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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

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Feuerwehr. 
In früheren Zeiten bestand allerdings die größte Gefahr in der Bauart der 
Häuser, eine Gefahr, welche zuweilen so groß war, daß bei einem Feuer nicht nur 
die Baulichkeiten ganzer Straßenzüge zerstört wurden, sondern sogar ganze Städte 
der Vernichtung durch Feuer anheimfallen konnten. Über diese Gefahr haben in 
den großen Städten die Bauordnungen allerdings fortgeholfen, die oben ange 
deuteten Gefahren bestehen aber noch und können nur durch ein fortwährendes Zu 
sammenwirken der Baupolizei mit der Feuerpolizei und mit der Feuerwehr durch 
vorbeugende Maßregeln in gewissen Grenzen gehalten werden. 
Als wesentlicher Gesichtspunkt muß hierfür Folgendes festgehalten werden: 
Alle baulichen und Betriebs-Einrichtungen, welche den zuständigen Behörden 
zur Kenntniß kommen, müssen zunächst daraufhin geprüft werden, ob int Falle eines 
Brandes in dem Gebäude Menschenleben gefährdet sein würden. Die noth 
wendigen Einrichtungen, um dies zu verhindern, müssen mit größter Strenge durch 
geführt werden. 
Die notorische Gefahr, welche für Menschen in Theatern, Versammlungs 
räumen u. s. w. besteht, hat zu einer neuen Verordnung (vom 31. Oktober 1889) 
geführt, an deren Bearbeitung der Branddirektor mit betheiligt war. 
Für Fabriken und ähnliche Gebäude lassen sich allgemeine Vorschriften schwerer 
feststellen, da einerseits die bezüglichen Einrichtungen in sich zu verschieden sind, 
andererseits, wie z. B. die Benutzungsart Von Fabrikräumen, häufig wechselt. 
Die früher nicht gekannte Einrichtung, daß ein Hausbesitzer weit ab von der 
Straße auf seinem Grundstück ein Fabrikgebäude mit gemeinsamer Dampfmaschinen- 
Anlage errichtet und die einzelnen Stockwerke mit Dampfkraft für verhältnißmäßig 
kurze Zeit an die verschiedensten Betriebe vermiethet, erschwert eine einheitliche 
Regelung für die einzelnen Fabrikationsarten ganz bedeutend. 
Zur Sicherung der in den Fabrikgebäuden beschäftigten Leute kann deshalb 
generell iiicbt niehr geschehen, als daß durch baupolizeiliche Vorschriften möglichst 
feuersichere Bauart, möglichste Trennung der einzelnen Theile des Gebäudes von 
einander und ausreichend sichere Treppenanlagen verlangt werden. 
Die übrigen nothwendigen Einrichtungen müssen unter Zugrundelegen der be 
stehenden feuerpolizeilichen Vorschriften von Fall zu Fall vorgeschrieben und durch 
geführt werden. 
Wesentlich anders liegen die Verhältnisse, wenn Menschenleben voraussichtlich 
nicht in Gefahr komincn können oder für die Rettung derselben Alles eingerichtet 
ist, was nach den bisherigen Erfahrungen zweckdienlich erscheint, wenn es sich also 
lediglich um die Feuersgefahr für Werthe handelt. 
" Der Verlust, welcher durch das Feuer herbeigeführt wird, ist unersetzlich; es ist 
ein Verlust am Nationalwohlstande. Die Feuerversicherung deckt zwar den Schaden, 
ersetzt jedoch den Verlust nicht, sondern vertheilt ihn nur auf eine größere Anzahl 
von Personen und legt ihn auf andere Schultern. Es ist deshalb gerechtfertigt, 
daß zur Abwendung solcher unersetzlichen Verluste weitgehende Maßregeln getroffen 
werden. Immerhin müssen die zu treffenden Maßregeln jedoch im Verhältniß zu 
dem zu erreichenden Zweck stehen. 
Es darf nicht der ganze Betrieb unmöglich gemacht werden, weil etwa eine 
Feuersgefahr vorhanden ist, sondern es müssen von Fall zu Fall Mittel gesucht 
werden, um die Gefahr möglichst abzuschwächen, ohne den Betrieb dabei über das 
nothwendigste Maß zu belasten. Geschieht letzteres dennoch, so würde dadurch eben 
falls eine Schädigung des Rationalwohlstandes eintreten, welche unter Umständen 
schwerer wiegt, als die einer gelegentlich eintretenden Feuersgefahr. 
Für letztere ist ja, da die vorbeugenden Maßregeln allein nicht ausreichen, die 
Feuerwehr da und es ist ihre Aufgabe, im oben dargelegten Sinne mit den anderen 
Behörden zusammen zu wirken, außerdem ihre Organisation und Gerüthe derart 
zu gestalten, daß sie nach allsgebrochenem Feuer schnelle und absolut zuverlässige 
Hülst bringt und dllrch ihre Taktik und ihr zielbewußtes Arbeiten die Schädcil
	        
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