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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

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Abteilung I. 
C. Schutz des Publikums. 
1. Genehmigungspflichtige Anlagen. 
Die Begutachtung der Projekte für Anlagen, welche nach den §§ 16, 24 
oder 27 der Reichs-Gewerbeordnung einer Genehmigung bedürfen, sowie die Aus 
arbeitung der Bedingungen für diese Genehmigung erfolgte gleichfalls durch die 
Gewerbe-Aufsichtsbeamtcn. Es wurden ini Laufe der letzten zehn Jahre in Berlin 
und Charlottenburg 337 Genehmigungen gemäß § 16 der Reichs-Gewerbeordnung 
erteilt, welche allerdings vielfach die Erweiterung oder Veränderung bestehender 
Anlagen betrafen. Bei den chemischen Fabriken, denen für Feuerwerkerei und bei 
den Verzinnungs- und Verzinkungs-Anstalten, welche vom Bezirksausschuß zu ge 
nehmigen sind, hatte das ganze Vorverfahren hier stattzufinden. 
Ministerieller Anweisung gemäß wild beim Genehmigungsverfahren neben dem 
Schutz der Nachbarn auch der Arbeiterschutz ausgiebig berücksichtigt. 
Im einzelnen ist über diesen Geschäftszweig, soweit es sich um den hier 
zunächst zu berücksichtigenden Schutz des Publikums handelt, folgendes zu 
berichten: 
Die Berliner Gasanstalten haben verhältnismäßig wenig Belästigungen 
hervorgerufen, wenigstens sind nur selten Beschwerden eingelaufen. Es geht daraus 
hervor, daß der Betrieb sorgfältig geführt worden ist und daß die Ausdehnung 
der Grundstücke genügt hat, um die Dünste und Gase, welche namentlich beim 
Ablöschen des glühenden Koks und beim Entleeren der Reiniger unvermeidlich 
entstehen, hinreichend zu verdünnen. Dagegen sind durch eine Ölgasanstalt Be 
lästigungen entstanden, weil Öl in den Boden eingedrungen war und sich in be 
nachbarten Brunnen bemerkbar machte. 
In den Eisengießereien wurde Vorsorge gegen die Belästigung durch 
Auswurf von Funken und Asche aus den Schmelzöfen und durch das Geräusch 
der Ventilatoren getroffen. Bisher legte man zu diesem Zwecke hauptsächlich die 
Öfen möglichst entfernt von Wohngebäuden an und versah sie mit hohen 
Schornsteinen. Jetzt ist es aber auch gelungen, die Feuergase vollständig zu 
löschen, sodaß nur Wasserdanipf austritt. Es ist damit ein großer Fortschritt 
erreicht. 
Bei den Hammerwerken handelt es sich um Vermeidung von Lärm und 
Erschütterungen, welche sich durch die Luft, den Boden und Gebäudeteile fort 
pflanzen; sie wird durch entsprechende Einrichtung und Fundamentierung des 
Hammers und seinen möglichsten Abschluß von der Nachbarschaft erreicht. Klagen 
über Belästigungen sind nur selten eingegangen. Ein großer Teil der Hämmer 
sind Fallhämmer mit geringerem Bärgewicht, die aber oft mitten zwischen Wohn 
gebäuden liegen. Größere Dampfhämmer sind in einigen Maschinenfabriken auf 
gestellt. 
Von chemischen Fabriken waren innerhalb der Stadt keine Neuanlagen zu 
genehmigen, welche zu schweren Belästigungen hätten Veranlassung geben können, 
solche werden jetzt in die weniger bebaute Umgebung von Berlin verlegt. Immer 
wiederholte Beschwerden gingen gegen eine vor zehn Jahren genehmigte Stearin 
fabrik ein. Während aber früher hauptsächlich über üblen Geruch getlagt wurde, 
besteht jetzt infolge von Verbesserungen nur noch eine Belästigung durch die 
FeuerungSanlagc. 
In den letzten Jahren sind einige Lackfabriken angelegt worden. Durch 
die vorgeschriebenen Einrichtungen scheint der Feuersgefahr wie auch den Be 
lästigungen durch üblen Geruch wirksam vorgebeugt zu sein, denn es haben sich 
keine Anstände ergeben. 
In größerer Anzahl wurden Genehmigungen für Seifensiedereien, auch 
für Neuanlagen, erteilt, ohne daß durch diese Belästigungen der Nachbarschaft ent 
standen wären. Wesentlich ist dabei die Vorschrift, daß nur reine Fette und aus-
	        
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