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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

Strom- und Schiffahrtspolizei. 
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für die Schiffahrt war die in den Jahren 1883 bis 1885 durchgeführte Kanali 
sierung der Spree. Hierbei wurde durch Ebnung der Flußsohle eiue gleiche 
Wassertiefe im ganzeu Flußbette erreicht. Durch Festsetzung einer Normaluferlinie, 
Befestigung der Uferflächen durch Weidenspreutlagen, soweit die Ufer nicht durch 
Uferbauten, Bohlwerke u. s.w. bedeckt waren, wurde eine durchgängige Breite des 
Wasserspiegels von 50 Metern bei einer Sohlenbreite von 25 Bietern hergestellt. 
Zur Ausgleichung des Gefälles und der Strömung, sowie zur Erreichung eines 
thunlichst gleichmäßigen Wasserslandes wurde in denselben Jahren dicht unterhalb 
des Tegeler Weges am Nounendamm ein umfangreiches Stauwerk errichtet. 
Der Lauf der Spree wurde durch eine Wehranlage gesperrt, die zum Teil 
als Schützenwehr, zum Teil als Trommelwehr, welches stromab fahrende leere 
Schiffsfahrzeuge oder Flöße gefahrlos durchläßt, ausgeführt ist. Die Wehr- 
anlage hat große Beachtung in Fachkreisen gefunden, da sie in ihrer Anordnung 
und ihren Abmessungen die erste ihrer Art auf dem europäischen Festlande ist. 
Die Schleusenanlage wurde in einen eigens für sie hergestellten in das rechte 
Spreeufer eingebauten Schleusenkanal verlegt. Sie besteht aus zwei Schleusen, 
von denen die eine ein kleineres (sog. Finow-) Fahrzeug, die andere zwei kleinere 
oder ein großes Elbfahrzeug aufzunehmen vermag. Die ganze Stau- und 
Schleusenanlage untersteht der Regieruilg in Potsdam, da sie in dem von dieser 
beaufsichtigten Spreestrecke unterhalb der Lehrter Eisenbahnbrücke belegen ist. Zu 
ihrer Bedienung sind ein Schleusenmeistcr und fünf Schleusenwärter bestellt. Die 
Schleusen sind im Sommer von früh 3 Uhr bis abends 10 Uhr, im Winter von 
früh 5 bis abends 9 Uhr in Betrieb, doch werden auch während der Nacht Per- 
sonendampfer und Dampfer nüt leicht verderblichen Nahrungsmitteln durchgeschleust, 
z. B. die Fahrzeuge nüt Obst aus Werder und Fahrzeuge mit Fischladung. Eine 
weitere Verbesserung für den Schiffs- und Ladevcrkehr war der im Jahre 1888 
von der Stadtgemeinde Charlottenburg ausgeführte Ausbail des Charlottenburger 
Ufers hinter der Flora zu einer ordnungsmäßigen Ladestraße nach Errichtung 
eines festen Bohlwerks. 
In den Jahren 1890/91 wurde sodann das linke Ufer des Landwehrkanals 
voni Staat mit einer massiven Uferbekleidung eingefaßt und von der Stadt 
gemeinde die zwischen dem Charlottenburger und dem Kanal belegene Ladestraße, 
die ausschließlich dem Schiffsladeverkehr dient, erbaut. Gleichzeitig wurde das 
rechte Ufer des Kanals am Salzufer entlang bis unter Niedrigwasser durch eine 
feste Bohlwand eingefaßt und das Kanalbett demnächst durch Ausbaggern vertieft. 
Eine sehr wesentliche Verbesserung der Spree brachte die in den Jahren 1887 
bis 1890 durchgeführte Kanalisation des größten Teiles der Stadt mit sich. 
Früher wurden vielfach Schmutzwässcr dem öffentlichen Flußlauf zugeführt, 
während solche jetzt nur bei außergewöhnlich starken Niederschlägen durch die Not 
auslässe der Kanalisation in die Spree abfließen dürfen. Auch aus den noch 
nicht an die Kanalisation angeschlossenen, auf dem rechten Spreeufer belegenen 
Teilen der Stadt dürfen Schmutzwässer dem öffentlichen Wasserlauf nicht mehr zu 
geleitet werden. Alle derartigen Entwässerungsanlagen sind nunmehr beseitigt. 
Es sind nur noch solche Einleitimgen zugelassen, welche reines Wasser, z. B. Kon- 
densationsivasser, Blasenwasser, Kühlwasser aus Fabrikanlagen und von den 
Grundstücken und den gepflasterten Straßen aus den, rechten Spreeufer Nieder 
schlagswasser, abführen. Die Entwässerung der Straßen aus dem linken Spree- 
ufer ' und die Abführung auch des Rcgenwassers von den Grundsüicken dieses 
Stadtteiles erfolgt mit wenigen ganz bedeutungslosen Allsnahmen ausschließlich 
nach der städtischen Kanalisation. Insbesondere ist auch gelegeiülich der Ein- 
richtlmg der Kanalisaüon der übel berüchtigte schwarze Graben, der sogar Ab 
wässer aus der Nachbargemeinde Schöneberg mit sich führte, dadurch beseitigt, daß 
er im Jahre 1890 an der Wilmersdorfer Gemarkung in die Kanalisation einge 
leitet und sein Bett ans dem Charlottenburger Gebiet bis zur Scharrenstraße zu-
	        
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