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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

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Abteilung I. 
Der Verkauf des beschlagnahmten Wildes erfolgt öffentlich meistbietend oder, 
falls eine genügende Zahl von Käufern nicht erscheint, auch freihändig an zu 
verlässige Privatpersonen in einem im Bureau des Gewerbekommifiariats befind 
lichen Auktionslokal nach vorheriger Bekanntgabe der bevorstehenden Versteigerung 
durch Cirkulardepesche an die Polizeireviere, durch welche Kauflusüge in geeigneter 
Weise benachrichtigt werden, oder nach direkter telephonischer Benachrichtigung von 
bekannten kauflustigen Restaurateuren durch das Geiverbekommissariat. Personen, 
welche als Wildhändler bekannt sind oder von denen sonst anzunehmen ist, daß 
sie das Wild zum Zwecke der Wiederveräußerung erwerben wollen, sind von der 
Teilnahme an den Auktionen ausgeschlossen. 
In den Markthallen allein wurden in den letzten zehn Jahren beschlagnahmt; 
etwas über 1080 kg Fleisch von Hochwild, 16 ganze Stücke Hochwild, 129 Hasen, 
204 Rebhühner, 50 Fasanen, 14 Birkhühner und 36 Schnepfen. 
Auf Grund des Fischereigesetzes wurden außerdeni wegen Mindermaßes 
während der letzten zehn Jahre 4284 Stück und 4975 kg Fische verschiedener 
Gattung und 276 kg und 1282^ Schock Krebse beschlagnahmt. Die lebenden 
Fische und Krebse wurden dem deutschen Fischereiverein zum Zwecke des Aus 
setzens in geeignete Gewässer, die toten der Abdeckerei überwiesen. 
VI. Skratzenhandrl. 
Von Jahr zu Jahr nimmt der Handel auf den Straßen und Plätzen Berlins 
zu. Nach dem im § 1 der Gewerbeordnung zum Ausdruck gelangten Grundsätze 
der Gewerbefreiheit ist diese Art der Ausübung des Gewerbebetriebes unter freiem 
Himmel ebenso zulässig wie das Ladengeschäft. Nur diejenigen Straßenhändler, 
welche außerhalb Berlins ihren Wohnsitz oder ihre gewerbliche Niederlassung haben, 
unterliegen einem gewissen Zwange, indem sie zur Ausübung des Straßenhandels 
in Berlin des Wandcrgewerbescheines bedürfen. Die in Berlin ansässigen Straßen 
händler sind dagegen keiner gesetzlichen Schranke unterworfen. 
Bei der großen Ausdehnung, die der Straßcnhandel angenommen hat, führt 
er, zumal wo er unter Zuhülfenahme von Fuhrwerk betriebeu wird, vielfach zu 
Verkehrsstörungen und Belästigungen des Straßenpublikums. Das Einschreiten 
der Exekutivorgane auf Grund der Bestimmungen der Straßeu-Polizeiordnuug im 
einzelnen Falle bietet keinen nachhaltigen Erfolg. Es erschien daher zur Be 
seitigung der hervorstechendsten Mißstände aus ordnuugspolizeilichen Gründen ein 
Vorgehen ini Wege der Polizeiverordnung erforderlich. Zunächst wurde durch die 
Polizeiverordnung vom 18. März 1898 und deren Ergänzung vom 6. Juli 1899 
der Straßeuhandel mit Gegenstäuden des Wochenmarktverkehrs in der nächsten 
Umgebung der zwölf hiesigen Markthallen sowie des dem Schöneberger Wochen 
marktverkehr dienenden Winterfeldtplatzes untersagt. Bald zeigte sich indessen, daß 
diese lediglich den Schutz des Marktpublikums bezweckende Anordnung den all 
gemeinen Interessen der Ordnung und des Verkehrs nicht genügte; die Klagen 
aus allen Gegenden der Stadt über Zunahme der Belästigungen durch die Straßen 
händler mehrten sich derart, daß der Erlaß schärferer Vorschriften dringend ge 
boten erschien. Nach eingehenden Vorverhandlungen und Ermittelungen ist nun 
mehr der Entwurf einer neuen Polizeiverordnung aufgestellt, der zur Zeit dem 
Magistrat zwecks Erteilung der Zustimmung vorliegt. In diesem Entwurf wird 
das Verbot des Straßenhandels sachlich auf den Handel mit Gegenständen aller 
Art und räumlich auf alle Straßenzüge und Plätze erstreckt, bezüglich deren das 
allgemeine Vcrkehrsinteresse die Beseitigung oder Einschränkung des Straßeuhandels 
geboten erscheinen läßt. Unterschieden wird zwischen Straßen und Plätzen, auf 
denen der Straßenhandel gänzlich untersagt sein soll, und Straßen und Plätzen, 
auf denen er nur insoweit untersagt sein soll, als er unter Benutzung von 
Fuhrwerk betrieben wird. Um zu verhindern, daß demnächst Tragebehältnisse von
	        
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