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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

(i02 Lelbständige Geschäftsstellen. 
zu diesem Zwecke eine Vermehrung der Auffeher uotivendig gewesen ist. Haus 
vater und Oberaufseher müssen indes beide während der Mittagszeit zur Ab 
lösung der Aufseher im Stationsdienst herangezogen werden. 
Der Dienst der beiden Aufseherinnen beträgt dagegen jetzt noch pro Tag im 
Durchschnitt zwölf Stunden; sie lösen sich von acht zu acht Stunden ab und 
haben dabei jede zweite Nacht Nachtdienst zu versehen. Um die Dienststimden des 
weiblichen Personals ebenfalls auf zehn Stunden pro Tag verringern zu können, 
ist die Einstellung einer dritten Aufseherin erforderlich und die Genehmigung zur 
Annahme einer solchen beim Minister bereits beantragt worden. 
II. Bestimmung des Gefängnisses. 
Hinsichtlich der Zweckbestimmung des Polizei-Gefängnisses wird auf die dies 
bezüglichen Angaben des Verwaltungsberichts für die Jahre 1880/1890 tSeite 
245 und 246) Bezug genommen. Diesen Angaben ist noch hinzuzufügen, daß 
außerdem von der Abteilung IV in das Polizei-Gefängnis eingeliefert werden: 
1. Geisteskranke aus dem Untersuchungsgefängnis Moabit, gegen welche das 
gerichtliche Verfahren eingestellt ist, zwecks Untersuchung derselben auf 
Gemeingefährlichkeit, 
2. verwahrloste jugendliche Personen zur dcmnächstigen Unterbringung in 
Zwangserziehungsanstalten und 
3. Kranke und hülflose Personen, behufs ihrer Überführung ins Obdach, 
Krankenhaus oder in die Charite. 
Nachdem für die Städte Schöneberg und Rixdorf im Jahre 1899 eigene 
Königliche Polizei-Direktionen errichtet sind, geeignete Räume zur Unterbringung 
von Gefangenen in Schöneberg aber überhaupt nicht, in Rixdorf nur unzureichend 
vorhanden sind, werden nach stattgehabter Vereinbarung mit dem Magistrat der 
Stadt Berlin, als Eigentümerin des Hauses, auch die Gefangenen aus diesen 
beiden Bezirken bis auf weiteres hier aufgenommen und zwar: 
auf Verfügung der Polizei-Direktion Schönebcrg Strafgefangene und 
vorläufig Festgenommene, 
aus Verfügung der Polizei-Direktion Rixdorf nur Strafgefangene. 
Die Stadt Berlin erhält hierfür eine Entschädigung von 10 Pfennig pro 
Tag und Kopf. 
III. Gesangeuen-Personal und Bewegung desselben. 
Die größere Zahl der Strafgefangenen besteht aus Händlern und Händle 
rinnen, welche gegen die Vorschriften der Straßen-Polizeiordnung verstoßen; ihre 
Zahl ist jedoch infolge milderer Handhabung der in Betracht kommenden Polizei- 
Vorschriften seit einigen Jahren zurückgegangen. 
Die vorläufig Festgenommenen entstammen, abgesehen von den sogenannten 
Gewohnheitsverbrechern, fast allen Bevölkerungsklasscn. 
Die Haftdauer beträgt in der Regel nur einen oder wenige Tage, Aus 
gewiesene bleiben bis zu vier Wochen, Ausländer zeitweise mehrere Monate hier 
in Haft, bis die Verhandlungen bezüglich ihrer Auslieferung zu Ende geführt sind. 
Eine Fürsorge für Gefangene nach ihrer Entlassung kann sich nur auf die 
zur Verrichtung von Hausarbeiten überwiesenen Korrigenden und Korrigendinnen 
erstrecken. Die zu diesen! Zwecke gemachten Versuche sind jedoch fast regelmäßig 
gescheitert; die wegen Arbeitsscheu zur Haft gelangten Personen suchen nach der 
Entlassung lieber vorübergehende Beschäftigung oder lungern arbeitslos in Berlin 
herum, als daß sie außerhalb der Stadt, namentlich auf dem Lande, durch
	        
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