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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1891/1900 (Public Domain)

Verkehrspolizei. 
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mit einem selbstthätigen Apparate, welcher auf der dem Fahrgaste zugekehrten Seite 
abwechselnd Berliner Sehenswürdigkeiten und dergleichen vorführen sollte, wurde 
nach der bereits in früheren Fällen geübten Praxis mit Rücksicht auf § 15 Abs. 2 
des Droschken-Polizeireglements, wonach kein Konzessionär berechtigt ist, konzessionierte 
Fuhrwerke zu anderen Zwecken als zum öffentlichen Fuhrbetriebe, also auch nicht 
zu Reklamezwecken, zu benutzen, abgelehnt. Dagegen stellte sich die Behörde den 
im Winter 1894/1895 gleichzeitig von vier verschiedenen Finnen gemachten Ver 
suchen mit Heizapparaten in den Droschken nicht ablehnend gegenüber. Die Apparate 
waren leichte, luftdicht verschließbare oder mit kleinen Abzugsrohren für die Dämpfe 
versehene Kästen aus Gußeisen oder verzinntem Eisenblech, welche unter dem 
Vordersitz oder Rücksitz des Wagens angebracht wurden und außer zur Erwärmung 
der Luft im Innern der Droschke gleichzeitig den Fahrgästen als Fußwärmer 
dienten. Als Heizmittel kamen glühende Briquettes, Glüheisen oder glühende 
Bolzen zur Verwendung. Das Polizei-Präsidium erteilte die Genehmigung zur 
versuchsweisen Einführung dieser Heizapparate für geschlossene Droschken unter 
Vorbehalt des jederzeitigen Widerrufs, falls sich Unzuträglichkeiten herausstellen 
sollten. Ebenso wurde gegen die Anbringung eines kleinen Plakats mit der Auf 
schrift „geheizt" an der Innenseite des Wagenfensters nichts eingewendet. Im 
Gebrauch bewährten sich indessen die Apparate nicht sonderlich. Einzelne Apparate 
führten wiederholt dadurch zu Unznträglichkeitcn, daß die entwickelte zu große Hitze 
ein Versengen von Gegenständen, die mit ihnen in Berührung kamen, verursachte; 
andere Apparate arbeiteten infolge Enüveichens von Gasen und Staubteilen 
nicht geruchlos, so daß sie für geschlossene Droschken ungeeignet waren, wieder 
andere waren durch die besondere Art ihrer Beheizung zuerst zu heiß und kühlten 
sich alsdann zu schnell ab. Es wurden deshalb auch ziemlich bald sämtliche 
Apparate wieder aus dem Betriebe zurückgezogen und weitere derartige Versuche 
nicht mehr gemacht. 
Mehrere Anträge, welche die Einführung von Tretmotor-Droschken (Fahrrad- 
Droschken), d. h. von fahrradartig durch Menschenkraft fortbewegten Wagen, zur 
öffentlichen Beförderung von Personen auf allen für den Droschkenverkehr frei 
gegebenen Straßen und Plätzen Berlins bezweckten, wurden abgelehnt, da sich die 
selben bei den vorgenommenen Probefahrten als zur Verwendung im öffentlichen 
Fuhrbetriebe ungeeignet gezeigt hatten. Auch steht die Behörde auf dem Stand 
punkt, daß die Genehmigung derartiger, völlig neuer Beförderungsmittel — da zu 
ihrer Erprobung die öffentliche Personenbeförderung nicht das geeignete Feld ist 
— erst in Erwägung genommen werden kann, wenn sie sich bis zu einem gewissen 
Grade im privaten Verkehr eingebürgert und dadurch den Beweis für ihre Zweck 
mäßigkeit und Gebrauchsfähigkeit geliefert haben. Dies ist aber bei den oben be 
zeichneten Fahrzeugen bis jetzt noch nicht der Fall. 
Dasselbe Schicksal hatte ein Antrag auf Zulassung von Kraftdreirädern mit 
Anhängewagen als öffentliches Verkehrsmittel, zumal die Gefährte dein. Halten 
und Bremsen einen unangenehmen, das Publikum belästigenden Geruch verbreiteten 
und auch nicht im Stande waren, einigermaßen erhebliche Wegesteigungcn zu über 
winden. 
Nachdem ein im Jahre 1896 von der Akkumulatorfabrft Hagen i./W. vor 
gestellter Wagen mit elektrischem Antrieb als ungeeignet zurückgewiesen worden war, 
nahm der Fuhrherr Thien, Hierselbst, gegen Ende des Jahres 1899 die Versuche, 
Fuhrwerke, die nicht durch Pferdekraft fortbewegt werden, für den 
öffentlichen Fuhrbetrieb nutzbar zu machen, wieder auf. Der erste derartige von 
ihm vorgestellte Wagen, bei welchem der Antrieb durch einen Benzinmotor iDaimler 
motor, Phönix) von vier Pferdekräften erfolgt, ist nach Art der Whiskys gebaut, 
und es entsprechen seine Bauart und Abmessungen denjenigen der Droschken- 
1. Klasse. Der Benzinmotor ist vor dem Führersitz angeordnet und überträgt seine 
Kraft vermittelst Zahnräder auf eine Welle, die durch Ketten die Hinterräder in 
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