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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

Kriminalpolizei. 
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Eine Reihe von Erpressungsanzeigen haben die Bestätigung erbracht, daß die 
Ausbreitung der Päderastie in Berlin jedenfalls nicht im Rückgang begriffen ist. 
Auch aus den Provinzen scheint ein Zuzug homosexuell veranlagter Personen statt 
zufinden, die darauf rechnen, in, Getriebe der Großstadt unbeobachtet ihren wider- 
itatürlichen Neigungen sröhnen zu können. Die Öffentlichkeit wird vornehmlich 
durch das Treiben der in Berlin unleugbar vorhandenen männlichen Prostitution 
auf bestimmten Straßen und Plätzen belästigt. Leider fehlt der Polizei jede wirk 
same Handhabe, solche Personen, die die widernatürliche Unzucht ohne krankhafte 
Veranlagung als Gewerbe ausüben, zu überwachen und aus dem Straßenleben 
zu verdrängen, obwohl die männliche Prostitution kaum mindere Gefahren für die 
Sittlichkeit und Gesundheit der Bevölkerung in sich birgt, als die unter strenger 
Kontrolle gehaltene weibliche Prostitution. 
Die Handhabung der Polizeiaufsicht ist durch die Instruktion zur Ausführung 
der §§ 38 und 39 des Strafgesetzbuchs vom 30. Juni 1900 neu geregelt worden. 
Es werden nur solche Observaten polizeilich überwacht, welche es nicht vorziehen, 
sich der Fürsorge kirchlicher Organe oder eines Fürsorgevereins zu unterstellen. 
In solchen Fällen wird von der polizeilichen Kontrolle Abstand genommen, mit 
deren Ausübung zuweilen sehr störende und lästige Nebenwirkungen für den Ob- 
seroaten verbunden sind. Ob die den privaten Einrichtungen damit im weitesten 
Umfange gewährte Einwirkung auf die entlassenen Sträflinge im Stande sein 
wird, die polizeiliche Überwachung zu ersetzen, müssen die Erfahrungen der Praxis 
lehren. 
Es standen unter Polizeiaufsicht im Jahre 
1891 . 
1022 Verbrecher, 
1896 . 
. 1210 Verbrecher, 
1892 . 
. 1026 
- 
1897 . 
. 1253 
1893 . 
. 1137 
- 
1898 . 
. 1229 
1894 . 
. 1115 
1899 . 
. 1176 
1895 . 
. 1227 
- 
1900 . 
. 1122 
Wie Seite485 und 489 bereits angegeben, wurden in, Berichtszeitraum im ganzen 
55 944 Personen zur Jsolierhaft gebracht und den Justizbehörden vorgeführt. Wegen 
welcher Verbrechen oder Vergehen diese Personen verhaftet worden sind, ergiebt 
sich ans den nachfolgenden Zusammenstellungen:
	        
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