Path:

Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

422 
Dampf und Elektrizität im öffentlichen Fuhrwesen. 
Die Berliner Pferdebahn-Gesellschaft beabsichtigte damals, einen solchen Omnibus in 
Dienst zu stellen. Derselbe war jedoch zil schwer; auch entgleiste er in der 
Endkurve und zeigte seine Fortschaffung, die nahezu 3 /\ Stunde Zeit in Anspruch 
nahm, die Schwierigkeit seiner Verwendung in besonderem Grade. 
Im Jahre 1884 stellte die Kurfürstendamm- Gesellschaft mit behördlicher Ge 
nehmigung auf dem Kurfürstendamm mit einem Rowan'schen Dampfspur 
wagen Fahrversuche an. Das Gewicht des Wagens betrug 6 450 Kilogramm, 
von denen allein 4 000 Kilogramm auf die Maschine kamen. Die Versuche fanden 
wiederholt und im Beisein von Vertretern des landwirthschaftlichen Ministeriums 
und des Polizei-Präsidiums statt. Anträge auf die dauernde Verwendung dieser 
Maschine im öffentlichen Fährbetriebe wurden in bestimmter Form nicht gestellt; 
«ncli hörten die Fahrversuche mit derselben auf, als bestimmte sicherheitspolizeiliche 
Anforderungen für ihreir Betrieb gestellt uild anderweite, von dem Ergebniß weiterer 
Erfahrungen abhängig zu »rächende in Aussicht gestellt wurden. 
Versuche mit "der Einführung elektrischer Pferdebahnwagen nach dem 
System von Reckenzan wurden zuerst in den Jahren 1885 und 1886 von der 
Großen Berliner Pferdebahn-Gesellschaft zwischen der Ladestation im Ausstellungs 
park und dem Brandenburger Dhor, und später zwischen Moabit und Charlotten 
burg unternommen. Die elektrische Kraft wurde durch Akkumulatoren, die am 
Wagen angebracht waren, diesem zugeführt. Die Geschwindigkeit imb die Fort 
bewegung war eine sehr ungleiche. Ferner nahm das Auswechseln der Akkluimlatoren 
stets einen längeren Zeitraum in Anspruch. Auch wurde ein schnelles lind sicheres 
Bremsen nicht erzielt. Die Große Berliner Pferdebahn-Gesellschaft nahm deshalb 
von weiteren Versuchen Abstand. Zwecks Einführung elektrischer Wagen stellte 
dann im August 1886 die Berliner (Charlottenburger) Pferdebahn-Gesellschaft mit 
einem in der Schwarzkopff'schen Fabrik erbauten Wagen voll Neuem auf der Linie 
Charlottenburg—Lützowplatz Versuche an. Mehrfache Entgleisungen und Beschädigungen 
der Maschine führten zur Einstellung auch dieser Versuche. 
Im Jahre 1887 unternahm dann die Schwarzkopff'sche Fabrik noch selbst, eine 
sogenannte Vorspann-Maschine in den Betrieb zu stellen, jedoch ohne Erfolg, 
Nach dieser Zeit sind ähnliche Versuche nicht mehr gemacht worden. Der 
Grund hierfür liegt zum Theil wohl in den verkehrspolizeilichen Bedenken, die 
jenen Versuchen entgegenstehen, »veil diese Art der Benutzung der Straßen durch 
Straßen-Lokomotiven, wie auch aus Vorstehendem 51t entnehmen ist, leicht Verkehrs 
störungen hervorrufen kann, deshalb auch vom verkehrspolizeilichen Standpunkte 
aus streng geprüft werden muß und in an sich verkehrsreichen Straßen grundsätzlich 
nicht zugclaffen werden darf. Mehr noch und hauptsäcblich dürsten dabei jedoch 
die schnellen Fortschritte der Technik in Betracht gekommen sein, welche es den Unter 
nehmern bedenklich erscheinen lasten, die beträchtlichen Kosten solcher Versuche auf 
die Gefahr hin zu opfern, daß die in Anwendung gebrachten Systeme, kaum ein 
geführt, bereits als veraltet angesehen und von neuen Erfindungen überholt werden. 
Zu erwähneil ist nur noch, daß im Jahre 1890 mehrere umfangreiche Pläne zur 
Einführung elektrischer oder mit Preßluft betriebener Straßenbahnen eingereicht 
worden sind, hinsichtlich deren eine definitive Entscheidung noch nicht erfolgt ist.
	        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.