Path:
Volume Abschnitt III. Die einzelnen Abteilungen Abteilung I 10. Medizinal- und Sanitäts-Polizei

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

264 
Abteilung 1. 
kleinen Druckhefte den verschiedenen Jmpfärzten, desgleichen die für Aufbewahrung 
der Lymphe gegebenen Vorschriften den einzelnen Apothekern übergeben. 
Seit 1897 kontrolliert der Regierungs- und Medizinalrat, seit 1900 auch die 
Physiker, insoweit sie nicht selbst Jmpfärzte sind, die Jmpfärzte bezüglich ihrer 
Thätigkeit auswahlsweise in den Impfterminen. 
Den sogenannten Jmpfschädigungen, die oft in außerordentlich auf 
gebauschter Weise von den Jmpfgegnern in ihren Zeitungen behauptet werden, 
wird stets in eingehender Weise nachgegangen. Soweit überhaupt eine Feststellung 
möglich war, handelte es sich im allgemeinen um verhältnismäßig harmlose 
Störungen oder aber um Erkrankungen und Leiden, deren Zusammenhang mit 
der Impfung lediglich böswillig oder urteilslos behauptet war, der kritischen 
Würdigung gegenüber aber nicht Stand halten konnte. 
Diese Beschuldigungen und Anklagen wurden in systematischer Weise besonders 
zahlreich erhoben, als man am 14. Mai 1896 durch eine würdige Feier im Berliner 
Rathause das hundertjährigeJubiläum der ersten W. Jenner'schen Schutz 
impfung festlich beging. Die Jmpfgegner suchten dieser Feier ein nachträgliches 
Paroli durch einen internationalen Jmpfgegner-Kongreß vom 23. bis 
25. September 1899 zu bieten, an deni indessen nur sehr wenige Ausländer teil 
nahmen. Praktische Erfolge hat dieser Kongreß der Jnipfgegner nicht gehabt. 
Ueber die Thätigkeit der König!. Anstalt zur Erzielung tierischen Impfstoffes 
ist Folgendes anzuführen. 
Im Jahre 1887 wurde auf dem städtischen Central-Viehhofe eine Anstalt er 
öffnet, welcher die Aufgabe zufiel, den Bedarf an Tierlymphe für die Impfungen 
in der Stadt Berlin und in der Provinz Brandenburg zu decken. Der Vorsteher 
und der Assistent sind gleichzeitig an einer städtischen Impfstelle thätig, in welcher 
während des ganzen Jahres Menschenimpfungen vorgenommen werden, und welche 
zum Teile die Aufgaben der 1802 in Berlin gegründeten und 1888 eingegangenen 
König!. Preußischen Schutzblattern-Jmpfungs-Anstalt übernommen hat. In beiden 
Anstalten findet der Unterricht in der Jmpftechnik für die Studierenden der Berliner 
Universität statt. 
Außer den vorbezeichneten Ärzten sind in der Anstalt der jedesmalige Direktor 
der städtischen Fleischschau, ein Schreibgehülfe, ein Anstaltsdiener und dessen Frau 
beschäftigt. 
Da in den ersten Jahren die preußischen Provinzen nicht sämtlich mit eigenen 
Anstalten versehen waren, so mußte von Berlin aus vielfach ausgeholfen werden. 
Dies Verhältnis machte sich noch im Anfange der Berichtsperiode durch eine stärkere 
Lympheabgabe bemerkbar. 
Die praktische Thätigkeit der Anstalt ist aus den folgenden Zahlen ersichtlich: 
Jahr 
Zuni Zwecke der 
Lymphe- 
Gewinnung 
geimpfte Kälber 
Sendungen 
Zahl der 
Menschenimpfun 
gen, für welche 
Lymphe 
abgegeben wurde 
Betriebskosten 
M. 
1891 
97 
3914 
423 728 
12 020,35 
1892 
102 
3550 
379 656 
12 102,12 
1893 
105 
3544 
308 405 
12 142,88 
1894 
86 
3495 
281 873 
11 556,ii 
1895 
86 
3357 
264 392 
11 324,96 
1896 
62 
3481 
267 489 
11 749,81 
1897 ..... 
45 
3907 
262 014 
10 665,20 
1898 
61 
3931 
263 206 
11 411,48 
1899 
60 
4031 
291 089 
12 983,89 
1900 
51 
4065 
304 040 
11 963,16
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.