900 
haben Schießübuitgen sämtlicher Kriminalbeamten ans dem von der Rixdorfer
	        
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