Path:
Volume Abschnitt I. Allgemeines

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

14 
Allgemeines. 
dem Wohnen in besserer Lust und mit dem Besitz eines wenn auch nur kleinen 
Gartens verbundenen Vorteile sich zu sichern. Die von dem Regierungspräsidenten 
zu Potsdam unter Zustimmung des Bezirksausschusses erlassene Baupolizei-Ord 
nung für die Vororte vom 5. Dezember 1892 ist bestrebt, durch die Verpflichtung 
zur landhausmäßigen Bebauung dem aus Gesundheitsrücksichten zu fördernden 
Bestreben der Schaffung von Einzelwohnhäusern gesetzlichen Schutz zu verleihen 
und einer durch ungesunde Terrainspekulation begründeten Steigerung der Grund- 
und Bodcnwerte entgegenzutreten. 
Das Zentrum der Stadt entwickelt sich mehr und mehr zu einer ausschließ 
lichen Geschäftsgegend, ähnlich der City von London. Während früher die König 
straße der H'auptsitz der eleganten Detailgeschäfte war, hat sich der Schwerpunkt 
des Detailhandels im letzten Jahrzehnt in fortschreitendem Maße nach der Leipziger- 
straße, der Straße „Unter den Linden" und der Friedrichstraße in dem Teil zwischen 
den erstgenannten beiden Straßen verlegt. Auf allen Gebieten des kaufmännischen 
Lebens ist das Bestreben erkennbar, sich die neuesten Errungenschaften der Technik bei 
der baulichen Ausstattung ihrer Geschäftsniederlassungen zu Nutze zu machen. Die 
großen Warenhäuser von Tietz und Wertheim in der Leipzigerstraße, von Israel in 
der Königstraße, die Gebäude der großen Bankinstitute, die großen Waren- und Kauf 
häuser des Engroshandels, bei denen es üblich geworden ist, ihnen einen kenn 
zeichnenden Namen zu geben, wie Kaufhaus Stuttgart, Stadt London, Spittelmarkt, 
Brandenburg, Ncu-Kölln am Wasser u. a. nt., geben hiervonein beredtes Zeugnis. 
Neben den Gebäuden der staatlichen und kommunalen Verwaltung, den Ge 
schäfts- und den Wohnhäusern sind auch die Stätten der Kunst und des Ver 
gnügens in der baulichen Entwickelung Berlins nicht zu kurz gekommen. In dieser 
Beziehung mögen hier Erwähnung finden: das Neue Theater (1892), das Theater 
„Unter den Linden" (1892), das Theater des Westens in Charlottenburg (1896) 
und das Urania-Theater in der Taubenstraße (1896). 
Nach dem Ergebnis der letzten Volkszählung befinden sich in Berlin 34 625 
bewohnte und 1129 unbewohnte Wohnhäuser, 371 Gasthäuser und 676 andere 
Anstalten aller Art. 
IV. Einfluß der GrsrhArbung auf dir Organisation und dir Thätig- 
krik drs Polizei-Präsidiums. 
Der Einfluß der Gesetzgebung auf die Organisation und Zuständigkeit des 
Polizei-Präsidiums ist im letzten Jahrzehnt nicht ent so tiefgreifender gewesen, als 
er in den beiden vorausgegangenen Dezennien durch den Erlaß des Zuständigkeits 
gesetzes vom 26. Juli 1876, des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung 
vom 30. Juli 1883 uttb des Gesetzes über die Zuständigkeit der Verwaltungs 
und Verwaltungsgerichtsbehörden vom 1. August 1883 bedingt worden war. 
Juunerhin sind eine Reihe von Gesetzen zu erwähnen, welche in örtlicher und sach 
licher Beziehung das Zuständigkeitsgebiet des Polizei-Präsidiums erweitert und 
seiner Thätigkeit ganz neue Gebiete erschlossen haben. 
An erster Stelle bedarf hier der Erlaß des Bürgerlichen Gesetzbuchs mit seinen 
Ncbengesetzen der Hervorhebung. Wenngleich dieses Gesetz sich auf eine Kodi 
fikation des Bürgerlichen Rechts beschränkt, so sind doch die Beziehungen und 
Berührungspunkte zwischen dem bürgerlichen und öffentlichen Recht so vielseitige, 
daß die Rückwirkung des neuen Privatrechts auf die Thätigkeit des Polizei-Prä 
sidiums au den verschiedensten Stellen gespürt wurde. Der Einfluß des Bürger 
lichen Gesetzbuchs machte sich besonders bei der Wahrnehmung fiskalischer Rechte, 
dem Abschluß neuer Verträge, ferner auf dem Gebiete des Fundrcchts, des Gesinde 
rechts und Vereinsrechts, bei Enteignungssachen und Namensänderungen bemerkbar. 
An dieser Stelle kann nur im allgemeinen auf die Bedeutung des Bürgerlichen 
Gesetzbuchs für die verwaltende Thätigkeit des Polizei-Präsidiums hingewiesen werden.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.