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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

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Abteilung I. 
beamten viel Arbeit. Leider sind viele solche Gebäude Mietshäuser, bei denen die 
Art der gewerblichen Betriebe noch nicht feststeht. Für diese sind allgemeine An 
forderungen ausgearbeitet worden, welche dem Erbauer im Genehmigungsverfahren 
mitgeteilt werden. 
ck) Schutz in gesundheitlicher Hinsicht. 
Die Gewerbehygiene bildet heute ein Hauptfeld für die Thätigkeit der Ge 
werbeaufsichtsbeamten. 
Nach der Novelle vom Jahre 1891 (§ 120a Absatz 2) ist zunächst für ge 
nügendes Licht, ausreichenden Luftraum und Luftwechsel, Beseitigung des bei dem 
Betriebe entstehenden Staubes, der dabei entwickelten Dünste und Gase, sowie der 
dabei entstehenden Abfälle Sorge zu tragen. 
Bezüglich der Beleuchtung wird diesseits der praktische Maßstab zu Grunde 
gelegt, daß Arbeit und Verkehr mit Sicherheit und ohne starke Anstrengung des 
Auges zu bewältigen sein müssen; ein Raum ohne genügendes Tageslicht wird 
als gesundheitsschädlich nicht zugelassen svergl. § 37 der Bau-Polizei-Ordnung). 
Die Art der künstlichen Beleuchtung wird im übrigen freigestellt, wenn nicht An 
forderungen wegen besonderer Helligkeit, der Vermeidung offener Flammen oder 
der Verschlechterung der Luft durch die Verbrennungsabgänge und dergl. zu 
stellen sind. Der zu fordernde Luftraum wird jetzt bei Gewerben ohne-besondere 
Schädlichkeit zu mindestens 8—10 cbm auf den Kopf, bei anderen in Überein 
stimmung mit den Vorschriften für Buchdruckereien zu 12—15 cbm angenommen. 
Auf den von Pettenkofer aufgestellten und durch die Praxis bewährten Grund 
sätzen beruht die Forderung, daß jedem Arbeiter je nach der herrschenden Luft- 
verschlechterung durch die Arbeit 30—60 cbm frische Luft in der Stunde zuge 
führt werden sollen. 
Schon die Durchführung der ersten beiden leicht zu überwachenden Forde 
rungen nach genügendem Licht und Luftraum machte das Einschreiten der Auf 
sichtsbeamten in sehr vielen Fällen nötig. Namentlich ist die Besetzung der 
Raume in solchen Gewerben oft zu stark, bei denen der Arbeiter wenig Platz für 
seine Hantierung braucht. In Schneider- und Putzmacher-Werkstätten, in solchen 
für Herstellung von Putzfcdern, künstlichen Blumen, Kravatten, Korsetts u. s. w. 
fand man oft nur einen Luftraum von 4—5 cbm. Die Luft wurde dabei nicht 
nur durch die unvermeidliche Staubaufwirbelung verschlechtert, sondern auch durch 
Wärme, Dunst und andere Abgänge von Plättarbeiteu, Dampfapparaten, schlechten 
Heizvorrichtnngen, Verwendung von riechenden Farben und Lacken, Klebemitteln 
u. s. w. Die Unterbringung der belästigenden Arbeiten in besonderen Räumen 
und die bessere Verteilung der Arbeiter in den Werkstätten haben in solchen Fällen 
die unerträglichen Zustände verbessert. 
Noch größere Schwierigkeiten ergeben sich bei der Forderung nach genügen 
dem Luftwechsel. Für die Erneuerung der verunreinigten Luft muß nian sich zur 
Zeit meist noch mit der natürlichen Ventilation und einfachen sie verstärkenden 
Hülfsmitteln begnügen. Die dazu dienenden baulichen Einrichtungen sind für 
Fabriken meist noch ungenügend. Das in Ermangelung mechanischer Ventilalions- 
vorrichtnngcn übrig bleibende einfache Auskunftsmittel des Öffnens von Fenstern 
und Thüren ist schon aus dem Grunde, weil es im Belieben der Arbeiter steht, 
meist unzureichend. 
Besondere Mißstände fanden sich bei der Benutzung von Kellerräumen. In 
diesen ist erfahrungsgemäß die natürliche Lufterneuerung immer mangelhaft. Der 
Mangel an Sonnenlicht, die Erdfeuchtigkeit u. a. tragen zur Verschlechterung der 
Zustände bei. Ihrer gänzlichen Beseitigung stehen aber oft rechtliche und prak 
tische Gründe entgegen; so befinden sich z. B. eine große Anzahl von Metall 
gießereien und die meisten Bäckereien noch in Kellerräumcn. Es bleibt deshalb 
in dieser Hinsicht noch viel zu wünschen übrig.
	        
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