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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

Polizei-Gesängnis und Polizei-Gcivahrsanr 
(511 
Von den 10 Schutzleuten sind kommandiert: 
2 zur Unterstützung des Nachtaufsehers, 
2 zur Vorführung der Arrestanten zun. Königlichen Amtsgericht, 
2 zur Vorführung derselben zur Expedition des Gewahrsams, 
2 zur Beaufsichtigung der Inhaftierten in den Räumen des Männer- 
gewahrsams, und 
2 zur Vorführung der Dirnen bei der Sittenpolizei bezm. dem König 
lichen Amtsgericht. 
Der Dienst der Aufseher und Aufseherinnen ist dergestalt geregelt, daß zwei 
während des Vormittags, einer beziv. eine während der Nachmittagsstunden und 
während der Nacht im Dienst sich befindet. An Sonntagen versieht jedoch nur 
ein Aufseher mährend der Zeit von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends den 
Dienst; auch die Oberausseherin wird bei der Ablösung unc an Sonntagen zum 
Aufsichtsdienst herangezogen. 
U. Zweck des Polizei-Gewahrsams. 
Das Polizei-Gewahrsam dient sowohl zur Ausnahme von freiwillig sich 
meldenden Hülssbedürftigen und kranken Personen wie Familien, als auch von 
Obdachlosen, wegen einer Übertretung, insbesondere wegen Bettelns, Ver 
übung groben Unfugs, Nichtbefolgung polizeilicher Anordnungen, Führung falschen 
Namens, Arbeitsscheu und Übertretung sittenpolizeilicher Vorschriften eingelieferten 
Personen; ferner werden bis zur Ausnüchterung wegen Trunkenheit eingelieferte 
Personen aufgenommen. Die Hülfsbedürftigen und kranken Personen werden dem 
städtischen Obdach bezw. einem Krankenhause überiviesen, die wegen einer Über 
tretung Eingelieferten dagegen der Abteilung 151/152 des Königlichen Amts 
gerichts I, welche mit dem Polizeidienstgebäude räumlich verbunden ist, zur Be 
strafung zugeführt. Die wegen Trunkenheit oder wegen Vagabondage eingelieferten 
Personen werden nach Verwarnung gemäß § 361 8 R.St.G.B. entlassen. Die 
Aufnahme in das Polizei-Gewahrsam ist nur eine vorübergehende und dauert 
höchstens einen Tag, da die dem Amtsgericht vorgeführten männlichen Pcrsoitcn 
von demselben dem zugehörigen Straf- und llntersuchnngs-Gefängnis, An der 
Stadtbahn, direkt, ohne das Polizei-Gewahrsam wieder zu passieren, zugeführt 
werden und die weiblichen Gefangenen nach ihrer Aburteilung nur kurze Zeit 
nochmals im Polizei-Gewahrsam verweilen, um bis 3 Uhr nachmittags dem 
Frauen-Gefängnisse in der Barnimstraße zugeführt zu werden. 
In den Jahren 1891 bis 1900 sind eingeliefert wegen: 
Jahr 
Bettelns 
Sittenpolizei- 
Kontraveniion 
Obdach 
losigkeit 
Aus andere» 
Gründen 
Insgesamt 
Personen 
1891 . . 
9 080 
12 378 
9 130 
4 355 
34 943 
1892 . . 
9 793 
12 658 
11018 
4 104 
37 573 
1893 . . 
9 510 
13 407 
8 595 
4196 
35 708 
1894 . . 
9 455 
16 120 
8 469 
4 826 
38 870 
1895 . . 
7 578 
16 134 
8 251 
5 163 
37 126 
1896 . . 
8 482 
18 948 
6 441 
6 267 
40 138 
1897 . . 
8 980 
15 996 
6 707 
5 345 
37 028 
1898 . . 
7 163 
11 771 
5 004 
5 743 
29 681 
1899 . . 
6 097 
11 654 
2 056 
6 919 
26 726 
1900 . . 
6 441 
11 582 
2 619 
10 221 
30 863 
77 *
	        
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