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Volume Abschnitt III. Die einzelnen Abteilungen Abteilung III III. Weiterbildung des Baupolizeirechts; Verwaltungsmaßnahmen von allgemeiner Bedeutung

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

Weiterbildung des Baupolizeirechts: Derwaltungsmaßnahmen je. 463 
steinfegermeister im Laufe ^ der Berichtsperiode dreimal unterzogen wurden, sind 
1897 aus Anlaß der Katastrophe beim Pariser Bazarbrande eingehende Revisionen 
der großen Warenhäuser und Geschäftslokale, sowie der Theater- und Versamm 
lungsräume — letztere durch Abteilung II —, ferner der Kirchen, Kapellen 
und Synagogen durch die Bauinspektionen in Gemeinschaft mit Beamten der 
Feuerwehr vorgenommen worden. Die Abstellung der dabei vorgefundenen Mängel 
bau- und sicherheitspolizeilichcr Art ist alsdann im Wege besonderer polizeilicher 
Verfügungen angeordnet und zur Durchführung gebracht. 
Die Erfahrungen, welche in den letzten Jahren in Berlin gelegentlich größerer 
Fabrik- beziehungsweise Geschäftshaus-Brände gemacht wurden, lehrten, daß es 
unbedingt notwendig war, im Interesse einer Erhöhung der Feuersicherheit der 
oben bezeichneten stark frequentierten Gebäude und un Interesse einer Erleichterung 
der Revisionen dieser Gebäude ein für allemal bestimmt fixierte Grundsätze aufzu 
stellen, welche für den Ausbau beziehungsivcise die innere Einrichtung derselben 
maßgebend sein sollten. Zu Anfang 1900 wurde mit der Ausarbeitung dieser 
Grundsätze unter Zuziehung der Gewerbeinspektoreu, einzelner Bauinspektoren 
und der Abteilung für Feuerwehr begonnen; demnächst wurden die Vorschriften 
auch noch unter Zuziehung von Vertretern der Interessentenkreise, Architekten, Besitzer 
großer Warenhäuser und Geschäftshäuser, Besitzer großer Fabrik- und gewerb 
licher Etablissements u. s. w. eingehend durchberaten und im Anschluß daran 
ihre endgültige Fassung festgestellt. Hierbei ist im allgemeinen von der Ansicht 
ausgegangen, daß derartige Gebäude in allen Teilen thunlichst aus unverbrenn 
lichem Baustoff hergestellt sein müssen, daß alle Räume derselben einen lichten und 
sicheren Zugang zu ausreichenden Treppen und Ausgängen haben und große 
Räume durch feuersichere Abschlüsse, soweit es der Betrieb irgend gestattet, zu 
teilen sind. Demgemäß wird, im besonderen bei Warenhäusern, gefordert, daß 
die Keller- und Dachgeschosse nicht in Verbindung mit den Verkaufsräumen stehen, 
daß alle Konstruktionsteile, soweit sic nicht eine genügende Widerstandsfähigkeit 
gegen Feuer besitzen, besonders eiserne Säulen und Träger, glutsicher bekleidet, 
die Treppen unverbreunlich hergestellt und durch feuersichere selbstthätig zufallende 
Thüren gegen Verqualmung geschützt und die zu Wohn- und Arbeitsräumen füh 
renden Treppen von den Geschäftsräumen vollständig getrennt werden. Zur Be 
leuchtung darf nur Gas oder elektrisches Licht verwendet werden, die Anlage der 
Leitungen und Zündevorrichtungen niuß nach den neuesten Erfindungen der Technik 
bewirkt sein, für Schaufenster wird Beleuchtung von außen gefordert, sofern nicht 
durch eingelegte Glasscheiben unter den Lampen oder durch Doppclglocken eine 
Gewähr gegen die Entzündung der ausgestellten Waren geboten wird. Die 
Heizung der Geschäftsräume durch Öfen ist möglichst zu vermeiden, in großen 
Warenhäusern darf dieselbe nur durch eine mit den Geschäfts- und Lagerräumen 
außer jeder Verbindung stehende Centralheizung erfolgen. Treppen und Gänge 
müssen für den Verkehr stets frei gehalten und dürfen nicht zur Ausstellung von 
Waren benutzt werden. Das Rauchen ist verboten, geeignete Feuerlösch-Einrich- 
tungen sind zu treffen, und es ist für eine möglichst schnelle Benachrichtigung der 
nächsten Feuerwache durch Herstellung einer telephonischen Verbindung Sorge zu 
tragen. 
Auf die Gebäude mit feuergefährlichen gewerblichen Betrieben finden im 
ganzen die vorstehenden Vorschriften sinngemäße Anwendung; auch bei diesen 
kommt es darauf an, daß dem Feuer möglichst wenig Nahrung geboten wird, die 
Geschosse gegeneinander und in ihren einzelnen Teilen, _ soweit irgend möglich, 
getrennt und Heizung und Beleuchtung mit größter Sorgfalt angelegt, auch Aus 
gänge in hinreichender Zahl und Größe vorgesehen werden, um die Entstehung 
eines Brandes zu verhüten oder denselben wenigstens einzuschränken und 
die Rettung der im Gebäude weilenden Personen nach Möglichkeit zu 
gewährleisten.
	        
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