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Full text: Verwaltungsbericht des Königlichen Polizei-Präsidiums von Berlin (Public Domain) Issue 1881/1890 (Public Domain)

Droschken. 
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es den Fuhrherrn unmöglich gemacht, die Kutscher gegen einen feststehenden Tagelohn 
zu beschäftigen. Seit langer Zeit hat sich in Folge dessen die Praxis herausgebildet, 
daß zwischen Fuhrherrn und Kutschern nur selten ein mündlich zum Ausdruck ge 
brachtes, sondern meist ein stillschweigend und als gebräuchlich vorausgesetztes Pacht 
verhältniß besteht. Es gilt als Regel, daß der Kutscher für eine Droschke I. Klasse 
mit voller Bespannung täglick an den Fuhrherrn 6 Mark Pacht und für eine Droschke 
II. Klasse 4,50 Mark zahlt. Rur einige wenige Fuhrhcrren, die das Droschken- 
Fuhrgewerbe in größerem Umfange betreiben und nicht aus die Erträge aus demselben 
allein angewiesen sind, haben ein gesunderes Pachtvcrhältniß ein- und durchgeführt. 
Dieselben übergeben dem Kutscher die Droschke und ihre Bespannung erst nach 
erfolgter Vorausbezahlung einer täglichen Pacht von 7 Mark für eine Droschke 
I. Klasse. Beide Arten des Pachtverhältnisses werden von dem Konzessionär, der 
der Polizei-Behörde überdies für die ordnungsmäßige Instandhaltung seines Fuhr- 
materials verantwortlich bleibt, als ein arger Mißstand empfunden. Die Erkenntniß, 
daß die vielfach und rücksichtslos geübte Untreue, Unredlichkeit und grobe Unwahr 
haftigkeit einer großen Zahl von Droschkenführern imb ihre Gleichgiltigkeit in Betreff 
der Pflege des ihnen anvertrauten Pferdematerials den an sich durchaus gesunden 
Droschken-Fuhrgewcrbebetrieb schädigt und mehr als irgend welche polizeiliche Vor 
schrift lähmt, hat bei den Droschkenbesitzern den Wunsch gezeitigt, ein zuverlässiges 
Beweismittel für die Höhe der Tageseinnahme der Kutscher zu gewinnen. Die 
Technik ist seit Jahrzehnten bemüht, ein solches Mittel zu beschaffen, bisher aber 
noch immer vergeblich. Jeder mechanische Kvntrolapparat für Droschkenfahrten 
kann immer nur gedacht und zur Amvcndung gebracht iverden in einer Verbindung 
mit den Droschken-Rädern und deren Felgen. Er wird nie alle Punkte eines ver 
zweigten Tarifs berücksichtigen können und ist in seiner Funktion, von Zerstörung 
durch Böswilligkeit ganz abgesehen, zu abhängig von der Tauglichkeit seiner Kon 
struktion, besonders aber von der Einwirkung des Pflasters, solvie von der Größe 
und Dauerhaftigkeit des Rades. Es bleibt die Möglichkeit, daß er längere Fahrten 
vertheuert, was von der Benutzung dieser Droschken abschreckt, und andrerseits kürzere 
Fahrten zu billig stellt, so daß der Gewinn des Gewerbe-Betriebes nicht ausreichend 
gesichert bleibt. Schwerlich wird er, selbst in dem beschränkten Maße seiner An 
wendbarkeit auf bloße Personcnfahrtcn, eine so sichere Grundlage für die Verfolgung 
zivil- und straftechtlichcr Momente- schaffen, wie der Wcgemeffer. An ihre Benutzung 
ist deshalb bisher stets polizeilich die Bedingung geknüpft worden, daß in allen 
Fällen von Streitigkeiten zwischen Fahrgast und Kutscher lediglich die polizeilichen 
Vorschriften für den Droschkentarif u. s. w. gelten. Nachdem schon im Jahre 1876 
dem Erfinder eines solchen Kontrolapparates, einem Herrn Redler, gestattet worden 
war, denselben mit der Äufschrift „Kvntrolapparat nur für Fahrten im Polizei-Bezirk 
Berlin", unter dieser Beschränkung anzuwenden, ohne daß jedoch mit demselben 
irgend welche nennenswertste Erfolge erzielt wurden, hat sich im Jahre 189(» in 
Berlin eine Aktien - Gesellschaft gebildet zur Ausnutzung eines, auf einem ähnlichen 
System beruhenden Kontrolapparates, den ein ausländischer Kaufmann hier einführen 
will. Die bisherigen Versuche mit diesem Apparat haben zunächst zu einer Ver 
besserung desselben geführt und cs steht zu erwarten, daß schon im Jahre 1891 aus 
reichende Erfabrungen mit demselben im öffentlichen Fuhrbetriebe gewonnen werden, 
um ein für alle Interessenten endgültiges Urtheil über seine Zuverlässigkeit und Ver 
wendbarkeit, wie für den Nutzen und die Annehmlichkeit eines mechanischen Kontrol 
apparates überhaupt im Rahmen des für Berlin gültigen Droschkentarifs zu er 
möglichen. 
In den letzten Jahren ist wiederum die Neigung einzelner Unternehmer und 
Unternehmergruppen stärker hervorgetreten, die Drosckken zu Zwecken der Reklame 
zu benutzen. Derartige Anträge sind bisher grundsätzlich stets abgelehnt worden. 
Es erscheint nickt zulässig, Plakate in den Droschken anzubringen, deren Inhalt sich
	        
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