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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

Kriminalpolizei. 
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Sei Fahrrad- und Handwagendiebstählen werden seit etwa Zwei Jahren so 
genannte Registerkarten nach dem vorgeschriebenen Formular in doppelter Aus 
fertigung angelegt, und hiervon ein Exemplar der Abteilung IV in Berlin über 
sandt, während das zweite Exemplar hier in einem dazu bestimmten Kasten zur 
Kontrolle und Recherche aufbewahrt wird. Im Falle einer Ermittelung der Räder 
und Wagen wird dem Kriminalkommissariat in Berlin durch den zur Kriminal 
konferenz kommandierten Schutzmann eine Erledigungsnvtiz übermittelt, damit die 
betreffende Karte aus dem Register entfernt wird. Die Einführung solcher Karte 
wurde infolge der zahlreichen Diebstähle an Rädern und Handwagen not 
wendig, da hierdurch eine schnellere Orientierung bei etwaigen Beschlagnahmen 
möglich wird. 
Sollte es in einzelnen Straffällen erforderlich sein, daß behufs Verhütung 
einer Verdunkelung eine schleunige Durchsuchung oder Festnahnie von Personen in 
Berlin, Schöneberg oder Rixdorf ausgeführt werden muß, so haben die hierzu 
beorderten Kriminalbeamten, der vom Herrn Polizei-Präsidenten zu Berlin auf 
Grund des Gesetzes vom 13. Juni 1900 erlassenen Verfügung vom 1. Oktober 1900 
gemäß, entweder vor Vornahme der Amtshandlung, oder, wenn durch eine Ver 
zögerung der Zweck gefährdet erscheint, nachträglich dem zuständigen Revier eine 
Nachricht zu geben. 
Seit 1. November 1900 ist bei dem Kriminalkommissariat der Nachtdienst 
eingeführt, welcher von einem Kckiminalwachtmeister versehen wird. Diesem Wacht 
meister die nötige Anzahl von mindestens zwei Kriminalschutzmännern zu seiner Ver 
fügung und zur ständigen Kontrolle der Nachteafes, Pennen u. s. w. zuzuteilen, 
hat bis jetzt wegen Mangel an Beamten nicht erfolgen können. 
Die Kontrolle der hier in großer Zahl wohnhaften Ausländer ist unter 
persönlicher Leitung des Kriminalinspektors ausgeübt worden. Um diese 
Kontrollen indessen eingehend und gewissenhaft erledigen zu können, reicht 
die vorhandene Zahl von Beamten bei weitem nicht aus, und es muß daher 
auf eine Vermehrung der Beamten für diesen Dienstzweig Bedacht genonimeu 
werden. 
Die Überwachung der Buchmacher auf der hiesigen Trabrennbahn au den 
jährlich stattfindenden Renntagen — bisher waren stets jährlich 20 Renntage mit 
Totalisatorbetrieb höheren Orts widerruflich genehmigt worden — wird unter An 
leitung eines Kriminalkommissars durch einen Kriminalwachtmeister und 4 Kriminal 
schutzmänner ausgeübt. Die Trabrennbahn wurde am 15. September 1889 von 
dem Trabrennverein Berlin-Westend eröffnet. Die im Jahre 1884 von dem 
Verein für Hindernisrennen zwischen den Berliner Wasserwerken und dem Schloß 
Ruhwald auf Westend an der Spandauer Chaussee errichtete Hindernisrennbahn 
wurde im Jahre 1893 hier aufgegeben und nach Karlshorst verlegt. 
Damit das öffentliche Ausstellen, Feilhalten und Anpreisen von solchen Bildern, 
Photographien, Gummiartikeln u. s. w. auf der Straße und an öffentlichen Orten, 
durch welche das Anstandsgefühl verletzt und Ärgernis erregt wird, nach Möglich 
keit eingeschränkt wird, ist seit Bestehen der von der Polizeidirektion erlassenen, 
hierauf Bezug habenden Polizeiverordnung vom 13. März 1900, zur Überwachung 
derartiger Mißstände nach Berliner Muster eine besondere Patrouille unter Leitung 
eines Kriminalkommissars eingeführt. Diese Maßregel hat sich gut bewährt; Be 
schwerden über ein etwa ungerechtfertigtes Einschreiten seitens eines Beamten sind 
bisher nicht eingegangen, ebenso., haben polizeiliche Zwangsverfügungen zu einer 
etwaigen Beseitigung derartiger Übelstände nicht angewendet zu werden brauchen. 
Bestrafungen auf Grund der vorangezogenen Polizeiverordnung sind bis jetzt nicht 
erfolgt. 
Vergleiche im Übrigen die entsprechenden Ausführungen in dem Bericht der Ab 
teilung II.
	        
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