Path:
Volume Abschnitt III. Die einzelnen Abteilungen Abteilung I 10. Medizinal- und Sanitäts-Polizei

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

272 
Abteilung I. 
als cs sich um Syphilis, Tripper uub Krätze handelte. Die Maßnahmen der 
Abteilung II beschränkten sich darauf, im Wege gütlicher Vermittelung die Per 
sonen, bei denen ansteckende Krankheiten festgestellt wurden, zu veranlassen, daß sie 
sich in ärztliche Behandlung gaben und so ihre Heilung herbeiführten. 
Die Zahl der Fälle, in denen ansteckende Krankheiten der oben bezeichneten 
Art zur Kenntilis der Abteilung II gelangten, betrug im Jahre 
1891 . . . 
. . 342 
1896 . 
.... 353 
1892 . . . 
. . 360 
1897 . 
.... 323 
1893 . . . 
. . 247 
1898 . 
.... 458 
1894 . . . 
. . 418 
1899 . 
.... 399 
1895 . . . 
. . 308 
1900 . 
.... 337 
4. Desinfektion. 
In welcher Weise eine der wichtigsten gegen die Seuchen gerichteten Maß 
nahmen, die Desinfektion, geregelt ist und von Seiten der städtischen Des 
infektionsanstalt sin der Reichenberger-Straße) geübt wird, wurde im zweiten zehn 
jährigen Berichte (S. 151) geschildert. 
In der Berichtsperiode machte sich das Bedürfnis geltend, die Verpflichtung 
der Bürgerschaft zur Vornahme von Desinfektionen und die Kostentragung im 
Wege der Polizciverordnnng zu regeln. Zu diesem Zweck wurde die Polizei 
verordnung vom 3. Juli 1893 (Sammlung der Polizeiverordnungen Bd. I, S. 361) 
erlassen. 
Während der Berichtszeit kam das Formalin als neues Desinfektionsmittel 
auf und errang sich, zuerst von Frankreich aus warm empfohlen, im Hinblick auf 
seine bequeme Anwendung in Dampfform rasch eine große Beliebtheit. Seit 1895 
ist daher auch hier der Frage einer Änderung der hiesigen Desinfektions 
maßnahmen - praktisch näher getreten. Sowohl ini Kgl. Institute für Jnfektions- 
krankheiten wie von Seiten der Desinfektionsanstalt wurde eine größere Anzahl 
von Laboratoriumsversuchen und Vcrsuchsdesinfektionen verseuchter Krankenräume 
vorgenommen. Das anderwärts gefällte begeisterte Urteil über das neue Mittel 
konnte bisher noch nicht bestätigt werden. Denn es wirkt nur oberflächlich; es 
dauert bei seiner Anwendung neben allerlei sonstigen Unbequemlichkeiten länger 
bis die Bewohner ihre desinfizierten Räume wieder benutzen können; ferner bleiben 
die Gegenstände bei wässriger Desinfektion (Spray) länger naß; auch schädigt die 
unerläßliche nachträgliche Ammoniakentwickelung manche Anilinfarben und die un 
echten Goldsachcn (Barockrahmen und dergl.) Die hier bisher geübte Methode 
ist also leistungsfähiger. 
VI. Leichen- und Begrädnisivrsrn. 
In dem Verfahren bei Ausstellung der Totenscheine hat sich im allgenieinen 
nichts geändert. Erwähnt sei nur, daß die Reviere seit 1893 angewiesen sind, dafür 
zu sorgen, daß in Fällen, in denen uneheliche Kinder totgeboren oder innerhalb 
24 Stunden nach der Geburt gestorben sind, der zuständige Bezirksphysikus zur 
Besichtigung der Leiche requiriert wird, und daß nur auf Grund seines Gutachtens 
die Beerdigung zu gestatten, bei dem Verdacht einer unnatürlichen Todesart aber 
der Staatsanwaltschaft Anzeige zu erstatten ist. 
Seit dem Jahre 1894 fit auch das Verfahren über die standesamtliche An 
meldung und die Beerdigung von totgeborenen Kindern und im Mutterleibe ab 
gestorbenen, noch nicht ausgetragenen Leibesfrüchten neu geregelt. 
In der Frage der Leichenverbrennung ist innerhalb der Berichtsperiode in 
sofern ein Fortschritt zu verzeichnen, als nach eingehenden Verhandlungen des
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.