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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

Veterinärpolizei. 
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wacht, daß die Küchen der Gastwirtschaften und Schankstätten, sowie die Werkstätten 
der Bäcker, Konditoren, Schlächter und Wurstfabrikanten und sonstiger mit der 
Herstellung von Nahrungs- und Genußmitteln beschäftigten Gewerbetreibenden 
nicht als Schlafräume für das Hülfs- oder Dienstpersonal (Gehülfen, Lehrlinge, 
Kellner, Dienstboten, Arbeiter u, dergl.) benutzt werden. Durch diese unausgesetzten 
Kontrollen wird es ermöglicht, daß sich Mißstände nach dieser Richtung hin nicht 
dauernd halten können. Es wurden im Jahre 1899 und 1900 je ca. 1280 Werk 
stätten revidiert. Wo sich Mißstände gezeigt haben, ist unnachsichtlich eingeschritten 
worden. 
Gesuche um Abweichung von den festgesetzten Pausen gemäß § 139 a der 
Gewerbeordnung sind nur in äußerst wenigen Fällen gestellt worden. 
i) Kinderarbeit. 
Aus den einzelnen Tabellen ist zu ersehen, daß seit dem Jahre 1890 in 
Fabriken und diesen gleich zu stellenden gewerblichen Anlagen erfreulicherweise 
Kinder unter 14 Jahren nicht beschäftigt worden sind. Gleiches gilt leider nicht 
von der Beschäftigung von Schulkindern im sonstigen Gewerbe- und Handwerks 
betriebe. 
Die Verwendung von Kindern, welche das schulpflichtige Alter noch nicht 
erreicht haben oder noch nicht aus der Schule entlassen sind, zu öffentlichen 
Schaustellungen irgend welcher Art, insbesondere zu Theatervorstellungen, sowie 
das selbständige Auftreten derselben in solchen Schaustellungen ist schon durch 
Verordnung des Ober-Präsidenten vom 23. Februar 1878 verboten worden; 
ferner dürfen auch schulpflichtige Kinder zu Tanzlustbarkeiten in öffentlichen Lokalen 
schon seit Jahren nicht zugelassen werden. Untersagt ist weiterhin schon seit dem 
Jahre 1892 die Verwendung von Kindern unter 14 Jahren zwecks Feilbietens 
von Waren irgend welcher Art, sowie zwecks gewerblichen Musikmachens und 
Geldeinsammelus auf öffentlichen Straßen und Plätzen, auf Hausfluren, Treppen 
und Höfen, sowie in öffentlichen Schanklokalen, Restaurationen und Konditoreien. 
Damit war aber allen Auswüchsen auf diesem Gebiete noch nicht genügend 
entgegengetreten. Die im Jahre 1899 angestellten Ermittelungen haben ergeben, 
daß 349 schulpflichtige Knaben und 79 Mädchen gewerblich beschäftigt wurden 
und daß sich unter denselben sogar 31 Kinder befanden, die nach 10 Uhr gewerblich 
thätig waren. 
Die Regelung der gewerblichen Kinderarbeit beschäftigte die hiesigen Behörden 
schon seit mehreren Jahren; es erschien jedoch zweckmäßig, hierin mit Berlin Hand 
in Hand zu gehen. Diesbezügliche Verhandlungen führten zum Erlaß der Polizei- 
verordnung vom 23. Januar 1900, welche die gleichen Vorschriften enthält wie 
die entsprechende Berliner Polizeiverordnung vom 21. Dezember 1899. 
2. Iagdpolixri. 
Die Zahl der ausgefertigten Jagdscheine ist entsprechend der Bevölkerungszahl 
erheblich gestiegen. Es wurden 
im Jahre 1891 .... 217, 
- - 1895 .... 340, 
- - 1900 ... 427 
Jagdscheine erteilt. In verhältnismäßig wenigen Fällen lag Anlaß vor, den 
Jagdschein auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen zu versagen beziehungsweise 
zu entziehen. 
3. Vekermärpolizei. 
Der Stadtkreis Charlottenburg bildete bis zum 1. April 1895 mit dem Kreise 
Teltow einen kreisticrärztlichen Bezirk. Seitdem ist für den Stadtkreis eine eigene
	        
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