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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

Pferdebahnen. 
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Die Neigung, die Pferdebahnwagcn zu überfüllen, um dem Andrang der 
Fahrgäste zu entsprechen, hatte sich mehrfach lästig gemacht. Neben anderen Maß 
nahmen wurden deshalb die Gesellschaften, insbesondere die Große Berliner 
Pferdebahn-Gesellschaft, zur Neubeschaffung einer Anzahl von Wagen und Pferden 
angehalten. 
Die Verbesserungen, Abänderungen und Einrichtungen, welche im verflossenen 
Jahrzehnt an den Pferdebahnwagcn zum Theil aus eigenem Antrieb, hauptsächlich 
aber auf Veranlassung des Polizei-Präsidiums von den Gesellschafteu eingeführt 
worden, sind ziemlich zahlreich und von besonderer Bedeutung. 
Die Klagen über zu knappe Abmessungen des Rauminhalts und die kantige 
Form der Außenräume der Pferdebahnwagen führte zu ihrer Umgestaltung an 
allen den Wagen, an denen ihre Umformung durch Vertiefung des Flächenraumes, 
durch Abänderung und Ausbuchtung der abschließenden Wandung und durch Hebung 
und Vergrößerung der Überdeckung ausführbar war. 
Die früher gebräuchlichen gitterartigen Auftritte aus Bandeisen an den Außen 
räume» wurden, wegen der aus ihnen entstehenden Gefahr beim Auf- und Abstieg, 
beseitigt und durch dichtere, aus Stabeisen gefertigte ersetzt. 
Die Belästigungen, welche die Fahrgäste auf den Außenplätzen, sowie beim 
Auf- und Absteigen durch das Herabträufeln des Regens vom Dach der Wagen 
erfuhren, machten die allgemeine Anbringung metallener Abflußrinnen und die 
geeignete Verlängerung der bereits vorhandenen Dächer nothwendig. Zur Sicher 
heit der Fahrgäste wurde ferner die Brüstung des Verdecks der Wagen erhöht. 
Im Jntereffe der Fahrsicherheit, sowie zur leichteren Verhütung von Ünglücks- 
fällen wurden im Jahre 1883 die Bremsvorrichtungen an den Pferdebahn 
wagen, welche bis dahin nur 2 Räder zum Stillstand brachten, so eingerichtet, daß 
alle 4 Räder durch Bremsen gehemmt werden können. 
Zu einer wesentlichen Erleichterung des Verkehrs und zur Erhöhung des 
Schutzes der Pferde wurde auch an den sogenannten Amerikanischen und an den 
Ehrenfclder, mit Verdeck versehenen Wagen, die Deichsel entfernt, nachdem bereits 
eine Verschmälerung des Ortscheits durchgeführt und die Scheuklappen bei den 
Pferden in Wegfall gekommen waren. Nur an den großen und besonders schwer 
fälligen Wagen mit Dccksitz, den sogenannten Hamburger Wagen, welche »och in 
ziemlich großer Zahl von der Berliner und in geringerer Zahl von der Neuen 
Berliner Pferdebahn-Gesellschaft zum Betriebe verwandt werden, wurde die Deichsel 
beibehalten. 
An Stelle der früher aus Rohrbesen bestehenden Schutzvorrichtung vor den 
Rädern, die sich als unzulänglich erwies, wurde int Jahre 1884 eine von dem 
Ingenieur Peiser der Großen Berliner Pferdebahn-Gesellschaft erfundene Schutz 
vorrichtung allgemein eingeführt. Sie besteht in einer vor jedem Rade angebrachten, 
mit Gummi bedeckten kleinen Schaufel, deren äußerer Abstand vom FuHboden etwa 5 ein 
beträgt und welche dazu dient, Personen, welche in der Nähe des Pferdebahnwagens, 
besonders beim Auf- und Abstieg, fallen, von den Geleisen fortzuschicben, damit 
sie nicht unter die Räder gerathen. Auch traten, an die Stelle der früheren hölzernen 
Bremsklötze, solche von Eisen. 
Zur Verbesserung der unzureichenden Beleuchtung im Innern der Wagen 
wurden an den Laternen Spiegelreflektoren angebracht. Die bisherigen Versuche, 
das Innere der Wagen durch Gas zu erleuchten, haben keine günstigen Erfolge 
gehabt, da in Folge der Erschütterung der Wagen die Leitungen undicht wurden 
und das Gas ausströmte. Auch stößt die Beschaffung und die stete Bereithaltung 
einer allsreichenden Menge von transportablem Gas für den Betrieb auf besonders 
große Schwierigkeiten. 
Von besonderem Einflliß war die vom Polizei-Präsidium in den Jahren 1884/85 
angeordnete Beseitigung des Gitters am Vorderraum und die dadurch 
gewonnene Möglichkeit zum unmittelbaren Besteigen lind Verlaffen des Außenraums. 
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