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Volume Abschnitt III. Die einzelnen Abteilungen Abteilung I 10. Medizinal- und Sanitäts-Polizei

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

Medizinal- und Sanitäts-Polizei. 
223 
In den Jahren 1891—1900 wurden gerichtlich bestraft: 
Zahl der 
Hebammen 
Grund der Bestrafung 
13 
Wiederholte Unterlassung von Meldungen 
12 
Errichtung einer Privat-Entbindungs-Anstalt ohne Konzession 
2 
Fahrlässige Tötung 
2 
Fahrlässige Körperverletzung 
23 
Fruchtabtreibung 
2 
Diebstahl 
2 
Begünstigung und Hehlerei 
1 
Summa 58 
Erpressung und Bedrohung 
3. Heilgehülfen. 
Die Verhältnisse der „geprüften Heilgehülfen" erhielten innerhalb des Berichts 
zeitraumes eine eingehende Regelung durch mehrfache Polizei-Verordnungen. 
Früher befaßte sich die Behörde mit den Heilgehülfen nur insoweit, als sie gemäß 
dem Ministerialerlasse vom 27. Dezember 1869 den vom Stadtphysikus gepimsten 
Personen ein Prüfungszeugnis ausstellte und ab und zu solchen Heilgehülfen, 
welche die in diesem Zeugnis vorgezeichneten Grenzen überschritten hatten, auf 
Grund obigen Erlasses in Verbindung mit dem § 53 2 der Reichsgewerbeordnung 
das Prüfungszeugnis durch Beschluß der Abteilung I entzog. 
In den Befugnissen der Heilgehülfen trat zunächst eine Änderung daduräi 
ein, daß die früher von ihnen vorgenommenen Wohnungsdesinfektionen seit dem 
1. August 1891 ausschließlich durch die Beamten der städtischen Desinfektions 
anstalt stattfinden dürfen. 
Eine staatliche Unterweisung, abgesehen von der Erteilung des Zeugnisses, 
fand nicht statt. Die Heilgehülfen bildeten sich zur Prüfung in Privatschulen vor; 
manche hatten bei Ablegung der Prüfung sich praktisch noch nicht mit Kranken 
beschäftigt. Das Überschreiten der Berufsgrenzen war fast zur Regel geworden. 
Die Ausübung der Massage, die den Ärzten entglitt, war in die Hände von 
geprüften und ungeprüften Heilgehülfen übergegangen; eine große Zahl der ge 
prüften Heilgehülfen qualifizierte sich als staatlich geprüfte Kurpfuscher, die mit der 
Zeit auch das verleimt hatten, was Gegenstand ihrer Prüfung gewesen war. 
Zur Besserung dieser Zustände erschien es wünschenswert, diesen Medizinal 
personen Gelegenheit zu besterer Vorbildung zu bieten, die Prüfung zu verschärfen 
und auch auf die Massage auszudehnen, die Einkommensverhältnissc der geprüfte» 
Heilgehülfen durch Erlaß einer Taxe zu verbessern, schließlich die Aufsicht durch 
Erlaß einer Heilgehilfenordnung und die Einführung einer Kontrolle durch die 
Physiker zu verschärfen. 
Nachdem die Versuche, den als Heilgehülfen zu Prüfenden behufs praktischer 
Ausbildung Eintritt in die öffentlichen Krankenhäuser zu verschaffen, an dem Wider 
stände der letzteren gescheitert waren, wurden im Polizeidienstgebände Kurse für 
Heilgehülfen unter Leitung eines Bezirksphysikns eingerichtet und ein dem Heb 
ammenlehrbuche nachgebildetes Lehrbuch für Heilgehülfen herausgegeben. Unter 
dem 17. Juli 1897 genehmigte der Minister der geistlichen, Unterrichts- und 
Medizinalangelegenheiten, daß von dem durch die Erlasse vom 13. Oktober 18ol 
und 27 März 1852 vor Ablegung der Prüfung erforderlichen Nachweis emer 
mehrwöchentlichen prakttschen Thätigkeit in einen, Krankenhause abgesehen werde» 
dürfe, solange sich dieselbe als undurchführbar erweist. Mn konnte am 1. Ok 
tober 1898 mit den erwähnten Kursen begonnen werden. Die Massage wurde
	        
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