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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

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Charlotteiiburg. Abteilung 111. 
7. Sicherheitspolizei, soweit sie sich mit der Abwendung von 
Nrrglücksfällrn beschäftigt. 
a) Ji» feuerpolizeilichen Interesse ist durch die Oberpräsidial-Polizeiverordnung 
vom 20. Juni 1883 die Lagerung und Aufbewahrung feuergefährlicher Stoffe, 
ivie Petroleum, aus Braunkohlen- oder Steinkohlentheer bereiteter Öle u. ähnl. 
geregelt. Mit Rücksicht auf die dem Gemeinwohl durch leichtfertige Lagerung 
derartiger Flüssigkeiten drohenden erheblichen Gefahren findet unter Mitwirkung 
der hiesigen städtischen Feuerwehr eine fortdauernde strenge Beaufsichtigung der 
vorhandenen Anlagen statt. Einer gleichen Kontrolle unterliegen entsprechend den 
Bestimmungen der diesbezüglich erlassenen Oberpräsidial-Polizeiverordnung vom 
28. Mai 1892 die Lagerräume, in welchen Spirititosen von mehr als 50 % 
Dralles aufbewahrt werden. 
b) Der Verkehr mit Sprengstoffen, Dynamit, Pulver rc. wird nach Maßgabe 
der ministeriellen Verordnung vom 19. Oktober 1893 durch die Ortspolizei überwacht. 
Gewerbliche Anlagen zur Herstellung von Sprengstoffen und solche zur 
Lagerung und zum Handel mit Sprengstoffen sind in Charlottenburg nicht 
vorhanden. 
Der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik Ludwig Löwe & Co. Hierselbst, 
Kaiserin Augustaallee 30, ist durch Verfügung des Polizeipräsidenten zu Berlin 
vom 14. November 1899 die Genehmigung zur Lagerung von 100 kg Pulver 
und 100000 scharfen Patronen erteilt worden. Dieses Lager besteht jedoch nicht 
zu Handclszwecken. Der Vorrat an Pulver und Munition wird lediglich zum 
Anschießen von Gewehren benutzt. 
Pulverhandlungen sind am hiesigen Ort nur in geringer Zahl und unter 
geordneter Bedeutung vorhanden. Zur Zeit befassen sich zwei Gewerbetreibende 
Hierselbst mit dem Handel von Pulver. Die Pulverhandlungen sind alljährlich 
zweimal daraufhin kontrolliert worden, daß die Vorschriften der ministeriellen 
Polizeiverordnung vom 19. Oktober 1893 hinsichtlich des Handels und der Lage 
rung befolgt werden. Zuwiderhandlungen von Bedeutung sind dabei niemals 
festgestellt worden, sodaß Strafverfolgungen nicht erforderlich waren. 
c) Durch das Reichsgesetz vom 19. Mai 1891 ist vorgeschrieben worden, 
daß Handfeuerwaffen jeder Art nur dann feilgehalten und in den Verkehr ge 
bracht werden dürfen, wenn ihre Läufe und Verschlüsse nach stattgehabter Prüfung 
mit einem Prüfungszeichen versehen sind. Die Befolgung dieser gesetzlichen Vor 
schrift wird dadurch sichergestellt, daß die Händler mitHandfeuerwaffen alljährlich ein 
mal durch Beanite der Schntzmannschaft kontrolliert werden. Bei den Revisionen 
wird die von dem Polizeikommissar Sernow herausgegebene Zusammenstellung 
der gesetzlichen Bestimmungen, betreffend die Prüfung der Läufe und Verschlüsse 
der Handfeuerwaffen, nebst Übersicht der inländischen und der zugelassenen 
ausländischen Prüfungszeichen benutzt. 
Die hierorts vorhandenen 13 Handlungen mit Handfeuerwaffen haben nur 
unbedeutenden Umfang, sodaß bei jeder Revision alle vorhandenen Handfeuer- 
ivaffen nachgesehen werden können. Es sind bei den seit Inkrafttreten des Ge 
setzes (1. April 1893) vorgenommenen Revisionen bis jetzt nur zwei Handfeuer 
waffen vorgefunden worden, bei denen der vorschriftsmäßige Stempel fehlte. 
<1) Infolge der häufig in früheren Jahren vorgebrachten, nicht ungerecht 
fertigten Beschwerden über mangelhafte Beleuchtung der Treppen und Flure 
und der hierdurch hervorgerufenen Unglücksfälle sind die zuständigen Hausbesitzer 
durch Bekanutniachung auf diese Mißstände der ungenügenden Beleuchtung hin 
gewiesen worden. Wenn auch in einzelnen Fällen säumige Hausbesitzer durch 
Androhung und Festsetzung erheblicher Geldstrafen zur Erfüllung dieser auch von 
den Verwaltnngsgerichteii anerkannten Pflichten angehalten werden mußten, so 
konnte doch, da im allgemeinen die Hausbesitzer schon aus Furcht vor den straf-
	        
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