Path:

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

482 
Abteilung IV. 
licher Personal- und Lokalkenntnisse zu bieten, ist angeordnet worden, daß der 
Bezirkstommissar, die ihm unterstellten Schutzmänner sowie die Kriminalbeamten 
der Reviere in ihren Bezirken Wohnung zu nehmen haben. Die vollständige 
Durchführung dieser Maßregel steht zur Zeit noch aus, da den Beamten Frist 
bis zum Ablaufe oder zur Lösung der teilweise noch laufenden Mietsverhältnisse 
gewährt werden mußte. 
Die Einrichtung der zur Bekämpfung des gewerbs- und gewohnheitsmäßigen 
Verbrechertums bestimmten Inspektion B hat sich in hohem Maße bewährt. Ent 
sprechend dem unter den Berliner gewerbsmäßigen Verbrechern weit entwickellen 
Spezialistentume findet auch unter den Beamten dieser Jnspeküon eine strenge 
Arbeitsteilung statt. Die Inspektion zerfällt zur Zeit in zwei Unterabteilungen, 
deren jede von einem Kriminalinspektor geleitet wird. In der einen bearbeiten 
10 Kommissare — gegen 6 im Jahre 1890 — die verschiedenen Spezialitäten 
des Diebstahles. 
In der zweiten Unterabteilung bearbeiten drei Kommissare die gewerbs 
mäßigen Sittlichkcitsdelikte, zwei gewerbsmäßigen Betrug und einer gewerbs 
mäßiges Glücksspiel, Bauernfängerei und verwandte Strafthaten, so daß die In 
spektion B im ganzen 16 Dezernate — gegen 12 im Jahre 1890 — umfaßt. 
Diese Gliederung hat besonders nach zwei Richtungen gute Erfolge gezeigt. Das 
überreiche Material, welches jedem der hier beschäftigten Kommissare und seinen 
Mitarbeitern täglich zufließt, verschafft diesen Beamten mit der Zeit so genaue 
Kenntnis aller Schliche und Ränke der ihnen gegenüberstehenden Species des 
Gaunertums, daß sie häufig im Stande sind, allein aus dem thatsächlichen Be 
funde, insbesondere aus der Ausführung der That und aus den Wertobjekten, 
auf deren Erbeutung es abgesehen war, mit Sicherheit auf die Person des Thäters 
und seiner Helfershelfer zu schließen. Andererseits ermöglichte das Zusammen 
strömen aller Anzeigen über gleichartige Strafthaten an einer Stelle nicht selten 
die Entdeckung und Festnahme ganzer Banden, denen die gleichmäßige Verübung 
einer Reihe bestimmter Verbrechen zur Last fällt. 
Die Leistungsfähigkeit der der Jnspeküon B ebenfalls unterstellten vier Pa 
trouillen hat sich bedeutend gehoben, nachdem die frühere Dienstanweisung beseitigt 
worden ist, der zufolge jede Patrouille bestimmte, ein für alle Mal vorgeschriebene 
Wege einzuhalten hatte. Die Bewegungsfreiheit der Patrouillen — deren jede 
aus einem Wachtmeister als Führer und 6 bis 7 Kriminalschutzmännern besteht — 
ist jetzt nur insofern beschränkt, als der ersten Patrouille das Centrum, der zweiten 
das West- und Südviertel, der dritten das Ost- und Nordviertel der Stadt als 
Streifgebiet zugewiesen ist, während der vierten die Beobachtung der Bahnhöfe 
obliegt. Im übrigen bleibt dem Patrouillenführer die Verwendung und Ver 
teilung seiner Leute nach eigenem Ermessen überlassen. Besondere Aufmerksamkeit 
wird allen Gelegenheiten zugewendet, bei denen größere Menschenansammlungen 
zu erwarten stehen, wie öffentlichen Festlichkeiten, Aufzügen, dem Weihnachts 
verkehre in den großen Waarenhäusern. Die Kriminalkommissare sollen zur Aus 
hebung von Verbrecherlokalen sowie zu größeren Durchsuchungen die Unterstützung 
der Patrouillen in Anspruch nehmen. 
Eine fünfte Patrouille ist im Jahre 1899 zur Unterdrückung der Ausstellung 
und des Ausbietcns unzüchtiger und schamverletzender Abbildungen und Dar 
stellungen gebildet worden. Die immer häufiger werdende öffentliche Auslage 
anstoßerregender Bilder und Gegenstände droht zu einer ernstlichen Gefahr für die 
allgemeine Sittlichkeit zu werden, der gegenüber die vordem von der Sittenpolizei 
gehandhabte Überwachung sich als unzureichend erwies. Die moderne Sammel 
leidenschaft von Ansichtspostkarten sowie die neuerdings in Aufnahme gekommene 
Aufstellung automatischer Mutoskope und Kaloskope auf Straßen, Plätzen und in 
Lokalen bieten Gelegenheit zur Verbreitung von Abbildungen der erwähnten Art, 
die jedes Kunstwertes ermangeln und in Schaufenstern und Apparaten auch der
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.