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Volume Abschnitt III. Die einzelnen Abteilungen Abteilung I 10. Medizinal- und Sanitäts-Polizei

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

Medizinal- und Sanitäts-Polizei. 
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solcher Hülfsbedürsttger zu beachtenden Maßnahmen hingewiesen. Nach Mitteilung 
des Kuratoriums betrug die Zahl der im Laufe des Jahres 1900 von der Polizei 
den Unfallstationen übergebenen teilweise bewußtlosen Personen 2576. 
Die Fürsorge für Verunglückte oder plötzlich Erkrankte dehnte das Kuratorium 
auch aus den Transport derselben aus durch Bereitstellung von zweckmäßig und 
modem eingerichteten Krankentransportwagen. Es stehen zur Zeit 10 solcher 
Wagen in 9_ Depots bereit. Teils sind diese mit den Stationen, teils mit 
größeren industriellen Etablissements verbunden, welch' letztere außer den Gespannen 
auch Kutscher und als Samariter ausgebildete Begleiünannschast, und zwar zum 
großen Teil unentgeltlich zur Verfügung stellen. In den Wagen befinden sich 
Verbandkästen, deren Inhalt nicht nur von den Ärzten der Unfallstationen, sondern 
von jedem anderen Arzte, welcher den Wagen requiriert hat, benutzt werden kann. 
Durch die .Krankenwagen der Stationen umrden im Jahre 1900 1594 Transporte 
unentgeltlich ausgeführt. Außer den Wagen befinden sich auf jeder Station ein 
fachere Transportmittel, wie Handtragen, Räderbahren. 
Um bei größeren Unglücksfällen oder Massenunfällen, denen gegenüber die 
.Kräfte der nächstgelegenen Stationen nicht ausreichen würden, ein Zusammenwirken 
aller Stationen und ihrer Wagen zu ermöglichen, ist jede Unfallstation, die außerdem 
an das Stadtfernsprechnetz angeschlossen ist, mit Genehmigung des Polizeipräsidiums 
mit dem nächsten Polizeirevier durch eine direkte, auf Kosten der Unfallstationen 
hergestellte Telephonleitung verbunden. Da die Reviere ihr eigenes Netz haben, 
kann durch ihre Vermittlung auf das schnellste eine Verbindung aller Stattonen 
unter einander hergestellt werden; durch eine besondere Verfügung ist das Ver 
fahren bei Alarmierungen der Stationen mittels des Polizeitelegraphen geregelt. 
Glücklicherweise hat ein Massenunglück noch nicht Gelegenheit geboten, die Schlag- 
fertigkeit der Stationen ernstlich zu prüfen, doch zeigte sich bei einer auf Ersuchen 
des Kuratoriums veranstalteten Probealarmierung, daß der Rettungsapparat gut 
funktionierte. Zehn Minuten nach geschehenem Alann erschienen 2 Ärzte, 2 Minuten 
später 2 Wagen. Innerhalb von 21 Minuten waren 10 Ärzte und 6 Wagen und 
innerhalb 3 / 4 Stunden die gesamten Ärzte, Hülfsmannschaften und Wagen zur Stelle. 
Bei Tagen mit ungewöhnlich starteni Verkehr, z. B. Einzügen, Paraden, 
Fackelzügen u. s. w., wurden seitens der Unfallstattonen an besonders verkehrs 
reichen Plätzen fliegende Stationen eingerichtet, um solchen Personen, die in dem 
Gedränge krank oder beschädigt wurden, sofort Hülfe zu bringen. Bei solchen 
Anlässen bahnte sich ein Zusammenarbeiten mit dem Vaterländischen Vereine zuni 
roten Kreuze an. Diese führten zu dem Übereinkommen, daß aus den Stattonen 
Mitglieder des Frauenvereins in Kursen in der ersten Hülfeleistung praktisch unter 
wiesen wurden. Im April 1899 wurde ein gemeinsames Comit« gebildet, in 
welchem Mitglieder der deutschen Vereine vom roten Kreuz und der Berufs 
genossenschaften vertteten sind. Die Schilderung der gemeinsamen Bestrebungen 
der beiden Organfiattonen geht über den Rahmen dieses Berichtes hinaus. 
Es sei noch erwähnt, daß die Unfallstationen in der Hauptsache durch die 
Honorare der Berufsgenossenschaften unterhalten werden; weitere Beittäge fließen 
ihnen aus den Honoraren des sonstigen hülfesuchenden Publikums, von den Stadt- 
verwalningen Berlins und einigen seiner Vororte und von Gönnern der Jn- 
stttutton zu. 
o) Berliner Rettungsgesellschaft. 
Neben den Unfallstattonen ttat im Jahre 1897 eine zweite Jnstttution ins 
Leben, deren Zweck die Beschaffung und Vervollkommnung derjenigen Einrichtungen 
ist, welche zur ersten Hülfe bei Unfällen und plötzlichen Erkrankungen dienen, und 
die Fürsorge für deren stetige Bereitstellung. Die Bewegung ging in erster Linie 
von Ärztekreisen aus; die Unfallstationen hatten durch die Verbindung mit den 
Berufsgenossenschaften und der ausgesprochenen Absicht, die Behandlung der beruf- 
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