Path:

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

Veterinärpolizei. 
315 
geführten seuchenverdächtigen Schweine wurde die Absonderung der verseuchten 
oder verdächtigen Bestände und die sofortige Abschlachtung der kranken Tiere unter 
Aufsicht eines beamteten Tierarztes angeordnet. Mit der gedachten Verordnung 
wurde eine gemeinfaßliche Belehrung über die Kennzeichen und den Verlauf der 
Rotlaufseuche, der Schweineseuche und der Schweinepest veröffentlicht. 
Zum Zwecke der Verhütung der Verbreitung von Geflügelcholera wurde 
unter dem 25. September 1897 eine landespolizeiliche Anordnung erlassen, der 
eine Belehrung über die Geflügelcholera beigefügt war. Vorgeschrieben wurde 
durch die landespolizeiliche Anordnung: die Anzeigepflicht beim Ausbruche der 
Seuche, die öffentliche Bekanntmachung des Seuchenausbruches, eine entsprechende 
Kennzeichnung des Gehöftes durch Anbringung der Aufschrift „Geflügelcholera", 
die Absonderung und Absperrung der kranken Tiere, die Durchführung der Ge 
höftssperre für das gesamte anscheinend noch gesunde Geflügel des Seuchengehöftes, 
die polizeiliche Überweisung der verendeten oder krankheitshalber getöteten Tiere 
mit allen ihren Teilen fauch mit den Federn) an die Abdeckerei zur Vernichtung 
und endlich die Art der acht Tage nach dem letzten Seuchenfalle vorzunehmenden 
Desinfektion. Ferner ist auch das Verfahren, welches beim Auftreten von Seuchen 
fällen unter den aus dem Transport befindlichen Geflügelbeständcn zu beobachten ist, 
in dieser landespolizeilichen Anordnung geregelt. 
Durch Bekanntmachung vom 26. Juli 1898 wurde das Treiben von Handels 
geflügel verboten und hinsichtlich der zum Geflügeltransport benutzten Wagen vor 
geschrieben, daH sie mit Vorrichtungen gegen das Herabfallen von Einstreu und 
Kot versehen sein und daß sie, wie auch die bei Geflügelausladungen benutzten 
Eisenbahnrampen, nach jedesmaligem Gebrauch gereinigt und desinfiziert werden 
müssen. 
Die gleiche Anordnung wurde für den Amtsbezirk Rummelsburg durch die 
Bekanntmachungen vom 12. Januar und 25. Februar 1899 getroffen. — 
Bereits unter dem 22. Oktober 1897 war der Untersnchungszwang für die 
auf der Viehladestation und dem Rangierbahnhofe in Rummelsburg, auf dem 
Ostbahnhofe und dem Schlesischen Bahnhöfe anlangenden Geflügelsendungen an 
geordnet und die Absperrung, sowie die polizeiliche Beobachtung und die Kontrolle 
durch einen beamteten Tierarzt hinsichtlich der bei der Entladung als seuchenkrank 
erkannten Zutriebe auf die Dauer von acht Tagen nach dem letzten Seuchenfalle 
vorgeschrieben worden. Wie wichtig eine solche Anordnung für die Sicherheit des 
Geflügelhandels war, geht daraus hervor, daß unter den auf gedachten Bahn 
höfen ausgeladenen Geflügeltransporten (fast ausschließlich russischen Ursprunges) 
in Rummelsburg vom Oktober bis einschließlich Dezember 1897 in 15 Ladungen 
mit 18 000 Gänsen, 1898 ebenfalls in 15 Ladungen mit 18 000 Gänsen, 1899 
in 17 Ladungen mit 20 000 Gänsen, 1900 in 16 Ladungen mit 18 800 Gänsen 
und auf dem Schlesischen Güterbahnhof im Jahre 1899 in 3 Sendungen Enten 
und Hühner (davon eine aus Galizien) und 1900 in einer Sendung von gleicher 
Zusammensetzung der Ausbruch der Geflügelcholera festgestellt wurde. — 
Durch Bekanntmachung vom 18. Februar 1900 endlich wurde dieser Unter 
suchungszwang auch auf das Geflügel aller Art in- und ausländischen Ürsprungs 
ausgedehnt, welches aus oder über gewisse inländische, der Grenze nahe belegene 
Orte auf den Bahnhöfen Lichtenbcrg—Friedrichsfelde, Frankfurter Allee und 
Weißensee eintrifft. Noch in demselben Jahre erfolgten Seuchenfeststellungen unter 
je einer auf den Bahnhöfen Frankfurter Allee und Weißensee angelangten Geflügel 
sendung. Nur wenige der bei der Ausladung verseucht befundenen Bestände 
konnten nach Ablauf der acht Tage lang nach dem letzten Seuchenfalle durch 
geführten Absperrung auf dem in Rummelsburg eingerichteten Seuchenhofe wieder 
in den Verkehr gebracht werden, denn in der Regel traten schon in den ersten 
Tagen unter den abgesperrten Herden so große Verluste ein, daß die Eigentümer 
sich zur Vornahme der Tötung der betreffenden Bestände entschlossen. In den 
40*
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.