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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

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Charlottenburg. Abteilung IV. 
Hülfsmittel. 
Dein Kriminalkommissariat stehen zur Bekämpfung des Verbrechertums Vigi 
lanten in Ermangelung eines zu diesem Zwecke nötigen Fonds nicht zur Ver 
fügung, und es muß daher in erster Linie bei Ermittelung von Verbrechen auf die 
Umsicht und Findigkeit einzelner Beamten gerechnet werden. Unentbehrlich bei 
Erforschung strafbarer Haitdlungen ist die Unterstützung des Publikums, und um 
dieses zu gewinnen, bedarf es der Vermittelung der Tagespresse. Es werden 
daher den Berichterstattern von Verbrechen und sonstigen wichtigen strafbaren 
Handlungen, deren Veröffentlichung im dienstlichen Interesse für wünschenswert 
erachtet wird, Mitteilung gemacht. 
Seit ca. 10 Jahren werden seitens des Kriminalkommissariats von den hier 
angezogenen und wohnhaften, mehrfach vorbestraften, gewerbsmäßigen Verbrechern 
Registerblätter angefertigt und diese in besonderen Kästen, alphabetisch und nach 
der Verbrecherkategorie geordnet, bei dieser Diensfftelle aufbewahrt. Die Führung 
dieser Registerblätter sind bei Ermittelungen hier begangener Verbrechen von Be- 
deutung, da bei denjenigen Vorkommnissen, bei denen der Thäter unbekannt ist, 
die Durchsicht der Registerblätter häufig Anhaltspunkte zur Ermittelung des 
Thäters bietet. Über schwer bestrafte Personen werden Vorgänge (Auszüge) an 
gefertigt. 
Im Februar 1897 wurde auf Anordnung des Polizei-Präsidiums zu Berlin 
auch für die hiesige Polizeidirektion die Einführung des Bertillon'schen Meßsystems 
beschlossen, welches bereits früher in Berlin eingeführt war und zur Feststellung 
der Persönlichkeiten von Verbrechern eine sichere Handhabe bietet. Mit der Aus 
führung des Meßdienstes werden solche Kriminalbeamte betraut, die beim König 
lichen Polizei-Präsidium Berlin einen Kursus im Erkennungsdienst durchgemacht 
haben. Zur Zeit befinden sich bei der Polizeidirektion 1 Kriminalwachtmeistcr und 
4 Kriminalschutzmänner, welche im Meßdienst ausgebildet sind; dieselben sind dem 
Kriminalkommissariat und direkt dem Kriminalinspektor unterstellt. Es sind bisher 
107 Personen, darunter 97 männliche und 10 weibliche, gemessen. Es handelt 
sich in diesen Fällen um hier aufgegriffene gewerbsmäßige Verbrecher und solche 
Personen, die nach diesseitigem Dafürhalten über ihre Personalien unglaubwürdige 
Angaben machten. Soviel hier bekannt, sind bisher von den hier gemessenen 
Personen zwei Personen identifiziert worden, welche unrichtige Angaben über ihre 
Person gemacht hatten. Bei Vornahme der Messungen wurde von den Betreffen 
den Widerstand nicht geleistet. Personen unter 18 Jahren wurden der Vorschrift 
gemäß nicht gemessen. Verwendet werden zur Niederschrift der Meßresultate Karten 
„A", und zwar erfolgt eine doppelte Ausfertigung derselben. Ein Duplikat bleibt 
hier zurück und wird in einem dazu bestimmten Kasten alphabetisch einrangiert, 
während ein zweites Exemplar dem Königlichen Polizei-Präsidium Berlin zur Ein 
verleibung in die dort befindlichen Register übersandt wird. Der Vorteil des 
erwähnten Meßsystems wird erst daun zur Geltung kommen, wenn sämtliche größere 
Polizeiverwaltungen dieses System eingeführt haben werden. 
Die Überweisung eines eigenen photographischen Ateliers nebst Zubehör an 
die Polizeidirektiou ist inzwischen perfett geworden und hat die Ausbildung zweier 
Beamten im Photographieren von Verbrechern bereits begonnen, sodaß voraus 
sichtlich mit dem 1. April d. Js. mit den Aufnahmen von Photographien ange 
fangen werden wird. 
Von diesem Zeitpunkte ab wird dann auch hier mit der Anlegung eines so 
genannten Verbrecheralbums, wie ein solches bereits seit langen Jahren in Berlin 
besteht, begonnen werden. In vielen Fällen mußte das Verbrecheralbum des 
Königlichen Polizei-Präsidiums in Berlin, und zwar sehr häufig mit Erfolg in 
Anspruch genommen werden. Häufig haben aber Personen, welche zur Einsicht 
des Verbrecheralbums in Berlin aufgefordert wurden, solches wegen der Fahrt 
nach Berlin und der damit verbundenen Versäumnis abgelehnt.
	        
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