Path:

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

576 
Abteilung für Feuerwehr. 
Zur Hebung der Feucrsicherheit der Kirchen wurde die feuersichere Trennung 
der Dachböden von dem Turm, der feuersichere Abschluß der über dem Kirchen 
boden liegenden Schalllöcher, die Anlage von Steigerohren an der Außenseite der 
Türme zum Anschluß air die Dampsspritzen, die Aufftellung von Wasserreservoirs 
und kleinem Löschgerät in dem oberen Teil des Turmes angeregt. Viele Kirchen- 
verwaltungen sind dieser Anregung gefolgt. Den Einwendungen, daß Reservoirs 
einfrieren könnten, wurde durch die Beobachtungen über die Frostschutzwirkung des 
Calcidum begegnet; ein Zusatz von einem Teil Calcidum zu fünf Teilen Wasser 
genügt nämlich, um letzteres frostfrci zu halten. An Stelle des teueren Calcidums 
kann auch eine Lösung von Chlorcalcidum angewandt werden. 
Die Abteilung für Feuerwehr ist ferner seit dem Jahre 1898 beauftragt, die 
Interessen des Polizei-Präsidiums gegenüber den Straßenbahngesellschaften insoweit 
selbständig wahrzunehmen, als es sich um die Wahrung der Feuersicherheit und 
die Sicherheit des Polizeitelegraphen handelt. 
Schon vor der Inbetriebsetzung der ersten elektrischen Bahnlinien mit ober 
irdischer Starkstromleitung war es die Sorge der Abteilung, den mit dem ober 
irdischen Betrieb verbundenen Gefahren in wirksamster Weise vorzubeugen, ins 
besondere die Kreuzungsstellen mit Telephondrähten sichern zu lassen. Hierzu wird 
vor Ausbau der Strecke das Baugesuch mit den Plänen der Abteilung eingereicht, 
welche dann die in Bezug auf die Sicherung der Kreuzungsstellen, sowie Lage 
der Sektionsschalter und Speisepunkte zu stellenden Atlforderungen auferlegt. Hier 
nach werden alphabetische Verzeichnisse der elektrischen Bahnlinien angelegt und 
aus dem Laufenden gehalten; dieselben weisen sämtliche Speisepunkte und Sektions- 
ausschalter nach und werden auf den Feucrwehr-Fahrzeitgen, um sich bei Gefahren 
rasch orieirtieren zu können, mitgeführt. 
In die vorliegende Berichtsperiode fallen, abgesehen von der Starkstrom- 
techitik, noch mehrere, fast plötzliche Entwickelungen ganz besonders gefährlicher 
Jtlduslriezweige. Hauptsächlich seien hier genannt: Fabrikation der Gasglüh- 
strünlpfe, der Celluloidwaren, der Destillationsprodukte des Petroleums und des 
Theers, der Acetylenapparate u. s. w. und die größere Lagerung der zu diesen 
Fabrikationen erforderlichen Rohstoffe. Meist kündigten sich die Entwickelungen 
dieser Industrie durch kleine Schadenfeuer und Explosionen an und zwar in kleinen 
Betrieben, so daß es der Abteilung für Feuerwehr möglich war, rechtzeitig Vor 
sichtsmaßregeln in Vorschlag zu bringen, welche mehrfach zu Polizeiverordnungen 
oder Anordnungen führten, bei deren Bearbeitung die Abteilung regen Anteil hatte. 
Auch bei der Neubearbeiümg der Baupolizei-Ordnung vom 15. August 1897 
war der Abteilung Gelegenheit zur Mitwirkung gegeben. Ebenso wird sie bei 
allen Bauprojekten, welche der Bauordnung nicht genau entsprechen, meist zu gut 
achtlicher Thätigkeit aufgefordert. 
F. Besondere Ereignisse. 
Ihre Majestät die Kaiserin Auguste Viktoria hat Allerhöchst geruht, Sich die 
jenigen Offiziere und Mannschaften der Feuerwehr vorstellen zu lassen, welche sich 
durch lange pflichttreue Dienstzeit oder bei Rettungsarbeiten ausgezeichnet oder bei 
Ausübung des Dienstes Verletzungen erlitten haben. Die Vorgestellten erhielten 
hierbei aus den Händen Ihrer Majestät wertvolle Erinnerungszeichen. 
Für diejenigen Mannschaften, welche bei vorzüglicher Führung eine 25jährige 
Dienstzeit bei der Feuerwehr zurückgelegt hatten, wurden alljährlich einmal Aus 
zeichnungen erbeten, und zwar das Allgemeine Ehrenzeichen und Gratifikationen 
bei den städtischen Behörden. Den bei der Rettung von Personen unter Ein 
setzung des eigenen Lebens sich verdient gemachten Feuerwehr-Mitgliedern wurde 
das Verdienst-Ehrenzeichen für Rettung aus Gefahr (Rettungsmedaille am Baude) 
verliehen.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.