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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

Kriminalpolizei. 
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— sofern dem Dirigenten der Kriminalpolizei die Überwachung seiner Beamten 
und der gleichmäßigen Verteilung der Sachen nicht unniöglich gemacht werden 
soll — durch Vermittelung der Ccutralstelle au die detachierten Bezirke und auf 
dem gleichen Umwege an die ersuchende Behörde zurückgelangen. Vollständig 
ausgeschlossen wäre für den Bezirkskommissar, zumal in Hast- und Eilsachen, die 
Möglichkeit in schwierigen Rechtsstagen die Belehrung der Vorgesetzten einzuholen. 
Der persönliche Zusammenhang mit der Kriminalcentrale würde überhaupt lockerer 
werden und sich auf die Teilnahme der Bezirkskomniissare an den wöchentlichen 
Konferenzen beschränken. Der Austausch der Kenntnisse und Erfahrungen der 
Kriminalkommissare unter einander würde zum Nachteile der kriminalistischen 
Bildung der Einzelnen schwinden. 
Unzweifelhaft würde die Deceutralisatiou dagegen die Selbstständigkeit der 
Bezirkskommissare erhöhen, worin ein Vorteil jedoch nicht erblickt werden könnte. 
Die Thätigkeit der Kriminalkommissare ist Lei der jetzigen Einrichtung allein darin 
beschränkt, daß sie nur ihnen zugewiesene, in die Journale eingetragene Sachen 
zu bearbeiten und vor der Anleitung wichtigerer Maßnahmen 'die Entscheidung 
der Vorgesetzten einzuholen haben. Liegt Gefahr im Verzüge, so sind sie, auch 
ohne daß ihnen die Sache übertragen ist, zum Einschreiten nach eigenem Ermessen 
berechtigt und nur verpflichtet, dem Abteiluugsdirigenteu von den getroffenen 
Maßregeln und deren Veranlassung durch eine Vorlage Kennmiß zu geben. Jede 
Erhöhung dieser weitgehenden Selbständigkeit der Kriminalkommissare würde 
lediglich die Gefahr des Mißbrauchs ihrer einflußreichen Stellung näher rücken. 
Eine wirkliche Verbesserung des früheren Zustandes hätte die Verlegung der 
Bezirkskommissariate in die Stadtteile nur insofern bedeutet, als dadurch der 
erste, zur Zeit von den Polizeirevieren ausgehende Angriff in die Hände eines 
kriminalistisch vorgebildeten Beamten gelegt wird, und der Kommissar in häufigere 
und nähere Berührung mit den Einwohnern seines Bezirks gelangt. Beide Vor 
teile sind auf einfacherem Wege und ohne die geschilderten mit der Decentrali- 
sation untrennbar verknüpften Schäden erreicht worden. 
Um eine sachgemäße Bearbeitung der Kriminalsachen in den Revieren zu 
sichern, ist neuerdings jedem Polizeireviere ein kriminalistisch durchgebildeter Krinn- 
nalwachtnreister zugeteilt worden, dem die Aufnahme von Strafanzeigen, die 
Feststellung des Thatbestandes — soweit der erste Angriff in Frage kommt — 
sowie die Erledigung der an das Revier gerichteten Ersuchen in Strafsachen 
obliegt. Dieser Beamte ist Vorgesetzter des schon früher eingestellten ersten Krimi 
nalschutzmanns des Reviers, dem hauptsächlich die Aufsicht über die Observaten 
und die Kontrolle der Pfandleiher und ähnlicher Geschäfte zugeteilt ist. (Vergleiche 
Seite 322 des Verwaltungsberichts 1881/1890.» Beide Beamte unterliegen der 
Dienstaufsicht des Dirigenten der Kriminalpolizei und werden im Etat der vierten 
Abteilung geführt. Sie sind nicht an feste Bureaustunden gebunden und dürfen 
zum allgemeinen Revierdienst nicht herangezogen werden. Jedoch unterliegen ihre 
schriftlichen Arbeiten der Aufsicht des Reviervorstandcs, dessen Einverständnis der 
Kriminalwachtmeister auch vor einer etwaigen Verfügung über die uniformierten 
Revierbeamten einzuholen hat. Der Kriminalwachtmeister oder in seiner Vertretung 
der erste Revier-Kriminalschutzmann hat an den Kriminalkonferenzeu im Polizei 
dienstgebäude teilzunehmen und empfängt dort die mündlichen Aufträge der Kom 
missare. Im Gegensatze zu diesen beiden Beamten ist der zweite Kriminal- 
schutzmann des Reviers ein Mitglied der uniformierten Schutzmaunschaft, der die 
Bettler und die Schanklokale im Revierbezirke zu überwachen hat. Er ist, um 
unauffälliger auftreten zu können, zum Tragen von Civilkleidern berechtigt, unter 
steht jedoch nicht der Dicnstaufsicht der vierten Abteilung, sondern dem Komniando 
der Schutzmannschaft. . t m o , 
Um die Bezirksbeamten in engere Fühlung mit den Bewohnern des be 
treffenden Stadtteiles zu bringen und ihnen Gelegenheit zur Aneignung gründ- 
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