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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

Verkehrspolizei. 
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, Der Bestimmung zu 2 wurde dadurch genügt, daß die Wagenführer von der 
Firma Lange & Gutzeit zwei Wochen laug praktisch und theoretisch ausgebildet 
wurden, hierauf eine Woche lang unter Aufsicht Fahrten ausführten und dann 
von der genannten Firma das Befähigungszeugnis erhielten. — Der Bestimmung 
zu 3 wurde dadurch nachgekommen, daß an dem Wagen vor den Vorderrädern 
zwei sich in spitzem Winkel treffende Schutzbretter, 10 cm vom Erdboden entfernt, 
in der ganzen Breite des Wagens angebracht wurden. 
Am 3. September 1899 wurde der Omnibus als Einsatzwagen auf der Linie 
„Kreuzberg—Stettiner Bahnhof" eingestellt. Dies Verfahren, den Omnibus zu 
nächst nur als Einsatzwagen auf einer sonst mit Pferden betriebenen Linie ein 
zustellen, hatte den Vorteil, daß er im Fall notwendiger Ausbesserungen ohne 
Störung des sonstigen Fahrplans der Linie jeder Zeit aus dem Betriebe zurück 
gezogen werden konnte. — Die Erfahrungen, welche mit diesem Omnibus gemacht 
worden sind, können als verhältnismäßig günstige bezeichnet werden; derselbe hat 
sogar die Erwartungen übertrvsfen, welche hinsichtlich seiner Leistungsfähigkeit bei 
seiner Einstellung gehegt wurden. Während der 76tägigen Betriebsdauer unter 
hielt der Wagen an 57 Tagen Fahrten und befand sich 19 Tage behufs Vor 
nahme von Ausbesserungen in der Fabrik von Lange & Gutzeit. Am 18. No 
vember ereignete sich ein Hinterachsenbruch, und der Wagen wurde infolgedessen an 
diesem Tage endgültig aus dem Betriebe zurückgezogen. An Betriebsstörungen 
sind ausweislich einer Aufstellung der Gesellschaft 38 vorgekommen, wovon 22 auf 
Fehler an den Akkumulatoren, 10 ans Beschädigungen der Motore, 4 auf Unfälle 
des Wagens und 2 auf zufällige Ursachen zurückzuführen waren. Die beiden 
Hauptübel des Fahrzeuges bestanden darin, daß sein Gewicht (7400 kg mit voller 
Besetzung) erheblich über das sonst polizeilich zulässige Höchstgewicht eines Fuhr 
werks von «1000 kg hinausging, und daß es beim Eintritt von Schnee und Eis 
entweder völlig versagte oder seine Lenkbarkeit verlor. Es hatte sich beispielsweise 
in solchen Fällen gezeigt, daß die Räder sich zwar um die Achse drehten, der 
Wagen jedoch nicht von der Stelle kam. Es sind die verschiedensten Versuche ge 
macht worden, durch eine besondere Bereiselung der Räder den letzterwähnten 
Übelstand zu beseitigen. Zu einem befriedigenden Ergebnis haben dieselben jedoch 
nicht geführt. 
Die Neue Berliner Omnibus-Aktien-Gesellschaft hat ihre Versuche mit elektri 
schen Omnibussen vorläufig vollständig aufgegeben. Der vorhin erwähnte Omnibus 
ist mittlerweile für den Pferdebetrieb umgebaut worden. 
Ein erneuter Versuch mit elektrischen Omnibussen, aber in erheblich größeren! 
Umfange, wurde im Jahre 1900 von der Allgemeinen Berliner Omnibus-Aktien- 
Gesellschaft unternommen. Diese Gesellschaft unternahm den Versuch, eine eigene 
Linie mittels elektrischer Omnibusse nach einem behördlich genehmigten Fahrplan 
zu betreiben. Die Gesellschaft erhielt zu diesem Zweck die Erlaubnis zum elektri 
schen Betriebe der Omnibuslinie „Anhalter Bahnhof—Stettiner Bahnhof" unter 
denselben Bedingungen, wie früher die Neue Berliner Omnibus-Akiien-Gesellschast 
zu der Einstellung des von der Firma Lange & Gutzeit erbauten elektrischen 
Omnibusses als Einsatzwagen aus der Linie „Kreuzberg—Stettiner Bahnhofs, nur 
noch mit dem Zusatze, daß die zulässige größte Geschwindigkeit auf 12 km in der 
Stunde festgesetzt werde. — Die Länge der Linie betrug 4000 m, der Tarif war 
auf 10 Pfennige — mit 5 Pfennig-Teilstrecken — festgesetzt. Die Wagen wurden 
erbaut von der in Berlin domizilierten „Gesellschaft für Verkehrsunternehniuugen". 
Sie besaßen eine Länge von ca. 4 w. eine Breite von 2 m und eine Höhe von 
3,3 m, enthielten im Innern 12 Sitzplätze und boten auf der Plattform Platz für 
5 Personen. In der Hauptsache unterschieden sich diese neuen elektrischen Omnibusse 
von den früheren der Neuen Berliner Omnibus-Aktien-Gesellschaft dadurch, daß sie 
keine Verdeckplätze hatten und daß sich die Akkumulatoren im Wageninnern unter 
den Sitzbänken befanden und zwar zur Hälfte auf beiden Seiten des Wagens.
	        
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